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Medizin

Neuer Dengue-Impfstoff nimmt wichtige Hürde

Freitag, 18. März 2016

Baltimore – Ein neuer Impfstoff gegen Dengue-Viren hat gute Chancen, Menschen vor der weltweit häufigsten durch Arthopoden übertragenen Erkrankung zu schützen. Eine vorbereitende Studie in Science Translational Medicine (2016; 8, 330ra36) zeigt, dass die Impfung auch vor einer Infektion mit dem Serotyp 2 schützt, wo andere Impfstoffe eine Lücke aufweisen.

Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen Dengue hat sich als schwierig erwiesen. Nicht nur, dass die Viren in vier verschiedenen Serotypen auftreten, die sich so weit unterscheiden, das eine Impfung gegen einen Serotyp nicht vor Infektionen mit den anderen schützt. Bei Dengue kommt noch hinzu, dass die Infektion oder Impfung mit einem Serotypen die Erkrankung durch einen anderen Serotyp verstärken kann.

Dies liegt ausgerechnet an den Antikörpern. Sie sind mangels Kreuzimmunität nicht in der Lage, die Viren zu neutralisieren. Stattdessen werden die Viren durch die Bindung an die Antikörper zu Monozyten und Makrophagen transportiert, deren Befall eine besonders schwere Infektion auslöst. Bei den meisten der 300 bis 400 Millionen Menschen, die pro Jahr an Dengue erkranken, verläuft die Erkrankung milde, wenn sie überhaupt bemerkt wird. In seltenen Fällen kommt es jedoch zu einem tödlichen hämorrhagischen Fieber, an dem etwa 25.000 Menschen pro Jahr sterben, ohne dass es Medikamente gäbe, die dies verhindern könnten.

Die Ansprüche an Dengue-Impfstoffe sind deshalb hoch, und die bisherigen Kandidaten haben die Erwartungen nicht erfüllt. Ein kürzlich in Brasilien, Mexiko und den Philippinen zugelassener Impfstoff (Dengvaxia) darf nicht bei Kindern unter 9 Jahren eingesetzt werden, weil es in dieser Altersgruppe in den klinischen Studien zwei Jahre nach der Impfung häufiger zu schweren Verläufen der Erkrankung gekommen war (NEJM 2015; 373: 1195-1206). Als mögliche Ursache wird die relativ schwache Immunität gegen den Serotyp 2 diskutiert.

Ein weiterer Impfstoff, der vom US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases ein Bethesda zusammen mit dem Butantan Institut in Sao Paulo entwickelt wurde, soll jetzt in einer großen Phase 3-Studie in Brasilien getestet werden. Die Vakzine erzielt bereits nach einmaliger Impfung ausreichende Antikörper-Titer. Es war jedoch nicht klar, ob sie auch die Lücke beim Serotyp 2 schließen kann. Die Forscher entschlossen sich deshalb im Vorfeld zur Durchführung einer randomisierten Studie an gesunden Probanden. Teilnehmer waren 48 gesunde Erwachsene aus zwei US-Städten, die in der Vergangenheit niemals an Dengue erkrankt waren. Die Hälfte der Teilnehmer erhielt den Impfstoff TV003, der aus abgeschwächten Viren aus allen vier Serotypen besteht. Die andere Hälfte wurde mit einem Placebo geimpft.

Sechs Monate später infizierte das Team um Anna Durbin von der Bloomberg School of Public Health in Baltimore 41 Personen mit einem „echten“ Dengue-Virus (die anderen sieben Probanden waren nicht erschienen). Es handelt sich dabei um eine genetisch modifizierte Variante eines Dengue-Virus vom Serotyp 2. Die Dosis wurde aus ethischen Gründen so niedrig gewählt, dass keine schwere Infektion zu befürchten war. 

Wie Durbin berichtet, kam es bei allen 20 Teilnehmern aus der Placebo-Gruppe zu einer Virämie, 16 Patienten entwickelten ein für die Erkrankung typisches Exanthem und bei vier Patienten kam es sogar zu einer Neutropenie. Dagegen waren bei keinem der 21 geimpften Personen Viren im Blut nachweisbar und keiner entwickelte Anzeichen einer Dengue-Erkrankung. Dies ist ein Ergebnis, das kaum hätte eindeutiger ausfallen können. 

Das Butantan-Institut hat am 22. Februar mit einer Phase 3-Studie begonnen, an der in den nächsten Jahren 17.000 Menschen teilnehmen sollen. Ergebnisse werden für 2018 erwartet. Der japanische Pharmakonzern Takeda mit Sitz in Osaka hat ebenfalls klinische Studien mit einem eigenen Impfstoff begonnen. © rme/aerzteblatt.de

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