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Medizin

HIV: Präexpositions­prophylaxe mit Maraviroc effektiv

Freitag, 26. Februar 2016

New York – Die Kombination aus Tenofovir und Emtricitabin, die in den USA seit 2012 als Truvada zugelassen ist, ist nicht die einzige effektive Präexpositionsprophylaxe. Nach einer Studie der National Institutes of Health, die auf der Fachtagung CROI 2016 vorgestellt wurde, sind auch Maraviroc-basierte Therapien effektiv.

Der CCR5-Antagonist Maraviroc hemmt den Eintritt von HI-Viren in die Zelle. Das Medikament hat deshalb einen anderen Wirkmechanismus als Tenofovir und Emtricitabin, die als Reverse-Transkriptase-Inhibitoren die Replikation der Viren in der Zelle hemmen. Maraviroc ist für die Präexpositionsprophylaxe auch deshalb interessant, weil das Mittel nur selten Resistenzen verursacht. In einem der vier Arme der Studie HPTN 069/ACTG 5305 wurde Maraviroc deshalb als Monotherapie eingesetzt. In zwei weiteren Studienarmen war Maraviroc mit Tenofovir oder mit Emtricitabin kombiniert. Im vierten Arm der Studie erhielten die Patienten die einzige (in den USA) zugelassene Kombination aus Tenofovir plus Emtricitabin.

An der Studie beteiligten sich insgesamt 406 HIV-negative Männer, die Sex mit Männern haben und aufgrund von ungeschütztem Analverkehr ein deutlich erhöhtes Infek­tionsrisiko hatten. Wie Roy Gulick vom Weill Cornell Medical College in New York und Mitarbeiter jetzt berichten, haben sich die Maraviroc-basierten Strategien der Präexpositionsprophylaxe bisher als effektiv erwiesen. Es kam zwar bei fünf Patienten zu einer Neuinfektion und alle hatten eine Präexpositionsprophylaxe mit Maraviroc betrieben. Bei allen fünf wurden jedoch niedrige Wirkstoffspiegel im Blut gefunden, so dass Gulick davon ausgeht, dass sie die Präexpositionsprophylaxe nicht konsequent befolgt haben.

Die Forscher befassten sich auch mit einem möglichen Einwand gegen die Verwendung von Maraviroc. Frühere Studien an HIV-infizierten Personen hatten zu der Vermutung geführt, dass Maraviroc im Rektalgewebe zu einer Aktivierung der T-Zellen führt, was die Anfälligkeit für eine rektale Infektion erhöht haben könnte. Diese vermehrte Aktivierung von T-Zellen konnte jetzt in einer Unterstudie an 55 Patienten, bei denen Biopsien der Rektalschleimhaut entnommen wurden, nicht nachgewiesen werden. 

Gulick hält die Präexpositionsprophylaxe mit Maraviroc für effektiv. Sie sollte allerdings vorsichtshalber nicht als Monotherapie erfolgen. Vier der fünf Infektionen entfielen auf die Monotherapie mit Maraviroc, und in-vitro-Experimente zeigen laut Gulick, dass die Monotherapie weniger effektiv sein könnte. 

An der Studie HPTN 069/ACTG 5305 hatten auch 200 Frauen teilgenommen. Ergebnisse zu dieser Gruppe wurden von Gulick nicht vorgestellt. © rme/aerzteblatt.de

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