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Medizin

Antidepressivum verbessert kognitive Funktion bei HIV-Infizierten

Montag, 29. Februar 2016

Baltimore – Das Antidepressivum Paroxetin hat in einer kleinen randomisierten Studie die kognitiven Funktionen von Patienten mit einer HIV-assoziierten neurokognitiven Störung verbessert. Die Ergebnisse wurden auf der Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections in Boston vorgestellt.

Im Verlauf einer HIV-Infektion kommt es bei vielen Patienten zu neurokognitiven Störungen, die unter einer effektive antiretrovirale Therapie nicht verhindert werden können. Als Ursache werden Entzündungsreaktionen auf eine HIV-Infektion des Gehirns vermutet. Häufige Symptome sind Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen oder auch Störungen der Feinmotorik. Eine effektive Therapie gibt es derzeit nicht.

Eine systematische Suche von zugelassenen Wirkstoffen hatte darauf hingedeutet, dass das Antidepressivum Paroxetin aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wieder­aufnahmehemmer (SSRI) und das Antimykotikum Fluconazol wirksam sein könnten. Nachdem auch im Tiermodell eine günstige Wirkung gesehen wurde, hat ein Team um Ned Sacktor von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore die beiden Wirkstoffe erstmals in einer randomisierten Studie untersucht.

An der Studie nahmen 45 HIV-Infizierte teil, die sich seit längerem unter einer antiretro­viralen Therapie befanden und neurokognitive Symptome entwickelt hatten. Die Teilnehmer wurden in einem 2x2 Design mit Paroxetin (20mg/die), Fluconazol (2 x 100mg/die), einer Kombination beider Medikamente oder ausschließlich mit Placebo behandelt. Die Dauer der Studie betrug 24 Monate. Zu den Endpunkten gehörte der NPZ8 Score, der häufig zur Beurteilung von HIV-assoziierten neurokognitiven Störung benutzt wird. Er fasst die Ergebnisse aus acht neuropsychologischen Tests zur Psychomotorik, der motorischen Geschwindigkeit und zur Entscheidungsfindung zusammen.

Wie Sacktor berichtet, kam es unter der Therapie mit Paroxetin zu einer Verbesserung um durchschnittlich 0,15 Punkte, während Patienten, die kein Paroxetin erhalten hatten, eine Verschlechterung um 0,33 Punkte verzeichneten. Auch im California Computerized Assessment Package, das die Reaktionszeit der Patienten misst, kam es unter der Therapie mit dem SSRI-Antidepressivum zu einer Verbesserung um 0,5 Punkte. Auch die Teilnehmer, die kein Paroxetin erhalten hatten, verbesserten sich um 0,06 Punkte, was laut Sacktor jedoch ohne klinische Relevanz war. Fluconazol hatte keine Auswirkungen auf die kognitiven Funktionen.

Sacktor führt die klinische Wirkung von Paroxetin nicht auf eine etwaige Linderung der Depressionen zurück, die bei den Patienten als Reaktion auf die kognitiven Störungen auftreten können. Das Mittel habe vielmehr eine günstige Auswirkung auf die Hirnent­zündung. Als Beleg führt Sacktor die Ergebnisse von Blutuntersuchungen an. Unter der Behandlung mit Paroxetin sei es zu einem Abfall des Entzündungsmarkers CD163 von 802 auf 738 ng/ml gekommen, während der Wert in den anderen Gruppen um fast 400 ng/ml angestiegen sei.

Für ein abschließendes Urteil dürfte die Teilnehmerzahl der Studie zu klein und die Nachbeobachtungszeit zu kurz sein. Paroxetin ist jedoch ein seit längerem zuge­lassenes Medikament, das sich als sicher erwiesen hat und mittlerweile kostengünstig erhältlich ist. Das Mittel ist jedoch nicht ohne Nebenwirkungen, was auch einige Teilnehmer der Studie bemerkten.

Drei Patienten klagten über Störungen der Sexualfunktion, zwei über Kopfschmerzen, zwei litten unter Schlaflosigkeit und zwei berichteten über lebhafte Träume. Sacktor weist darauf hin, dass Paroxetin in der Behandlung von Depressionen und Angststörungen, den zugelassenen Indikationen, nicht immer wirksam ist. Die Nebenwirkungen seien zudem ein häufiger Grund für ein vorzeitiges Absetzen des Mittels. © rme/aerzteblatt.de

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