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Medizin

Amblyopie: Gleich­strom-Elektroden könnten Sehstärke bei Erwachsenen verbessern

Donnerstag, 25. Februar 2016

Guangdong – Ein Forscherteam aus Kanada, Neuseeland und China will Erwachsenen, die seit ihrer Kindheit auf einem Auge schwachsichtig sind, durch Stromimpulse auf die Sehrinde des Gehirns wieder zum beidäugigen Sehen verhelfen. Erste bescheidene Erfolge der transkraniellen Gleichstromstimulation stellen sie in Scientific Reports (2016; 6: 19280) vor.

Schätzungsweise 5 Prozent der Bevölkerung leiden unter einer Amblyopie. Sie sehen nur auf einem Auge, weil das Gehirn die Signale des anderen Auges blockiert. Es handelt sich um einen angeborenen Schutz, der bei einer Schielstellung der Augen Doppelbilder verhindert. In der frühen Kindheit ist die Störung teilweise reversibel, wenn die Störung rechtzeitig korrigiert und das schwachsichtige Auge durch Verkleben des gesunden Auges trainiert wird.

Dies setzt allerdings eine Plastizität des Gehirns voraus, die bereits im Schulalter in der Regel nicht mehr vorhanden ist. Für Erwachsene gibt es derzeit keine effektive Therapie. Ein Team um Minbin Yu von der Sun Yat-sen-Universität in Guangdong bei Hongkong will dies ändern.

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Die Forscher experimentieren mit einem neuartigen Verfahren, das auch in Deutschland derzeit Gegenstand der Forschung ist. Bei der transkraniellen Gleichstromstimulation (tDCS) werden zwei Elektroden auf dem Schädeldach befestigt: Eine wird direkt über der Hirnregion platziert, die durch einen leichten, für den Patienten nicht wahrnehm­baren Strom beeinflusst werden soll. Die andere dient lediglich der Erdung. Je nach Richtung des Stroms wird eine anodale und kathodale tDCS unterschieden. 

Yu erhofft sich eine Wirkung der tDCS, da das schwachsichtige Auge von Menschen mit Amblyopie organisch gesund ist. Das Sehen wird lediglich durch einen Programmierungs­fehler verhindert. Eine wesentliche Rolle spiele dabei der Neuro­transmitter GABA, der von sogenannten inhibitorischen Neuronen freigesetzt wird. Bei der Amblyopie könnte er die Weiterleitung der Signale aus dem sehschwachen Auge verhindern. Tierexperimentelle Studien haben laut Yu gezeigt, dass die tDCS die Aktivität von GABA-ergen Neuronen hemmt. 

Da die tDCS ungefährlich ist, konnten die Forscher ohne weitere vorbereitende Studien die Wirkung an 21 Patienten mit Amblyopie untersuchen. Zum Vergleich wurden auch 27 sehgesunde Patienten behandelt. Die Probanden erhielten eine einmalige tDCS-Behandlung. Vorher und nachher wurden die visuell-evozierten Potenziale (VEP) und die Kontrastwahrnehmung auf dem schwachsichtigen Auge untersucht. VEP sind Nervenimpulse, die durch Lichtreize auf die Netzhaut im visuellen Kortex ausgelöst werden. Die Kontrastwahrnehmung wird mit einem sogenannten Gabor-Muster gemessen.

In beiden Tests kam es bei den Patienten auf dem amblyopen Auge vorübergehend zu einer Verbesserung – allerdings nur bei einer anodalen Stromrichtung, was laut Yu den Erfahrungen aus der Grundlagenforschung entspricht. Ob die Verbesserung des Kontrastsehens so weit verstärkt werden kann, dass die Patienten einen praktischen Nutzen hätten, ist nicht klar. Ein wichtiges Hemmnis ist derzeit, dass der Effekt nur kurze Zeit anhält. Die Forscher suchen derzeit nach Wegen, die Wirkung zu verlängern. Erst dann wären klinische Studien sinnvoll. Eine therapeutische Anwendung bei Patienten mit Amblyopie ist derzeit noch keine Perspektive. © rme/aerzteblatt.de

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