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Medizin

Mütterliche Infektionen könnten fetale Neuronen verändern

Dienstag, 15. März 2016

Memphis – Wenn Schwangere an schweren bakteriellen Erkrankungen leiden, könnte diese einen Einfluss auf die Entwicklung der fetalen Neuronen nehmen. In einer Studie des St. Jude Children's Research Hospital untersuchten Forscher um Elaine Tuomanen die Immigration von Bakterien aus der Plazenta in das fetale Gehirn. Sie berichten in Cell Host & Microbe (doi: 10.1016/j.chom.2016.02.009).

Schwere maternale Infektionen in der Schwangerschaft können das Risiko für verschiedene Erkrankungen des Kindes erhöhen. Wenn sich die maternalen Infektionen im zweiten Trimenon der Schwangerschaft ereignen, steigt das Risiko für Autismus-Spektrum-Störungen beim Kind um bis zu 60 Prozent (doi:10.1007/s10803-013-2016-3). In dieser Phase der Kindesentwicklung vollzieht sich ein wichtiger Teil der Hirnreifung, sodass Störungen schwere Folgen haben können. 

In ihrer Studie etablierten die Wissenschaftler ein Mausmodell, um den Einfluss der Infektion genauer zu untersuchen. Sie infizierten trächtige Mäuse mit Pneumokokken und untersuchten die Gehirne der geborenen Mäuse. In den Hirnpräparaten konnten die Forscher die applizierten Pneumokokken nachweisen. Offensichtlich hatten die Bakterien die plazentare Schranke überwunden. Die Bakterien lösten im Gehirn der Feten jedoch keine Entzündungsreaktion aus. Mit Hilfe von Toll-like-Rezeptoren wurde in den Hirnzellen eine Kaskade aktiviert, welche die Proliferation kortikaler Zellen förderte. Mäuse, die einen solchen hyperplastischen Kortex hatten, schnitten in kognitiven Tests schlechter ab. 

Eine weitere Beobachtung machten die Forscher in der Behandlung der Infektion. Wenn sie die trächtigen Mäuse mit Ampicillin behandelten, zeigten sich bei den Nachkommen die Hirnveränderungen trotzdem. Demgegenüber waren die Nachkommen von Mäuse, die mit Clindamycin behandelt wurden, gesund. Durch die Behandlung mit Ampicillin wurden aus den Bakterien antigene Strukturen der bakteriellen Zellwand freigesetzt. Die Forscher vermuten, dass diese Antigene ebenfalls die Plazentaschranke überwanden und so die Proliferation im Kortex auslösten.

Möglicherweise könnten sich im menschlichen Organismus ähnliche Mechanismen abspielen. Wenn dem so sei, müsste auch die antibiotische Therapie von mütterlichen Infektionen überdacht werden, meinen die Forscher. © hil/aerzteblatt.de

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