Medizin

Hunger nach Schlafentzug könnte mit Endocannabinoiden zusammenhängen

Dienstag, 8. März 2016

Chicago – Ein Schlafentzug könnte durch die Ausschüttung körpereigener Cannabinoide das Hungergefühl triggern und so eine Gewichtszunahmen fördern. Erin Hanlon und Forscher der University of Chicago untersuchten diesen Zusammenhang an gesunden Probanden und veröffentlichten die Ergebnisse in Sleep (http://dx.doi.org/10.5665/sleep.5546).

Schlafentzug und Schichtarbeit führen häufig zu einer Gewichtszunahme. Unregel­mäßige Essenszeiten und Stress sind Faktoren, welche diesen Umstand begünstigen. Doch auch am nächsten Tag kann der Appetit auf kalorienreiche Mahlzeiten und Snacks gesteigert sein.

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Die Forscher vermuteten einen möglichen Zusammenhang mit dem endogenen Cannabinoid-System des Körpers. Die Cannabinoid-Rezeptoren können sowohl durch körpereigene Cannabinoide, als auch durch den Konsum von Marihuana aktiviert werden. Sie finden sich hauptsächlich auf zentralen und peripheren Nervenzellen, sowie auf Zellen des Immunsystems. Cannabinoide wirken schlafanstoßend und schmerz­lindernd, können jedoch auch das Hungergefühl deutlich steigern. Bei Cannabiskonsum kann es beispielsweise trotz vorangehender Sättigung zu regelrechten Essattacken kommen.

Die Forscher rekrutierten 14 gesunde Probanden für ihre Studie. Die Probanden schliefen im ersten Versuch vier Tage lang für 8,5 Stunden und aßen drei Mahlzeiten pro Tag. Am vierten Tag boten die Wissenschaftler den Probanden außerdem kalorienreiche Snacks an. Die Forscher wiederholten diese Versuchsanordnung mit den gleichen Probanden ein zweites Mal, jedoch durften sie in der zweiten Runde nur vier Stunden pro Nacht schlafen. Sie maßen die Serumspiegel des Endocannabinoids-2-Arachidonoylglycerol (2-AG). Das körpereigene Cannabinoid erreicht nachmittags seine maximalen Spiegel und wird nachts nur in geringem Maße ausgeschüttet.

Durch den Schlafentzug stellten die Wissenschaftler eine Steigerung der Endocanna­binoid-Spiegel um 33 Prozent fest. Während unter normalen Bedingungen um vier Uhr nachmittags die Höchstspiegel erreicht wurden, waren unter Schlafentzug die Spiegel bereits um zwei Uhr nachmittags auf ihrem Höchststand. Am vierten Tag griffen die Teilnehmer auch häufiger zu kalorienreichen Snacks. Diese hatten im Durchschnitt 50 Prozent mehr Kalorien und waren fettreicher als die Snacks, die sie unter normalen Schlafbedingungen aßen. 

Die Forscher vermuten, dass das Bedürfnis nach den ungesunden Nahrungsmitteln unter anderem durch die Endocannabinoide bedingt ist. Der Appetit korrelierte in der Untersuchung mit der Höhe 2-AG-Spiegel, sodass ein kausaler Zusammenhang möglich erscheint, argumentieren die Forscher. © hil/aerzteblatt.de

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