Politik

Pflegeberufsgesetz: Eckpunkte der Ausbildungs­verordnung liegen vor

Mittwoch, 2. März 2016

Berlin – Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) und das Bundesfamilienministerium haben heute gemeinsam „Eckpunkte für eine Ausbildungs- und Prüfungsverordnung zum Entwurf des Pflegeberufsgesetz“ veröffentlicht. Darin ist unter anderem die Aufteilung der Zeitkontingente auf die einzelnen Lehrbereiche aufgeschlüsselt. Ziel des Pflegeberufsgesetzes ist es, aus den drei bisher getrennten Ausbildungen zur Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege eine einheitliche zu machen. Mit dem Pflegeberufsgesetz soll darüber hinaus nicht nur das Pflegeschulgeld abgeschafft, sondern auch eine Vergütung für die Auszubildenden eingeführt werden.

Anzeige

Die Kritik an dem Gesetzentwurf hat sich zuletzt deutlich verschärft. So hatten Ärzteverbände ihre Sorge geäußert, dass das Fachwissen von Kinderkranken- oder Altenpflegerinnen und -pflegern in dem neuen Ausbildungsgang verloren geht. Der Bundesrat hat den Bundestag zuletzt aufgefordert, das Verabschieden des Gesetzes um ein Jahr zu verschieben, weil die Ausbildungsordnung noch nicht vorliegt. 

BMG: „Das Pflegeberufsgesetz wird noch in diesem Jahr verabschiedet werden“
„Am Anfang steht eine gemeinsame Grundausbildung, die für einen Einsatz in allen Arbeitsfeldern der Pflege vorbereitet“, erläutern die beiden Ministerien nun in den Eckpunkten. „Daran schließt sich eine Schwerpunktsetzung im jeweiligen Wahlbereich der Auszubildenden an.“ Ein großer Teil der Ausbildung finde in den jeweiligen Pflegeeinrichtungen statt. Der Entwurf des Pflegeberufsgesetzes werde noch in diesem Jahr verabschiedet werden, betonen die Ministerien ausdrücklich. Der erste Ausbildungsjahrgang könne ab 2018 starten.

Konkret wird die dreijährige Ausbildung 4.600 Stunden umfassen, davon 2.100 Stunden in Form eines Unterrichts in der Pflegeschule und 2.500 Stunden in Form einer praktischen Ausbildung. „Eine mit Pflegeexpertinnen und -experten zu besetzende Fachkommission erarbeitet den Rahmenlehrplan und den Rahmenausbildungsplan für die gesamte Ausbildung mit empfehlender Wirkung“, heißt es in den Eckpunkten.

Spezialisierung soll durch die Wahl des Trägers der praktischen Ausbildung erfolgen
In der Pflegeschule sollen 900 bis 1.000 Stunden für den Bereich „Pflege von Menschen aller Altersgruppen verantwortlich planen, organisieren, gestalten und evaluieren“ verwendet werden. Zudem werden 250 bis 300 Stunden für den Bereich „Kommunikation und Beratung personen- und situationsorientiert gestalten“ angesetzt. In der praktischen Ausbildung sollen die Auszubildenden jeweils 400 Stunden in den Bereichen „Stationäre Akutpflege“, „Stationäre Langzeitpflege“ und „Ambulante Akut-/Langzeitpflege“ verbringen sowie je 120 Stunden in den Bereichen „Pädiatrische Versorgung“ und „Psychiatrische Versorgung“.

„Eine Vertiefung in der praktischen Ausbildung erfolgt in der Regel durch die Wahl des Trägers der praktischen Ausbildung, das heißt mögliche Schwerpunkte sind die allgemeine Akutpflege in stationären Einrichtungen, die allgemeine Langzeitpflege in stationären Einrichtungen, die allgemeine ambulante Akut- und Langzeitpflege, die Psychiatrie sowie die Pädiatrie“, heißt es in den Eckpunkten.

