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Medizin

ASS kann bei Bypass-Operation fortgesetzt werden

Freitag, 26. Februar 2016

ASS-Moleküle dpa

Montreal – Eine niedrig-dosierte Behandlung mit Acetylsalicylsäure (ASS), die viele Patienten mit Herzerkrankungen zur Sekundärprävention weiterer Ereignisse erhalten, muss vor einer geplanten Bypass-Operation nicht unterbrochen werden. Zu diesem Ergebnis gelangt eine randomisierte klinische Studie im New England Journal of Medicine (2016; 374: 728-737).

Der Thrombozytenaggregationshemmer ASS kann bei größeren Operationen das Blutungsrisiko erhöhen. Es ist deshalb an vielen Herzzentren üblich, die Medikation 5 bis 7 Tage abzusetzen, um sie gleich nach der Operation fortzusetzen. Die Medika­mentenpause könnte den Patienten jedoch einem erhöhten Risiko von thrombotischen Ereignissen aussetzen, zu denen neben Herzinfarkt und Schlaganfall auch der Verschluss des Bypasses gehört. Die ATACAS-Studie (für: Aspirin and Tranexamic Acid for Coronary Artery Surgery) hat diese Frage, die sich wegen der häufigen Verordnung von kardialem ASS an Herzzentren täglich stellt, jetzt beantwortet.

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An der Studie, die auch den Nutzen von Tranexamsäure untersuchte, nahmen im Verlauf von zehn Jahren 2.100 Patienten teil, bei denen eine Bypass-Operation geplant war und die aufgrund ihres Alters, von Begleiterkrankungen oder einem gleichzeitigen Herzklappenaustausch oder anderen Reparaturen ein erhöhtes Thromboserisiko hatten. Bei allen Patienten wurde ASS vier oder mehr Tage vor der Operation abgesetzt. Die Patienten erhielten dann präoperativ 100 mg ASS oder Placebo. Nach der Operation wurde die ASS-Behandlung bei allen Patienten fortgesetzt.

In einer zweiten Randomisierung (im 2x2-Design) erhielten die Patienten Tranexam­säure, ein Fibrinolytikum, das ebenfalls thrombotische Komplikationen während und nach der Operation verhindern soll. Ein Viertel der Patienten wurde mit ASS und Tranexamsäure behandelt. Primärer Endpunkt der Studie war eine Kombination aus Tod und thrombotischen Komplikationen (nicht tödlicher Myokardinfarkt, Schlaganfall, Lungenembolie, Nierenversagen oder Darminfarkt) innerhalb von 30 Tagen nach der Operation. Die aktuelle Publikation befasst sich nur mit den Auswirkungen der ASS-Gabe.

Wie Paul Myles von der Alfred and Monash University in Melbourne und Mitarbeiter berichten, trat der primäre Endpunkt in der ASS-Gruppe bei 202 Patienten (19,3 Prozent) und in der Placebo-Gruppe bei 215 Patienten (20,4 Prozent) auf. Das relative Risiko von 0,94 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,80 bis 1,12 nicht signifikant.

Schwere Blutungen, die eine Reoperation notwendig machten, traten in der ASS-Gruppe bei 1,8 Prozent und in der Placebo-Gruppe bei 2,1 Prozent der Patienten auf. Der Unterschied war nicht signifikant. Dies traf auch auf den Anteil der Patienten zu, die eine Herzbeuteltamponade erlitten (1,1 Prozent in der ASS-Gruppe und 0,4 Prozent in der Placebo-Gruppe). Auch die Häufigkeit von postoperativen Herzinfarkten unterschied sich kaum: 13,8 Prozent in der ASS-Gruppe und 15,8 Prozent in der Placebo-Gruppe.

Die Ergebnisse stellen es den Herzzentren frei, ob ihre Patienten weiterhin eine ASS-Pause einlegen sollten oder nicht. Die Fortführung der ASS-Gabe dürfte allerdings die praktikablere Strategie sein. Auch die gleichzeitige Gabe von Tranexamsäure scheint nach den Ergebnissen der Studie unproblematisch zu sein. © rme/aerzteblatt.de

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