Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Sinusthrombose: Antibabypille erhöht Schlaganfallrisiko

Montag, 14. März 2016

dpa

Amsterdam – Anwenderinnen oraler Kontrazeptiva haben ein erhöhtes Risiko, eine Sinusthrombose zu erleiden, die einen Schlaganfall auslösen kann. Besonders deutlich war das Risiko bei adipösen Frauen, bei denen es einer Fall-Kontroll-Studie in JAMA Neurology (2016; doi:10.1001/jamaneurol.2016.0001) zufolge beinahe 30-fach häufiger zu der venösen Abflussstörung aus dem Gehirn kam, die allerdings insgesamt ein seltenes Ereignis ist.

Es gilt als gesichert, dass orale Kontrazeptiva – je nach Zusammensetzung in unter­schiedlichem Umfang – das Risiko auf eine venöse Thromboembolie erhöhen. Die diesbezüglichen Studien haben die Assoziation zu einer tiefen Venenthrombose in Becken- und Beinvenen oder zur Lungenembolie hergestellt, deren Auswirkungen klinisch leicht zu diagnostizieren sind.

Venen gibt es aber auch im Gehirn, wo der Abfluss des Blutes über die Sinusvenen erfolgt. Ein Verschluss ist (ohne Kernspin) nicht leicht zu diagnostizieren, und die Symptome können von Kopfschmerzen über Krampfanfälle bis zum Schlaganfall reichen. Sie Sinusthrombose ist ein seltenes Ereignis: In Europa ist sie für weniger als ein Prozent aller Schlaganfälle verantwortlich. 

Die Mehrzahl der Patienten ist jünger als 40 Jahre, etwa 75 Prozent sind weiblich und eine Adipositas gehört zu den bekannten Risikofaktoren. Adipöse junge Frauen haben auch ein erhöhtes Risiko, nach Einnahme von oralen Kontrazeptiva an einer venösen Thromboembolie zu erkranken. Es lag des deshalb nahe, nach einer Assoziation zwischen der Pille und der seltenen Schlaganfallvariante zu suchen.

Ein Team um Jonathan Coutinho vom Academisch Medisch Centrum (AMC) in Amsterdam hat zusammen mit Neurologen des Inselspitals in Bern insgesamt 186 Frauen, die an einer Sinusthrombose erkrankt waren, mit 6.134 gesunden Kontrollen verglichen. Die Patienten waren überwiegend weiblich (71,5 versus 52,5 Prozent), jünger (40 versus 48 Jahre alt) und sie verwendeten häufiger orale Kontrazeptiva (72,9 versus 23,5 Prozent). Darüberhinaus waren sie in der Vorgeschichte häufiger ab Krebs (9,1 versus 3,8 Prozent) erkrankt.

Die weiteren Analysen der Forscher zeigten, dass die oralen Kontrazeptiva der gemeinsame Nenner in der Risikokonstellation war. Zwar war auch eine Adipositas insgesamt mit einem 2,63-fach erhöhtem Risiko assoziiert. Der Zusammenhang war jedoch allein auf Anwenderinnen der Pille beschränkt. Die Kombination aus oralen Kontrazeptiva und Adipositas führten zu einem 29,26-fach erhöhten Risiko auf eine Sinusthrombose. Adipöse Frauen, die keine oralen Kontrazeptiva einnehmen, hatten kein erhöhtes Risiko, das gleiche galt für adipöse Männer.

Ein weiterer Hinweis auf eine kausale Assoziation ist die Dosis-Wirkungs-Beziehung: Schon normalgewichtige Anwenderinnen oraler Kontrazeptiva (BMI unter 25) haben ein fünffach erhöhtes Risiko auf die Sinusthrombose (5,09; 2,58-10,02). Diese adjustierte Odds Ratio steigt bei einem Body-Mass-Index von 25 bis 30 auf 11,87 (5,94-23,74) und bei einem BMI über 30 wird die erwähnte adjustierte Odds Ratio von 29,26 (13,47-63,60) ermittelt.

Die oralen Kontrazeptiva erklären möglicherweise ein in früheren Studien gefundenes leicht erhöhtes allgemeines Schlaganfallrisiko. Nach Ansicht von Coutinho ist auch eine Beziehung zur idiopathischen intrakraniellen Hypertension (IIH) vorstellbar. Die IIH, früher auch als Pseudotumor cerebri bezeichnet, kennzeichnet einen erhöhten Hirndruck ohne erklärende Ursache.

Die Erkrankung, dessen Leitsymptom ein Kopfschmerz oder ein Druckgefühl im Kopf ist, tritt bei Frauen häufiger auf als bei Männern und bei Frauen wurde ein Zusammenhang mit einem erhöhten Körpergewicht beschrieben. Es wird vermutet, dass die IIH durch einen verminderten Abfluss des venösen Blutes (allerdings ohne Hirnthrombose) ausgelöst wird. Ein Zusammenhang mit der Einnahme oraler Kontrazeptiva wäre deshalb plausibel. Eine epidemiologische Studie zu dieser Frage wurde jedoch bisher nicht durchgeführt. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

16.05.17
Pflanzliches Kontrazeptivum wirkt wie „molekulares“ Kondom
Berkeley – Zwei Steroide aus Pflanzen, darunter eines, das von der traditionellen chinesischen Medizin als Kontrazeptivum empfohlen wird, haben in Laborexperimenten in den Proceedings of the National......
16.05.17
Schlaganfall-Report: Europäische Länder vernachlässigen Langzeitversorgung
Brüssel/Gütersloh – Der Forschungsreport „The Burden of Stroke in Europe“ zeigt sehr große Ungleichheiten zwischen, aber auch innerhalb der europäischen Länder. Dies gilt für die gesamte......
10.05.17
Schlaganfall-Risiko­faktor Hypertonie kann hormonell bedingt sein
Mainz – Ein zu hoher Aldosteronspiegel könnte bei rund sechs Prozent der Patienten mit Bluthochdruck ein Auslöser der Erkrankung sein. Das berichtet die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE).......
26.04.17
Anxiolytikum möglicherweise hilfreich bei zerebralen Blutungen
Tianjin – Die Hemmung einer spezifischen Entzündungsreaktion durch das Anxiolytikum Etifoxine könnte den neuronalen Schaden einer Hirnblutung wesentlich senken. Davon gehen Forscher um Qiang Liu an......
24.04.17
Framingham-Studie sieht Süßstoff als Schlaganfall- und Demenzrisiko
Boston – Zwei neue Analysen der Framingham Heart Studie stellen die Sicherheit von Süßgetränken infrage, vor allem wenn sie mit künstlichen Süßstoffen versetzt sind. Laut einer Publikation in Stroke......
21.04.17
Orale Kontrazeptiva können Wohlbefinden verschlechtern
Stockholm – Ein beliebtes Kombinationspräparat zur hormonellen Kontrazeption hat in einer randomisierten kontrollierten Studie in Fertility and Sterility (2017; doi: 10.1016/j.fertnstert.2017.02.120)......
10.04.17
Schlaganfall wird im neuen ICD als neurologische Erkrankung kodiert
Berlin – Im neuen internationalen Diagnosenschlüssel ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden Schlaganfälle in der Gruppe der neurologischen Erkrankungen erscheinen. Bislang wurden sie als......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige