Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Zeitmangel ist laut Fachgesellschaft das zentrale Problem in der Versorgung

Dienstag, 22. März 2016

dpa

Berlin – Ärzte im Krankenhaus stehen unter einem immensen Zeitdruck, der das Arzt-Patienten-Verhältnis beschädigen kann. Das kritisiert die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH). „Wir brauchen wieder mehr Zeit für das Gespräch mit den Patienten“, fordert die Präsidentin der Fachgesellschaft Gabriele Schackert. Wenn Krankenhaus­strukturen vor allem darauf ausgelegt seien, größtmögliche Erlöse zu erzielen, führe das häufig zu einem Vertrauens- und Informationsverlust.

Verantwortlich für die negative Entwicklung ist laut der DGCH die Klinikvergütung über die Fallpauschalen. „Es gilt, den maximalen Erlös zu erzielen – je mehr und je schwieriger die Fälle bei mittlerer Verweildauer sind, desto besser“, berichtet Schackert. Die Zeit, die man mit den Patienten verbringe, schlage sich hingegen nicht in der Vergütung nieder. Zuwendung werde damit zur „entbehrlichen Ressource“, so die Chirurgin.

Zeitknappheit sei auch eine der Ursachen, weshalb in verschiedenen Fachgebieten die Operationszahlen anstiegen. „Viele Eingriffe würden entfallen, wenn wir die Zeit hätten, im Gespräch den Willen des Patienten kennenzulernen und die richtige, individuelle Indikation zu stellen“, meint die Neurochirurgin. Dieser Zeitaufwand sei ebenso wichtig wie die Operation mit gutem Behandlungsergebnis und müsse in der Vergütung berücksichtigt werden.

Die Fachgesellschaft fordert, sich auf Empathie und Verantwortung und das eigentliche Arzt-Patienten-Verhältnis zu besinnen. „Eine Medizin am Fließband, die jährlich eine Leistungssteigerung verlangt, kann nicht das Ziel sein und verliert den Patienten aus dem Blickfeld“, betonte Schackert. 

Scharfe Kritik an der Klinikvergütung über Fallpauschalen (Diagnosis Related Groups, DRGs) hatte zuletzt auch die Ärztekammer Berlin geübt. „Wären DRGs ein Medikament, müssten sie sofort vom Markt genommen werden. Alle Nebenwirkungen sind eingetreten, fast alle Wirkungen ausgeblieben“, sagte der Kammerpräsident Günther Jonitz.

© hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

06.10.17
Japan: Tod durch Überarbeitung
Tokio – Vier Jahre nach dem tödlichen Herzinfarkt einer jungen Reporterin hat der japanische Sender NHK eingeräumt, dass ihr Tod auf Überarbeitung zurückzuführen sei. Der öffentliche Sender kündigte......
21.09.17
Niedersächsische Vertragsärzte leisten mehr als eine Million unbezahlte Arbeitsstunden
Hannover – Die rund 14.700 niedersächsischen Vertragsärzte und -psychotherapeuten in Niedersachsen haben im laufenden dritten Quartal 2017 über eine Million Überstunden ohne Bezahlung geleistet.......
08.09.17
Arbeitsbedingungen für Pflegeberufe „inakzeptabel“
Berlin – Die Arbeitsbedingungen für professionell Pflegende haben sich nach Auffassung des Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) während der Regierungszeit der großen Koalition in den......
06.09.17
Viele Selbstständige und Akademiker arbeiten mehr als 48 Wochenstunden
Wiesbaden – Mehr als jeder zehnte Vollzeitbeschäftigte hatte im vergangenen Jahr überlange Arbeitszeiten. Wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte, arbeiteten elf Prozent der......
05.09.17
Anonyme Beratung für Ärzte bei beruflicher und privater Überlastung
Stuttgart – Auf ein anonymes Beratungsangebot von Arzt zu Arzt bei beruflicher und privater Be- und Überlastung hat die Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg hingewiesen. „Vielen Ärzten fällt es in......
24.08.17
TK will für Operationen einheitliche Preise in Kliniken und Praxen
Berlin – Die Techniker Krankenkasse (TK) dringt auf gleiche Preise für vergleichbare medizinische Eingriffe im Krankenhaus und in Arztpraxen. „Bei diesen Leistungen muss endlich der Grundsatz......
23.08.17
Stationsäquivalente psychiatrische Behandlung muss angemessen vergütet werden
Berlin – GKV-Spitzenverband, Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der Verband der Privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) haben sich auf Regeln für eine stationsäquivalente psychiatrische Behandlung......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige