NewsPolitikKrankenhäuser warnen vor Ausweitung der MDK-Prüfungen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Krankenhäuser warnen vor Ausweitung der MDK-Prüfungen

Mittwoch, 9. März 2016

Köln – Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) lehnt eine stärkere Kontrolle von Kliniken durch die Medizinischen Dienste der Kran­ken­ver­siche­rung (MDK) ab. Es dürfe nicht zu einer Ausweitung der „unsäglichen MDK-Prüfungen“ kommen, forderte der DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum heute beim Gesundheitskongress des Westens in Köln.

Die jüngste Krankenhausreform solle es möglich machen, dass künftig nicht nur einzelne Behandlungsfälle, sondern Krankenhäuser überprüft würden. Es könne nicht sein, dass der MDK zum Beispiel kontrolliere, wie viele Operateure bei welchem Eingriff am Tisch stünden. Dann würden in den Häusern noch mehr Ressourcen durch Bürokratie gebunden und das Personal sei im „MDK-Nahkampf“ beschäftigt.

Baum kritisierte außerdem die Stimmverteilung im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA), dem bei der Umsetzung des Krankenhausstrukturgesetzes (KHSG) eine entscheidende Rolle zukommt. Als Beispiel nannte er den geplanten Sicherstellungs­zuschlag für Krankenhäuser, die nicht rentabel sind, aber für die Versorgung in bestimmten Regionen als notwendig erachtet werden. Er habe seine Zweifel, ob diese Entscheidungen beim G-BA in guten Händen seien, sagte Baum. Er befürchtet ein zu großes Gewicht der Stimmen von Kassenärzten.

Anzeige

Die Bilanz des im November 2015 beschlossenen KHSG fiel aus dem Kongress in Köln gemischt aus. Die Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) sprach von Korrekturen, die nach Einführung der Diagnosis Related Groups (DRG) notwendig geworden seien. Der Nachsteuerungsbedarf sei aufgrund von Fehlanreizen erforderlich gewesen, etwa um die Ausweitung von Mengen zu begrenzen. Eine „ultimative Gesundheitsreform“ werde es aber nie geben. Wichtig sei, dass nun die Qualität der Leistungen im Vordergrund stehe und nicht mehr nur ein „unverbindlicher Appell an die Krankenhäuser“ sei.  Die Qualität sei künftig ein Gegenstand von Krankenhausplanung. „Ich verspreche mir viel von dem Gesetz“, sagte die Politikerin.

Stefan Wöhrmann vom Verband der Ersatzkassen (vdek) zeigte sich weniger optimistisch. „Es geht so weiter wie immer. Es wird nur ein bisschen teurer“, kritisierte er. Die Qualitätsorientierung sei überfällig, aber es sei die Frage, ob sie auch tatsächlich gelebt werde. Wenn nun Qualitätskriterien entwickelt und umgesetzt würden, sei das ein „Beschäftigungsprogramm für Juristen“.

Aus Wöhrmanns Sicht bleiben grundsätzliche Probleme ungelöst. Die Grenze zwischen ambulanter und stationärer Versorgung bestehe weiterhin. Auch das Problem des Personalmangels bleibe. Man löse es nicht allein dadurch, dass nun mehr Geld in die Pflege fließe.  „Das Personal ist in den Ballungsgebieten, nicht in den strukturschwachen Regionen“, sagte er. Überzeugende Antworten auf den geodemografischen Wandel liefere das KHSG nicht. Es bestehe die Gefahr von vergreisenden Regionen mit hohem Bedarf an medizinischen Leistungen, die aber auf der Versorgungslandkarte mehr und mehr zu weißen Flecken würden. © BH/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

22. Oktober 2020
Hamburg – Die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland weiß nicht, wie die Finanzierung der Kliniken geregelt ist: 58 Prozent denken, die Krankenhausträger wären für Investitionen allein zuständig, nur
Großteil der Bürger weißt nicht, wie sich Krankenhäuser finanzieren
9. Oktober 2020
Berlin – Der Bundesrat hat den Weg für eine Milliardenförderung der Krankenhäuser und die Coronaprämie für Pflegekräfte in den Kliniken frei gemacht. Das von der Länderkammer heute gebilligte
Bundesrat macht Weg für Krankenhausförderung und Coronaprämie frei
9. Oktober 2020
Düsseldorf/Münster – Die Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe haben die von Ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Laumann (CDU) initiierte Reform der Krankenhausplanung in Nordrhein-Westfalen (NRW)
Ärztekammern in NRW begrüßen Reform der Krankenhausplanung
6. Oktober 2020
Essen – Die wirtschaftlichen Probleme vieler deutscher Krankenhäuser werden sich spätestens ab dem Jahr 2022 weiter verschärfen. Das prognostizieren die Gesundheitsökonomen Boris Augurzky und
RWI: Finanzlage der Krankenhäuser wird sich verschlechtern
6. Oktober 2020
Berlin – Experten haben kritisiert, dass das Geld im stationären Sektor teils in die falschen Bereiche fließt. So rügte Katharina Thiede aus dem Vorstand des Think Tanks Twankenhaus, dass solidarisch
Zeitdruck im Krankenhaus entsteht durch falsch eingesetzte Mittel
5. Oktober 2020
Stuttgart – In Baden-Württemberg sind nach Auskunft des Sozialministeriums in den vergangenen zehn Jahren 30 Krankenhäuser geschlossen worden. Von ehemals 236 (2011) gab es zum Stichtag 1. Januar 2020
Weniger Krankenhausstandorte in Baden-Württemberg
1. Oktober 2020
Berlin – Krankenhäuser in strukturschwachen Regionen, die Fachabteilungen für Kinder- und Jugendmedizin vorhalten, können künftig einen Sicherstellungszuschlag erhalten. Das hat der Gemeinsame
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER