Medizin

Parodontitis könnte geistigen Abbau bei Alzheimer beschleunigen

Montag, 21. März 2016

London – Alzheimer-Patienten, die gleichzeitig an Parodontitis leiden, könnten schneller einen Verlust ihrer geistigen Fähigkeiten erleben als Patienten mit einem gesunden Zahnstatus. Mark Ide und seine Arbeitsgruppe am King's College London vermuten, dass die Entzündungsreaktion im Körper den geistigen Abbau begünstigt. Sie berichten in PLOS ONE (doi: 10.1371/journal.pone.0151081).

Bei einer Parodontitis kommt es zu einer Entzündung des Zahnhalteapparats. Bakterien vermehren sich in den Zahnfleischtaschen und können eine chronische Entzündung auslösen. Die Parodontitis ist jedoch nicht allein eine lokale Infektion, sondern hat weitreichende Folgen auf den gesamten Organismus. Das Risiko für Herzinfarkte, Diabetes und rheumatische Erkrankungen steigt durch die Erkrankung an.

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Für Alzheimer konnten Forscher der University of Central Lancashire zeigen, dass in den Gehirnen von Patienten das Bakterium Porphyromonas gingivalis nachweisbar ist, wenn sie unter Parodontitis leiden. Wenn auch die pathophysiologische Rolle dieser Bakterienbesiedlung unklar ist, könnte sie entzündliche Prozesse im Gehirn verstärken (doi:10.3233/JAD-121918).

Die Wissenschaftler der vorliegenden Studie schlossen 59 Patienten in ihre Unter­suchung ein, die durch Alzheimer unter milden kognitiven Einschränkungen litten. Zu Beginn der Studie wurde durch einen Zahnarzt ein Zahnstatus erhoben und die Patienten wurden über sechs Monate beobachtet. Messungen der kognitiven Fähigkeiten und eine Bestimmung der Entzündungsmarker ergänzten die Untersuchung.

Von den Patienten wiesen 37 Prozent Zeichen einer Parodontitis auf. Obwohl diese Patienten im Durchschnitt viereinhalb Jahre jünger waren als die Vergleichspatienten, stieg in den folgenden sechs Monaten ihr Risiko für einen kognitiven Abbau um das Sechsfache. Die Entzündungsmarker waren in dieser Patientenpopulation ebenfalls erhöht.

Parodontitis und Alzheimer besitzen teilweise ähnliche Risikofaktoren, zum Beispiel Rauchen, Diabetes und eine niedrige Bildung, sodass nicht unbedingt ein kausaler Zusammenhang zwischen der Infektion und der dementiellen Erkrankung bestehen muss. Da jedoch die orale Entzündung für andere Erkrankungen systemische Konsequenzen hat, ist ein Einfluss auf die Alzheimer-Demenz zumindest vorstellbar, meinen die Forscher. Statistisch müsse man dies jedoch in einer größeren Kohorte absichern. © hil/aerzteblatt.de

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