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Medizin

Dysbiose geht nekrotisierender Enterokolitis voraus

Mittwoch, 9. März 2016

dpa

St. Louis - Eine nekrotisierende Enterokolitis, eine häufige und lebensgefährliche Komplikation bei Frühgeburten, kündigt sich häufig durch eine Störung der Darmflora an. Dies zeigen die Ergebnisse einer prospektiven Kohortenstudie im Lancet (2016; doi: 10.1016/S0140-6736(16)00081-7).

Die Ursache der nekrotisierenden Enterokolitis, an der 5 bis 10 Prozent aller Kinder erkranken, die vor der 32. Schwangerschaftswoche oder mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm geboren wurden, ist unbekannt. Vermutlich trifft eine noch nicht ausgereifte Darmschleimhaut auf äußere Faktoren, zu denen auch die Bakterien gehören könnten, die nach der Geburt den Darm besiedeln. Diese Besiedlung erfolgt nicht bei allen Kindern in gleicher Weise und die Ausbreitung der „falschen“ Bakterien könnte einer der Auslöser der nekrotisierenden Enterokolitis sein.

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Um diese Hypothese zu prüfen, hat ein Team um William Shannon und Phillip Tarr von der St. Louis School of Medicine in einer ersten Studie 2.492 Stuhlproben von 122 Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht von unter 1.500 Gramm untersucht, von denen später 28 an einer nekrotisierenden Enterokolitis erkrankt sind. Weitere 94 nach dem Termin geborene Kinder dienten als Kontrollgruppe.

Die Zusammensetzung der Darmflora der Kinder, die später an einer nekrotisierenden Enterokolitis erkrankten, unterschied sich signifikant von der Darmflora der gesunden Kinder. Der Anteil von Gammaproteobacteria war erhöht, während Negativicutes und Clostridia in geringer Anzahl gefunden wurden.

Dieser Eindruck bestätigte sich in einer zweiten Kohorte von 44 Kindern, von denen 18 später an einer nekrotisierenden Enterokolitis erkrankten. Die Analyse von 1.094 Stuhlproben ergab erneut eine positive Assoziation mit Gammaproteobacteria und eine negative Assoziation mit Negativicutes und Clostridia. Am deutlichsten war die Verbindung zwischen Dysbiose und Erkrankung bei den Kindern, die vor der 27. Gestationswoche geboren wurden.

Shannon und Tarr betrachten die Ergebnisse als Grundlage für eine mikrobielle Prävention der nekrotisierenden Enterokolitis. Sie wurde in der Vergangenheit bereits in klinischen Studien erprobt, allerdings ohne eindeutige Ergebnisse. Während die Cochrane-Analyse die Effektivität von Probiotika positiv beurteilte, konnte eine größere britische Studie kürzlich keinen Nutzen feststellen. Möglicherweise kommt es auf die Zusammensetzung der Präparate an, für die die aktuelle Studie neue Anregungen liefern könnte. © rme/aerzteblatt.de

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