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Medizin

Meditation und Psychotherapie lindern chronische Kreuzschmerzen

Mittwoch, 23. März 2016

dpa

Seattle – Die achtsamkeitsbasierte Stressreduktion, eine in den USA verbreitete „westliche“ Meditationstechnik, hat in einer randomisierten klinischen Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2016; 315: 1240-1249) Kreuzschmerzen signifikant gelindert. Die Wirkung war genauso stark wie nach einer kognitiven Verhaltenstherapie.

Die „Mindfulness-Based Stress Reduction" (MBSR) wurde in den späten 1970er Jahren von dem Molekularbiologen Jon Kabat-Zinn am University of Massachusetts Medical Center entwickelt. Die inzwischen standardisierte Therapie vermittelt in acht wöchent­lichen Gruppensitzungen relativ einfache Yoga-Übungen, die die Probanden im Anschluss daran täglich über 45 Minuten durchführen sollen. Die MBSR wird seit einigen Jahren zunehmend als medizinisch effektive Entspannungstherapie eingestuft, was sich in einer steigenden Anzahl von randomisierten klinischen Studien zeigt.

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Ein Team um Daniel Cherkin vom Group Health Research Institute in Seattle hat die MBSR jetzt mit der kognitiven Verhaltenstherapie (CBT) und einer Kontrollgruppe verglichen. Insgesamt 342 Erwachsene im Alter von 20 bis 70 Jahren, die seit durchschnittlich 7,3 Jahren fast täglich unter Kreuzschmerzen litten, wurden auf die drei Studienarme randomisiert.

Beide Therapien wurden in acht wöchentlichen Gruppensitzungen von jeweils zwei Stunden vermittelt. Den Teilnehmern aller drei Gruppen stand es frei, nebenbei ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, die in der Kontrollgruppe die einzige Therapie war. Primärer Endpunkt war einmal der Anteil der Patienten, die 26 Wochen nach Beginn der Studie eine klinisch bedeutsame Verbesserung (um 30 Prozent oder mehr) ihrer funktionellen Fähigkeiten im modifizierten Roland Disability Questionnaire verzeichneten. Der andere primäre Endpunkt war eine Einschätzung der allgemeinen Störungen („bothersomeness“) durch die Kreuzschmerzen, die die Patienten auf einer Skala von 0 bis 10 bewerteten.

Wie Chefkin und Mitarbeiter jetzt berichten, erreichten in beiden Studiengruppen signifikant mehr Patienten die Behandlungsziele als in der Kontrollgruppe: Die funktionellen Einschränkungen besserten sich in der MBSR-Gruppe bei 60,5 Prozent der Patienten und in der CBT-Gruppe bei 57,6 Prozent der Patienten. In der Kontrollgruppe waren es 44,1 Prozent. Die „pain bothersomeness“ nahm in der MBSR-Gruppe bei 43,6 Prozent und in der CBT-Gruppe bei 44,9 Prozent deutlich ab gegenüber 26,6 Prozent in der Kontroll-Gruppe.

Die Vorteile waren umso bemerkenswerter, als in der MBSR-Gruppe nur 50,9 Prozent an mindestens sechs der acht Sitzungen teilgenommen hatten. In der CBT-Gruppe waren es 56,6 Prozent der Teilnehmer. Damit bleibt offen, ob ein Teil der Wirkung auf die Erwartung der Patienten zurückzuführen war, wie Madhav Royal und Jennifer Haythornthwaite von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore im Editorial anmerken. Für die Patienten dürfte dies allerdings keine Rolle gespielt haben. Für sie zählt, dass ihre Schmerzen gelindert wurden.

Die MBSR dürfte insofern eine nachhaltige Wirkung erzielen, als die Teilnehmer gebeten werden, die Übungen täglich zu wiederholen. Sie erzielten nach 52 Wochen in beiden primären Endpunkten ein besseres Ergebnis als die Kontrollgruppe. Für die CBT war zu diesem Zeitpunkt kein signifikanter Unterschied zur Kontrollgruppe mehr nachweisbar.

Die Ergebnisse einer weiteren randomisierten Studie wurden kürzlich in JAMA Internal Medicine (2016; 176: 329-337) publiziert. Natalia Morone von der University of Pittsburgh School of Medicine hatte 282 Senioren (Alter über 65 Jahre) auf acht wöchentliche Gruppensitzungen mit Meditationsübungen oder eine Gesundheits­aufklärung randomisiert. Endpunkt war eine Verbesserung der funktionellen Störungen im Roland and Morris Disability Questionnaire. Auch hier kam es zu Verbesserungen, die allerdings bei der Nachuntersuchung nach sechs Monaten nicht mehr signifikant waren, was Morone auf eine gewisse Wirkung in der Kontrollgruppe zurückführt. © rme/aerzteblatt.de

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