Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

InEK: „Das ist ein deutlicher Eingriff in die DRG-Arithmetik“

Freitag, 18. März 2016

Berlin – Das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) hat einen Vorschlag für einen Umbau des DRG-Systems vorgelegt, durch den DRGs mit hohen Personal­kosten besser vergütet werden sollen. „Es wird eine Umverteilung innerhalb des Systems geben“, erklärte der Geschäftsführer des InEK, Frank Heimig, gestern auf dem 15. Nationalen DRG-Forum in Berlin.

Zu den Verlierern würden dabei diejenigen Krankenhäuser zählen, die überwiegend Leistungen mit einem hohen Sachkostenanteil erbringen, zum Beispiel Leistungen im Bereich der Herzchirurgie. Heimig schätzte, dass etwa ein Viertel der deutschen Krankenhäuser dazu zählen. Die anderen Krankenhäuser würden von der Neuordnung profitieren. „Das ist ein deutlicher Eingriff in die Arithmetik des DRG-Systems, einer der größeren Eingriffe, die wir bislang vorgenommen haben“, meinte Heimig.

DRG-Kalkulation: Mehr private Krankenhäuser sollen hinzugezogen werden
Änderungen wird es auch bei der Auswahl der Krankenhäuser geben, die das InEK zur Kalkulation der DRG-Fallpauschalen heranzieht. Einen entsprechenden Auftrag hatte das Institut von der Bundesregierung erhalten. In der Stichprobe der Krankenhäuser, mit deren Daten das InEK bislang kalkuliert, sind nur Häuser vertreten, die sich freiwillig gemeldet haben. „Das hat dazu geführt, dass vor allem die privaten Träger unter­repräsentiert sind“, sagte Heimig. „Es sollten 30 Prozent private Krankenhäuser in der Stichprobe sein. Es sind aber sieben Prozent. Auch freigemeinnützige sind etwas unterrepräsentiert.“

Künftig will das InEK zunächst die Krankenhäuser identifizieren, die die Stichprobe repräsentativer machen würden. In der Folge will das Institut ein Ranking erstellen. „Je mehr uns das Haus durch seine Hinzunahme in die Stichprobe helfen würde, repräsentativer zu sein, desto höher kommt es in dem Ranking“, erklärte Heimig. Schließlich sollen die Häuser, die tatsächlich in die Stichprobe aufgenommen werden, per Los bestimmt werden. Die Krankenhäuser, die bislang an der Kalkulation teilnehmen, werden dies auch weiterhin tun.

GKV-Spitzenverband: „Nach der Bundestagswahl bekommen einige große Kassen Schwierigkeiten“
Wulf-Dietrich Leber vom GKV-Spitzenverband prognostizierte, dass die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung in den nächsten Jahren deutlich mehr Geld für die Krankenhäuser ausgeben müsse. „Allerdings haben wir nach der Bundestagswahl eine neue Regierung mit neuen Einsichten“, sagte er. „Neue Einsichten werden dann kommen, wenn ein paar große Krankenkassen Schwierigkeiten bekommen werden. Und damit rechnen wir möglicherweise nach der nächsten Wahl.“

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, kritisierte hingegen, dass die Krankenkassen in der Öffentlichkeit den Eindruck erwecken wollten, die Krankenhäuser seien schuld an der Erhöhung der Zusatzbeträge. „Das stimmt aber nicht“, sagte Baum. Zum einen wüchsen die Ausgaben für die Krankenhäuser geringer als die gesamten GKV-Ausgaben. Und zum anderen würden die Krankenhäuser Jahr für Jahr etwa 100.000 Patienten mehr behandeln.

„Wer am brutalsten Pflege abgebaut hat und jetzt wieder Pflege aufbaut, bekommt Geld“
Leber zeigte sich optimistisch, dass Krankenkassen und Krankenhäuser sich noch in diesem Jahr auf Qualitätsverträge einigten. Diese Möglichkeit war ihnen mit dem Krankenhaus-Strukturgesetz eröffnet worden. „Es gibt Krankenkassen, die bereit sind, mehr Geld für gute Qualität auszugeben, und es gibt Krankenhäuser, die gerne ihre gute Qualität verkaufen würden“, meinte Leber.

Er kritisierte hingegen die Regelung zur Umwandlung des Versorgungszuschlags in den Pflegezuschlag. „Wer am brutalsten Pflege abgebaut hat und jetzt wieder Pflege aufbaut, bekommt Geld. Wer immer viel Personal beschäftigt hat, bekommt keinen Pfenning“, meinte er. Leber wies zudem darauf hin, dass die Pflege künftig noch mehr als heute in den Pflegeheimen erbracht werde. „Dieses Jahr war erstmals die Anzahl der Pflegekräfte in stationären Pflegeeinrichtungen höher als in Krankenhäusern. Je älter die Bevölkerung wird, desto wenig Pflegekräfte werden Sie auf den Stationen haben.“

© fos/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

19.10.17
Kosten der bayerischen Krankenhäuser gestiegen
Fürth – In den bayerischen Krankenhäusern sind im vergangenen Jahr Kosten von rund 15,8 Milliarden Euro angefallen. Nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Statistik waren das 4,1 Prozent mehr......
17.10.17
Mainzer Universitätsmedizin schreibt Millionenverluste
Mainz – Teure Rund-um-die-Uhr-Versorgung, besonders aufwendige Behandlungen, hohe Kosten zur Instandhaltung der älteren Gebäude: Die Mainzer Universitätsmedizin ist tief in die roten Zahlen gerutscht.......
12.10.17
Nachtragshaushalt beschlossen: Mehr Geld für Kliniken in NRW
Düsseldorf – Der Landtag in Nordrhein-Westfalen (NRW) hat heute mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen von CDU und FDP einen Nachtragshaushalt für 2017 verabschiedet. Unter anderem sind 250......
09.10.17
Bayerns Krankenhäuser erhalten mehr Geld für Investitionen
München – Der Krankenhausförderetat in Bayern soll im kommenden Jahr um 140 Millionen Euro auf rund 643 Millionen Euro angehoben werden. Darauf haben sich die bayerische Landesregierung und kommunale......
06.10.17
Krankenhäuser erhalten kaum Bankkredite für Digitalisierungs­projekte
Kassel – Bei der Finanzierung von Digitalisierungsprojekten sehen sich viele Krankenhäuser von den Banken nicht ausreichend unterstützt. Das ist das Ergebnis einer Studie der Evangelischen Bank.......
05.10.17
Krankenhaus­direktoren fordern neun Milliarden Euro an Regelinvestitionen
Berlin – Deutschland benötigt ein ‚Zukunftskonzept Deutsches Krankenhaus‘, das gemeinsam von Bund und Ländern getragen wird und mit dem bekannte Grundsatzprobleme gelöst werden. Das hat der Verband......
02.10.17
Kritik an Sparplänen bei Kliniken in Baden-Württemberg
Stuttgart – Die vom Land Baden-Württemberg geplante Kürzung der Investitionsförderung für Krankenhäuser hat bei Kommunen, Krankenhausgesellschaft und SPD Unmut ausgelöst. Sein Verband verurteile die......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige