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Politik

Hecken: Zusatznutzen nur für einen bestimmten Zeitraum festlegen

Freitag, 11. März 2016

dpa

Berlin – Ist die onkologische Arzneimitteltherapie zukünftig noch finanzierbar? „Mein Bestreben ist, dass wir von einer QALY-Debatte (QALY=quality adjusted life year) solange wie möglich verschont bleiben“, betonte der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA), Josef Hecken, gestern in Berlin bei einer Veranstaltung der RS Medical Consult zu diesem Thema.

Angesichts der neuen Therapiemöglichkeiten in der Onkologie komme es darauf an, neue Regularien zu entwickeln, über die weiterhin das medizinisch Notwendige geleistet werde. Die aktuelle Preisbildungssystematik innerhalb des AMNOG-Prozesses hält Hecken bei nunmehr schnelleren Marktzugangsmöglichkeiten neuer Therapien vor allem in der Onkologie nicht mehr für angemessen. Bleibe es bei den bisherigen Automatismen, komme man um eine QALY-Debatte nicht herum.

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Ein schneller Marktzugang neuer Onkologika sei für darauf angewiesene Patienten essenziell; bei einem beschleunigten Verfahren werde der G-BA aber dazu übergehen, einen Zusatznutzen nur für einen bestimmten Zeitraum festzulegen. Für den Fall, dass in diesem Zeitraum keine weitere Evidenz zur Verfügung gestellt werde, könne der Zusatznutzen wieder abgesenkt werden.

Hecken appellierte an die Pharmaunternehmen, ihrer Mitverantwortung für die Evidenzgenerierung bei den Produkten mit einer beschleunigten Zulassung gerecht zu werden. „Nach zwei oder drei Jahren muss ein „orphan drug“ seinen Zusatznutzen nachweisen können. Sonst verliert es seine Privilegierung.“

Geht man von dem harten Endpunkt „Überlebenszeit“ aus, könnte man bei den meisten neuen Onkologika, insbesondere wenn sie bei der Second- oder Third-Line-Therapie eingesetzt würden, problemlos einen Zusatznutzen nachweisen, was insgesamt ein hohes Preisniveau nach sich ziehe. Hecken wünscht sich dagegen mehr gesicherte Erkenntnisse über den Patientennutzen. Über den Innovationsfonds will er Versor­gungsforschung auf den Weg bringen, die in Bezug auf Lebensqualität den Einsatz von Onkologika in der späten Lebensphase mit den bestmöglichen unterstützenden Behandlungsmaßnahmen vergleicht.

Zudem sprach sich der G-BA-Vorsitzende für eine qualitätsgesicherte Verordnung neuer hochpreisiger Krebsmedikamente aus. Hiermit solle nicht rationiert werden, sondern es sollten bessere Voraussetzungen in der Diskussion über die Verordnungsnotwendigkeit bei bestimmten Präparaten geschaffen werden. Insgesamt sei eine grundsätzliche Debatte darüber nötig, was die Gesellschaft für die solidarische Absicherung der Krankheitskosten auszugeben bereit ist. © TG/aerzteblatt.de

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Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Sonntag, 13. März 2016, 12:56

4-Augen Prinzip

Bei GKV-Ausgaben von ca. 33 Milliarden € pro Jahr und ca. 71 Millionen GKV-Versicherten kommt man auf jährliche pro-Kopf Ausgaben von ca. 465 €.
https://www.gkv-spitzenverband.de/media/grafiken/gkv_kennzahlen/kennzahlen_gkv_2015_q4/GKV_Kennzahlen_Booklet_Q4-2015_300dpi_2016-03-10.pdf

Spätestens, wenn die Ausgaben sich bei mehr als dem 10-fachen befinden, also bei Jahreskosten von deutlich über 5000 €, wäre es sinnvoll die Verordnung von einem unabhängigen Facharzt und einem unabhängigen Pharmakologen/Apotheker überprüfen zu lassen. Um Interessenskonflikte zu vermeiden, sollte der MDK hier außen vor bleiben, ggf. müßte eine neue EBM-Nummer für ein unabhängiges Pharma-Konsil geschaffen werden.
LNS

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