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Medizin

ASS schützt auch nach Koloskopie vor Darmkrebs

Freitag, 4. März 2016

dpa

Boston – Die regelmäßige Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) ab dem 50. Lebens­jahr könnte etwa ein Zehntel aller Kolorektalkarzinome vermeiden. Ein Effekt wäre nach der Analyse zweier großer prospektiver Beobachtungsstudien in JAMA Oncology (2016; doi: 10.1001/jamaoncol.2015.6396) auch bei Personen nachweisbar, die an einer Vorsorgeendoskopie teilnehmen.

Die darmkrebspräventive Wirkung von ASS ist durch die sekundäre Analyse randomisierter Studien so gut dokumentiert, dass die US Preventive Services Task Force (USPSTF) sie als Zusatznutzen für Erwachsene betrachtet, die den Wirkstoff zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen einnehmen müssen. Eine allgemeine Empfehlung an alle Erwachsenen wird wegen der nicht zu unterschätzenden Blutungs­risiken in den zur Diskussion stehenden Empfehlungen nicht ausgesprochen.

Der Nutzen von ASS wird jetzt durch eine Analyse der Nurses’ Health Study und der Health Professionals Follow-up Study bestätigt, die aufgrund ihrer Größe von 136.000 Teilnehmern und und der langen Beobachtungszeit von 32 Jahren zusätzliche Aussagen zu Dauer, Dosis und die Schutzwirkung in einzelnen Untergruppen erlaubt.

Die Gruppe um Andrew Chan vom Massachusetts General Hospital in Boston kann sogar erstmals eine Reduktion des Gesamtkrebsrisikos aufzeigen, die allerdings gering ausfällt. Regelmäßige Anwender von ASS erkranken demnach zu 3 Prozent seltener an Krebs als der Rest der Bevölkerung. Das relative Risiko (RR) von 0,97 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,94 bis 0,99 sogar statistisch signifikant.

Dies würde bedeuten, dass ASS-Anwender ein um 3 Prozent niedrigeres Krebsrisiko haben. Die Schutzwirkung war allerdings weitgehend auf gastrointestinale Krebser­krankungen (RR 0,85; 0,80-0,91) und hier insbesondere auf Kolorektalkarzinome (RR 0,81; 0,75-0,88) beschränkt. Anwender erkranken demnach zu 15 Prozent seltener an Krebs im Verdauungstrakt und zu 19 Prozent seltener an Darmkrebs.

Nun wird allen Menschen ab 55 Jahren (in Deutschland) zu einer Vorsorgekoloskopie geraten, von der eine deutliche Reduktion der Darmkrebshäufigkeit erwartet wird. Doch nach den Ergebnissen von Chan sind ASS und Vorsorgeendoskopie keine Konkurrenz, beide Verfahren könnten sich ergänzen.

Laut Chan würde die regelmäßige Einnahme von ASS von Menschen über 50 Jahren auch bei Menschen, die an der Vorsorgeendoskopie teilnehmen, jährlich 18 Darm­krebserkrankungen auf 100.000 Personen verhindern. Das wären in dieser Gruppe immerhin 8,5 Prozent aller Darmkrebserkrankungen. Bei den über 50-Jährigen, die nicht an der Vorsorgeendoskopie teilnehmen, würden sogar 17,0 Prozent aller Darmkrebs­erkrankungen durch die Einnahme von ASS verhindert oder 33 Erkrankungen auf 100.000 Personenjahre.

Chan konnte eine darmkrebspräventive Wirkung erstmals nach einer Einnahmedauer von 6 bis 10 Jahren nachweisen. Die Schutzwirkung stieg mit der Dauer der Einnahme an. Eine präventive Wirkung war bereits bei der Einnahme von 0,5 bis 1,5 ASS-Tabletten pro Woche nachweisbar. Die Schutzwirkung stieg mit zunehmender Dosis an. Dosis- und Zeitabhängigkeit der Wirkung sind in prospektiven Beobachtungsstudien immer ein Hinweis auf eine Kausalität, die diese Art von Studie jedoch nicht abschließend beweisen kann.

Chan macht keine Angaben zu den Risiken der ASS-Einnahme. Diese bestehen in erster Linie in gastrointestinalen Blutungen, die tödlich sein können. Da nur wenige Prozent der über 50-Jährigen an Darmkrebs erkranken, aber alle über 50-Jährigen ASS einnehmen müssten, würden auch Personen an gastrointestinalen Blutungen sterben, die niemals an Darmkrebs erkrankt wären. Dies ist der Grund, warum die USPSTF und andere Gremien in der Empfehlung von ASS zurückhaltend sind, obwohl die meisten Experten heute von einer darmkrebspräventiven Wirkung überzeugt sind. © rme/aerzteblatt.de

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Dr.Bayerl
am Montag, 7. März 2016, 22:16

Es könnte ja auch sein,

dass die Zahl der tödlichen Blutungen so hoch ist, dass die Krebsinzidenz nicht erreicht wird.
Ist (fast) ernst gemeint, da ich als Chirurg nicht viel von Aspirinreklame halte.
Es ist ja nicht die Koloskopie, die die Krebsrate wirklich senkt, sondern die Entfernung der Polypen anlässlich einer Koloskopie.
Es wäre daher interessant zu wissen, ob Aspirin Einfluss auf die Polypenrate hat.
Immerhin verstärkt Aspirin eine Blutung, wenn ein solcher Polyp blutet. Dann wird entsprechen früher nach der Blutungsquelle gesucht, ist ja gar nicht immer so leicht zu finden.

Dr.Bayerl, Düsseldorf

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