„Manche werden sagen: Das mute ich mir nicht mehr zu“
Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, verteidigte den Gesetzentwurf heute auf einer Veranstaltung der Vincentz Network Altenhilfe in Berlin: „In den nächsten 20 Jahren werden wir jedes Jahr 20.000 Pflegekräfte mehr benötigen als im Jahr zuvor. Das Pflegeberufsgesetz ist eine Antwort darauf, diese Herausforderung zu meistern.“

Zu den Kritikern des Gesetzes zählen auch die Arbeitgeberverbände. „Zukünftig sehe ich ein großes Potenzial für eine Anwerbung von Pflegekräften bei den Jahrgängen ab 40, bei den Berufswiedereinsteigern“, sagte Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa). „Die Pflege ist ein Frauenberuf. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, sind viele Frauen bereit, wieder in einen Beruf einzusteigen, auch in einen Beruf, den sie neu erlernen müssen. Ich sehe aber die Gefahr, dass diese Frauen sagen: Eine generalistische Pflegeausbildung mute ich mir nicht mehr zu.“ Für manche könne das komprimierte Curriculum zudem zu schwierig sein. 

Meurer kritisierte zudem, dass die Arbeitgeber künftig die Ausbildungszeit ihrer Auszubildenden organisieren müssten. „Das ist ein riesiger Aufwand, den die kleinen Unternehmen nicht schultern werden“, meinte er.

„In Schweden ist die Säuglingssterblichkeit nicht höher geworden“
Christel Bienstein, Präsidentin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe, verteidigte die Generalistik hingegen. Überall in Europa gebe es eine generalistische Pflegeausbildung. Und in Schweden, wo es zum Beispiel keine Kinderkranken­schwestern mehr gebe, sei die Säuglingssterblichkeit deshalb nicht höher geworden. Zudem würden auch die Ärzte zunächst zu Generalisten ausgebildet, bevor sie sich spezialisierten.

Bienstein forderte zudem die Einführung einer gestuften Pflegeausbildung. Sie stimmte Meurer zu, dass die Anforderungen der dreijährigen Pflegeausbildung für manche Interessierten zu hoch seien. Deshalb bedürfe es einer zusätzlich möglichen Ausbildung zu einer Pflegeassistenz.

Der Deutsche Pflegerat begrüßte die Vorlage der Eckpunkte. „Sie bieten eine Grundlage für die weiteren Gespräche“, so Pflegerats-Vorsitzender Andreas Westerfellhaus in einer Mitteilung. Er plädiert für weitere Gespräche und Einbeziehung der Fachleute: „Jetzt geht es um die präzise Ausgestaltung, die insbesondere in den Händen der Profession Pflege liegen muss. Lange genug ist die Pflege fremdbestimmt gewesen“, so Westerfellhaus weiter.

© fos/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

20.02.17
Schwesig wirft Union Blockade bei Reform der Pflegeausbildung vor
Berlin – Im Streit um die Reform der Pflegeausbildung hat Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) die Union erneut zum Einlenken aufgefordert. Der Gesetzentwurf, den sie mit......
14.02.17
Kompromissvorschlag für die Ausbildungsreform in der Pflege
Berlin – Die Debatte um die Zukunft der Pflegeausbildung in Deutschland hält an. In einem offenen Brief haben jetzt 33 Organisationen um die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ)......
10.02.17
Cannabis und Co.: Bundesrat billigt Gesetze
Berlin – Schwerkranke Menschen können künftig leichter Cannabis als Arzneimittel erhalten. Für die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen gelten künftig strengere Regeln. Der Bundesrat hat heute......
08.02.17
Leipzig – Ein neues Lehrprojekt ist jetzt am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) angelaufen: Für jeweils eine Woche betreiben Auszubildende der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege im dritten Lehrjahr......
02.02.17
Berlin – Die Große Koalition kann sich nach wie vor nicht auf einen Weg für eine künftige Pflegeausbildung einigen. Eine Studie des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung (DIP) für das......
25.01.17
Berlin – Die Grünen haben Union und SPD aufgefordert, die Reform der Pflegeausbildung nicht wegen Streitereien innerhalb der großen Koalition auf die lange Bank zu schieben. „Im Interesse der......
24.01.17
Reform der Pflegeausbildung: Koalition kann sich nicht einigen
Berlin – Die Koalition kann sich nicht auf Einzelheiten der geplanten Reform des Pflegeberufegesetzes einigen. Deshalb solle jetzt der Koalitionsausschuss von Union und SPD darüber befinden. Das......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige