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Chemikalien in Verpackungen beeinflussen das Hormonsystem

Mittwoch, 24. Februar 2016

Düsseldorf – Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) warnt vor Chemikalien in Kunststoffverpackungen. Substanzen, welche die Bindung der Hormone an ihre Rezeptoren beeinträchtigen – sogenannte endokrine Disruptoren – könnten beispiels­weise zu Störungen im Blutzuckerhaushalt oder im Kalziumstoffwechsel führen und damit Diabetes oder Osteoporose begünstigen. „Diese Chemikalien finden sich in Plastikverpackungen, Fertignahrung und in Kosmetika“, berichtet die Fachgesellschaft und mahnt zu einem bewussten Umgang mit diesen im Alltag weit verbreiteten Stoffen.

Von den über 800 chemischen Substanzen, die überall im Alltag zu finden sind, wirken laut der DGE manche wie Hormone und binden im Körper an einen Hormonrezeptor. Andere wiederum blockierten Hormonrezeptoren und verhinderten so, dass körper­eigene Hormone andocken und wirksam werden könnten. Wieder andere störten die Produktion oder die Umwandlung körpereigener Hormone.

„Wir wissen nicht, ob alle diese Stoffe das Hormonsystem nachhaltig beeinflussen. In letzter Zeit mehren sich aber die Hinweise, dass auch zunächst unverdächtige und scheinbar nützliche Chemikalien wie Weichmacher für Plastik, Flammschutzmittel, Beschichtungen für Pfannen und Verpackungen als endokrine Disruptoren auf Menschen wirken“, erläutert der DGE-Experte Ulrich Schweizer vom Institut für Biochemie und Molekularbiologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

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Er verweist auf eine Übersicht der US-amerikanischen Endocrine Society, deren Autoren die neue Literatur systematisch analysiert haben. „Die Auswertung zeigt deutlich, dass endokrine Disruptoren auch zur Erhöhung chronischer Erkrankungen wie Übergewicht und Diabetes beitragen“, so Schweizer. Für einige Stoffe lägen bereits belastbare Daten vor.

Dazu gehören Bisphenol A (BPA), das in vielen Beschichtungen für Lebensmittel­verpackungen enthalten ist, Phthalsäureester (Phthalate), die als Weichmacher für Plastik dienen, Pestizide und Herbizide wie DDT und Atrazin sowie Industriechemikalien wie polychlorierte Biphenyle (PCB) und polybromierte Diether. Letztere werden als Flammschutzmittel in Matratzen und Elektrogeräten verarbeitet.

Die DGE weist daraufhin, dass diese Substanzen schon in geringsten Konzentrationen auf Mensch und Tier wirkten, in den Industrienationen aber jährlich im Tonnenmaßstab produziert würden. Die Fachgesellschaft fordert eine intensivierte und international koordinierte Forschung zum Thema. Außerdem sei eine verstärkte Information der Öffentlichkeit, der Politik und der Behörden notwendig, um der zunehmenden Belastung von Nahrungsmitteln und Umwelt mit endokrinen Disruptoren entgegenzuwirken. © hil/aerzteblatt.de

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