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Politik

InEK: „Das ist ein deutlicher Eingriff in die DRG-Arithmetik“

Freitag, 18. März 2016

Berlin – Das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) hat einen Vorschlag für einen Umbau des DRG-Systems vorgelegt, durch den DRGs mit hohen Personal­kosten besser vergütet werden sollen. „Es wird eine Umverteilung innerhalb des Systems geben“, erklärte der Geschäftsführer des InEK, Frank Heimig, gestern auf dem 15. Nationalen DRG-Forum in Berlin.

Zu den Verlierern würden dabei diejenigen Krankenhäuser zählen, die überwiegend Leistungen mit einem hohen Sachkostenanteil erbringen, zum Beispiel Leistungen im Bereich der Herzchirurgie. Heimig schätzte, dass etwa ein Viertel der deutschen Krankenhäuser dazu zählen. Die anderen Krankenhäuser würden von der Neuordnung profitieren. „Das ist ein deutlicher Eingriff in die Arithmetik des DRG-Systems, einer der größeren Eingriffe, die wir bislang vorgenommen haben“, meinte Heimig.

DRG-Kalkulation: Mehr private Krankenhäuser sollen hinzugezogen werden
Änderungen wird es auch bei der Auswahl der Krankenhäuser geben, die das InEK zur Kalkulation der DRG-Fallpauschalen heranzieht. Einen entsprechenden Auftrag hatte das Institut von der Bundesregierung erhalten. In der Stichprobe der Krankenhäuser, mit deren Daten das InEK bislang kalkuliert, sind nur Häuser vertreten, die sich freiwillig gemeldet haben. „Das hat dazu geführt, dass vor allem die privaten Träger unter­repräsentiert sind“, sagte Heimig. „Es sollten 30 Prozent private Krankenhäuser in der Stichprobe sein. Es sind aber sieben Prozent. Auch freigemeinnützige sind etwas unterrepräsentiert.“

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Künftig will das InEK zunächst die Krankenhäuser identifizieren, die die Stichprobe repräsentativer machen würden. In der Folge will das Institut ein Ranking erstellen. „Je mehr uns das Haus durch seine Hinzunahme in die Stichprobe helfen würde, repräsentativer zu sein, desto höher kommt es in dem Ranking“, erklärte Heimig. Schließlich sollen die Häuser, die tatsächlich in die Stichprobe aufgenommen werden, per Los bestimmt werden. Die Krankenhäuser, die bislang an der Kalkulation teilnehmen, werden dies auch weiterhin tun.

GKV-Spitzenverband: „Nach der Bundestagswahl bekommen einige große Kassen Schwierigkeiten“
Wulf-Dietrich Leber vom GKV-Spitzenverband prognostizierte, dass die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung in den nächsten Jahren deutlich mehr Geld für die Krankenhäuser ausgeben müsse. „Allerdings haben wir nach der Bundestagswahl eine neue Regierung mit neuen Einsichten“, sagte er. „Neue Einsichten werden dann kommen, wenn ein paar große Krankenkassen Schwierigkeiten bekommen werden. Und damit rechnen wir möglicherweise nach der nächsten Wahl.“

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, kritisierte hingegen, dass die Krankenkassen in der Öffentlichkeit den Eindruck erwecken wollten, die Krankenhäuser seien schuld an der Erhöhung der Zusatzbeträge. „Das stimmt aber nicht“, sagte Baum. Zum einen wüchsen die Ausgaben für die Krankenhäuser geringer als die gesamten GKV-Ausgaben. Und zum anderen würden die Krankenhäuser Jahr für Jahr etwa 100.000 Patienten mehr behandeln.

„Wer am brutalsten Pflege abgebaut hat und jetzt wieder Pflege aufbaut, bekommt Geld“
Leber zeigte sich optimistisch, dass Krankenkassen und Krankenhäuser sich noch in diesem Jahr auf Qualitätsverträge einigten. Diese Möglichkeit war ihnen mit dem Krankenhaus-Strukturgesetz eröffnet worden. „Es gibt Krankenkassen, die bereit sind, mehr Geld für gute Qualität auszugeben, und es gibt Krankenhäuser, die gerne ihre gute Qualität verkaufen würden“, meinte Leber.

Er kritisierte hingegen die Regelung zur Umwandlung des Versorgungszuschlags in den Pflegezuschlag. „Wer am brutalsten Pflege abgebaut hat und jetzt wieder Pflege aufbaut, bekommt Geld. Wer immer viel Personal beschäftigt hat, bekommt keinen Pfenning“, meinte er. Leber wies zudem darauf hin, dass die Pflege künftig noch mehr als heute in den Pflegeheimen erbracht werde. „Dieses Jahr war erstmals die Anzahl der Pflegekräfte in stationären Pflegeeinrichtungen höher als in Krankenhäusern. Je älter die Bevölkerung wird, desto wenig Pflegekräfte werden Sie auf den Stationen haben.“

© fos/aerzteblatt.de

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