Medizin

Hausarztdichte senkt vorzeitige Sterblichkeit in der Bevölkerung

Donnerstag, 25. Februar 2016

Leicester – In Regionen mit einer hohen Hausarztdichte kommt es zu weniger vorzei­tigen Todesfällen, was eine Querschnittstudie aus England in BMJ Open (2016;6: e009981) auf eine bessere Versorgung von Patienten mit chronischen Erkrankungen und hier insbesondere der arteriellen Hypertonie zurückführt.

Dass eine gute primärärztliche Versorgung einen messbaren Einfluss auf die Lebens­erwartung der Bevölkerung hat, lässt sich in epidemiologischen Studien nachweisen. So hat ein OECD-weiter Vergleich ergeben, dass eine hohe Hausarztdichte in einem Land mit einer niedrigen Sterblichkeit einhergeht (Health Serv Res 2003; 38: 831–65). In Brasilien hat die Einführung einer allgemeinen Hausarztversorgung „Programa Saúde da Família“ eine nachweisbare Wirkung gezeigt (BMJ 2014; 348: g4014).

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Wie in den meisten Ländern gibt es auch in England regionale Unterschiede in der Versorgungsdichte mit GPs (general practitioner). Richard Baker von der Universität in Leicester kann in der aktuellen Studie erneut zeigen, dass eine höhere Arztdichte mit einer verminderten vorzeitigen Sterblichkeit (Tod vor dem 75. Lebensjahr) verbunden ist. Ein zusätzlicher Arzt auf 1.000 Patienten würde, wenn die Berechnungen des Gesundheitsforschers korrekt sind, in England jedes Jahr 6.738 vorzeitige Todesfälle verhindern.

Baker hat in einer Analyse auch nach den Gründen für den günstigen Einfluss der Arztdichte gesucht. Die Anwesenheit des Arztes allein kann vermutlich keinen vorzeitigen Tod verhindern. Ausschlaggebend ist vielmehr die bessere medizinische Versorgung. Den mit Abstand größten Einfluss hatte die frühzeitige Diagnose einer Hypertonie.

Ein Anstieg der Diagnose um ein Prozent in der Bevölkerung könnte laut Baker jedes Jahr 1.202 vorzeitige Todesfälle verhindern. Auch dürfte die Diagnose allein nicht den Ausschlag geben, sondern die Behandlung. Die Datenbasis wird hier mit zunehmender Tiefe der Untersuchung immer unsicherer. Immerhin: Nach den Berechnungen von Baker könnte jeder prozentuale Anstieg in der Zahl der Einwohner, die einen Blutdruck von unter 150/90 haben, in England jährlich 121 vorzeitige Todesfälle verhindern.

Bei einer Reihe weiterer Faktoren waren die Assoziationen nicht signifikant, und die Beweiskraft einer Querschnittstudie ist ohnehin nicht sehr groß – besser wäre eine prospektive Langzeitbeobachtung und im Idealfall müsste eine randomisierte Studie durchgeführt werden. Laut Baker könnte sich jedoch ein Anstieg im Anteil der Koronarpatienten, die mit einem Beta-Blocker behandelt werden, schnell günstig auswirken. Einen positiven Effekt verzeichnet Baker auch für die Zunahme von Typ 2-Diabetern, die einen HbA1c-Wert von unter 7,0 Prozent erreichen, oder für die Zahl der Patienten, bei denen ein Vorhofflimmern erkannt (und therapiert) wird.

In der Studie kam weiter heraus, dass der Anteil der Diabetiker, der Raucher und übrigens auch der Menschen mit weißer Hautfarbe die vorzeitige Sterblichkeit erhöht. Der Einfluss der ethnischen Herkunft wurde allerdings erst sichtbar, wenn die sozioökonomische Deprivation (Verarmung) als Störfaktor herausgerechnet wurde. Die soziale Ungleichheit hat in England einen erheblichen Einfluss auf die vorzeitige Mortalität. Ein Rückgang um ein Punkt in dem „Index of Multiple Deprivation“ könnte nach den Berechnungen Baker jährlich 2.830 Todesfälle verhindern. © rme/aerzteblatt.de

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