Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Mammakarzinom: Lapatinib plus Trastuzumab kann HER2-positive Tumore präoperativ beseitigen

Freitag, 11. März 2016

dpa

Manchester – Eine präoperative Therapie mit Lapatinib und Trastuzumab hat in einer klinischen Studie viele HER2-positive Mammafrühkarzinome innerhalb von nur elf Tagen stark verkleinert oder sogar beseitigt, wie die Ergebnisse einer Pilotstudie auf der European Breast Cancer Conference (EBCC-10) in Amsterdam zeigen.

Etwa 10 bis 15 Prozent aller Mammakarzinome bilden den Rezeptor Her2/neu, über den epidermale Wachstumsfaktoren die Proliferation der Krebszellen fördern. Diese HER2-positiven Tumore haben eine erhöhte Neigung zu einem aggressiven Wachstum, so dass viele Patientinnen nach der Operation eine adjuvante Chemotherapie (eventuell kombiniert mit einer Hormontherapie) erhalten.

Zusätzlich ist seit dem Jahr 2000 (zunächst nur im fortgeschrittenen Stadium, inzwischen aber auch zur adjuvanten Therapie) eine Behandlung mit Trastuzumab möglich. Der monoklonale Antiköper bindet an Her2/neu, was nicht nur die Signale der Wachstumsfaktoren blockiert. Die Bindung von Trastuzumab auf der Zelloberfläche soll auch die Immunantwort auf den Tumor verstärken und eine vermehrte Apoptose auslösen.

Das 2006 (bis heute nur zur Behandlung fortgeschrittener Tumore) zugelassene Lapatinib unterbricht ebenfalls die Signalkette epidermaler Wachstumsfaktoren. Dies geschieht allerdings nicht am Her2/neu-Rezeptor, sondern innerhalb der Zelle durch Inhibition einer Tyrosinkinase, die die Signale vom Rezeptor weiterleitet.

Die britische EPHOS B-Studie hat die beiden Wirkstoffe erstmals in einem präoperativen Setting eingesetzt. Bei den 257 Teilnehmerinnen war ein Frühkarzinom (ohne erkennbare Metastasierung) diagnostiziert worden: Bei 48 Prozent waren die Tumore größer als 2 Zentimeter und bei 51 Prozent wurde histologisch ein Grad 3 diagnostiziert. Alle Tumore waren HER2-positiv, bei 67 Prozent waren auch Östrogenrezeptoren und bei 4 Prozent Progesteronrezeptoren auf den Tumorzellen nachweisbar.

Die Patientinnen wurden zunächst auf eine Monotherapie mit Trastuzumab (6 mg/kg an den Tagen 1 und 8 vor der Operation) oder auf eine Monotherapie mit Lapatinib (1.500 mg/die) oder auf eine Kontrollgruppe randomisiert. Im Verlauf der Studie wurde die Monotherapie mit Lapatinib durch eine Kombination aus Lapatinib plus Trastuzumab geändert. Andere Studien hatten gezeigt, dass die Kombination die Wirkung verstärken kann. Zwischen dem Beginn der präoperativen Chemotherapie und der Operation lagen lediglich elf Tage.

Wie das Team um Nigel Bundred von der Universität Manchester jetzt mitteilt, hat die Kombination die Wirksamkeit wesentlich verstärkt. Während es unter der Monotherapie nur jeweils bei einer Patientin zu einer kompletten pathologischen Remission (pCR: keine Tumorzellen im Operationspräparat) oder einer minimalen Resterkrankung (MDR: Tumorgröße unter 5 Millimeter) kam, wurde unter der Kombination beider Wirkstoffe bei 7 Patientinnen (10,6 Prozent) eine pCR und bei 11 Patientinnen (16,7 Prozent) eine MDR erzielt. Dass bei einem Viertel der Patientinnen Tumore von einer Größe von im Durchschnitt 1,7 Zentimetern innerhalb weniger Tage vollständig (pCR) oder fast vollständig (MDR) verschwanden, hat viele Beobachter auf der Tagung begeistert.

Die Reduktion der Tumorgröße, die sich auch in einem Rückgang des Proliferations­markers Ki67 im Operationspräparat bemerkbar machte, bedeutet allerdings nicht notwendigerweise, dass einige Frauen zum Zeitpunkt der Operation von ihrem Krebsleiden geheilt wurden. Einzelne Zellen im Tumor oder in den Lymphwegen könnten schnell zum Ausgangspunkt eines erneuten Tumorwachstums werden. Die Frage, ob einige Frauen nach der Operation auf eine adjuvante Therapie verzichten können, dürfte deshalb Gegenstand zukünftiger Studien sein. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

19.09.17
USA: PI3K-Inhibitor Copanlisib bei follikulärem Lymphom zugelassen
Silver Spring – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat einen weiteren PI3K-Inhibitor zur Behandlung einer Krebserkrankung zugelassen. Der Wirkstoff Copanlisib darf zur Behandlung von Erwachsenen mit......
11.09.17
Melanom: Adjuvante Therapie mit Nivolumab beziehungsweise Dabra­fenib/Trametinib in zwei Studien erfolgreich
Sydney/New York – Eine adjuvante Therapie hat sich beim fortgeschrittenen Melanom bisher international nicht durchgesetzt. Zwei neue Studien, deren Ergebnisse jetzt auf der Jahrestagung der European......
31.08.17
US-Zulassung der CAR-T-Zelltherapie: Die teuerste Krebsbehandlung aller Zeiten
Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat erstmals eine CAR-T-Zelltherapie zur Krebshandlung zugelassen. Das Präparat Kymriah (Tisagenlecleucel) darf bei Patienten im Alter unter 25......
29.08.17
Methadon als Krebsmittel: Bundesregierung äußert sich zurückhaltend
Berlin – Über die Frage, ob Methadon als Krebsmedikament zum Einsatz kommen sollte, wird derzeit heftig gestritten. Die Bundesregierung äußert sich nun sehr zurückhaltend. „Die Annahme zur positiven......
29.08.17
Chemotherapie: ABCB1 und Sphingolipide verhelfen Krebszellen zur Multiresistenz
Witten/Herdecke – Krebszellen können Chemotherapeutika am besten abwehren, wenn zwei Bestandteile der Krebszellmembran zusammenarbeiten: Das Membranprotein ABCB1 und Sphingolipide. Wie sich eine......
22.08.17
Methadon in der Krebstherapie: Wenige Onkologen berichten über positive Wirkung
Berlin – Krebspatienten erkundigen sich in den letzten Monaten sehr oft bei ihren Onkologen nach der Möglichkeit einer Therapie mit Methadon. Verschrieben wird das Schmerzmedikament meist aber nicht......
17.08.17
Methadon in der Krebstherapie: Nicht ohne Absprache mit dem Onkologen
Jena – Aufgrund aktueller Medienberichte ist das Interesse an D,L-Methadon derzeit außerordentlich groß. Es geht sogar so weit, dass Krebspatienten ohne Absprache mit ihrem Onkologen eine Therapie mit......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige