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Politik

Gröhe verteidigt geplante Zusammenführung der Pflegeausbildung

Freitag, 18. März 2016

Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) hat die geplante einheitliche Pflegeausbildung verteidigt. Die Zusammenführung der bisher drei Ausbildungen im Pflegebereich bedeute einen „weiteren wichtigen Schritt, um die Attraktivität der Pflegeberufe zu steigern“, sagte Gröhe am Freitag bei der ersten Lesung des Gesetzentwurfs im Bundestag. Für die Pflegekräfte gebe es künftig bessere Berufs- und Aufstiegschancen. Die Opposition warnte hingegen vor einer „Schmalspurausbildung“.

Die Ausbildung muss Gröhe zufolge an die steigenden Anforderungen in der Pflege angepasst werden. In den Krankenhäusern gebe es zunehmend demente Patienten und in den Heimen immer mehr chronisch Kranke. Dies verlange auch in der Altenpflege „mehr und mehr krankenpflegerisches Know-how“, sagte er.

Mit der Reform soll der Wechsel zwischen den verschiedenen Pflegebereichen künftig einfacher werden. Nach den Plänen der Regierung soll es zudem eine „angemessene Ausbildungsvergütung“ geben, das Schulgeld soll endgültig wegfallen. Ein Pflegestudium wird die berufliche Ausbildung ergänzen.

Künftig einheitliche Ausbildung zum Pflegefachmann oder zur Pflegefachfrau
Derzeit gibt es drei separate Berufsausbildungen im Pflegebereich: Altenpfleger, Gesundheits- und Krankenpfleger sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger. Künftig soll es eine einheitliche dreijährige Ausbildung zum Pflegefachmann oder zur Pflegefachfrau geben.

Die angehenden Pflegekräfte sollen zugleich einen „Vertiefungseinsatz“ zum Beispiel in der Kinder- oder Altenpflege wählen. Es sei wichtig, dass die praktische Ausbildung „in gleicher Weise für das künftige Tätigkeitsfeld qualifiziert wie bislang“, bekräftigte Gröhe.

Opposition kritisiert „Schmalspurausbildung“
Die geplante Generalisierung stößt aber auch auf Kritik. Die Pflegeexpertin der Linksfraktion, Pia Zimmermann, warnte, eine  „Schmalspurausbildung“ sei nicht der richtige Weg, „um die Pflege zukunftsfest zu machen“. Nötig seien vielmehr ausreichendes Personal im Mangelberuf Pflege, gute Arbeitsbedingungen und gerechtere Löhne vor allem in der Altenpflege. Derzeit verdient eine Altenpflegefachkraft im Schnitt fast 20 Prozent weniger als eine Pflegefachkraft im Krankenhaus.

Auch die Grünen warnen vor einer Abschaffung der Spezialisierung. „Es werden Bildungslücken entstehen aufgrund einer Einheitsausbildung“, sagte die pflegepolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Elisabeth Scharfenberg.

Altenpflegeverbände befürchten Verstärkung des Fachkräftemangels
Vor allem Altenpflege-Verbände lehnen eine Vereinheitlichung der Ausbildung ab. Sie befürchten, dass sich dadurch der Fachkräftemangel  verstärken wird.  Am Ende hätten die Auszubildenden zwar viele Einsätze in Betrieben durchlaufen, sie seien dann „aber ganz sicher keine fachlich qualifizierten Pflegekräfte“, erklärte der Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Bernd Meurer. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hält eine ausreichende Spezialisierung für notwendig, die laut Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach „über die Aneignung von Grundqualifikationen hinausgehen muss“.

Nach Ansicht der Deutschen Stiftung Patientenschutz nutzt die Reform Pflegekräften und Pflegebedürftigen kaum. Qualifizierte Pflegekräfte müssten stattdessen endlich das Recht bekommen, bestimmte ärztliche Tätigkeiten zu übernehmen. Ansonsten bleibe Pflege weiterhin „Handlanger der Medizin“, kritisierte Vorstand Eugen Brysch.

Der Deutsche Caritasverband bezeichnete die geplante Ausbildungsreform hingegen als „Meilenstein“ zur Stärkung der Attraktivität des Pflegeberufs. Nach den Plänen der Koalition soll der erste reformierte Ausbildungsgang 2018 starten. © afp/aerzteblatt.de

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