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Medizin

Gen-Signatur im Blut kann Ausbruch der Tuberkulose vorhersagen

Donnerstag, 24. März 2016

Mycobacterium tuberculosis im Sputum /dpa

Kapstadt – Ein internationales Forscherteam hat einen Bluttest entwickelt, der bei Menschen mit einer latenten Tuberkulose den drohenden Ausbruch einer aktiven Erkrankung einigermaßen genau vorhersagen kann. Die im Lancet (2016; doi: 10.1016/S0140-6736(15)01316-1) vorgestellten Ergebnisse schaffen die Grundlage für die gezielte Behandlung von Menschen mit latenter Tuberkulose.

Schätzungsweise ein Drittel der Menschheit ist „latent“ mit Mycobacterium tuberculosis infiziert, aber nur einer von zehn erkrankt im Verlauf seines Lebens an einer aktiven Tuberkulose. Eine latente Infektion kann heute mit Isoniazid gut behandelt werden. Die Therapie dauert allerdings neun Monate und eine Massenbehandlung ist deshalb nicht praktikabel.

Ein Test, der den drohenden Ausbruch der Erkrankung vorhersehen könnte, würde eine gezielte Therapie erlauben. Sie könnte nicht zuletzt die Zahl der Übertragungen verringern, zu denen es im Zeitraum zwischen dem Ausbruch der aktiven Erkrankung und der Diagnose kommt. Menschen mit einer unerkannten offenen Lungentuberkulose können schnell viele Menschen ihrer Umgebung infizieren.

Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass eine aktive Erkrankung vor dem Einsetzen der Symptome bereits zur Aktivierung von Genen des Immunsystems führt. Diese Gene befinden sich auch in den Abwehrzellen des Blutes, was einen Bluttest ermöglichen sollte.

Ein Team um Willem Hanekom von der Universität Kapstadt begann ihre zehnjährige Suche nach der Gen-Signatur einer drohenden aktiven Tuberkulose in einer Kohorte von 6.363 Teenagern auf Worcester, einer Stadt in Südafrika. Während einer Beobachtungszeit von zwei Jahren kam es bei 46 Patienten zu einer aktiven Tuberkulose.

Die Forscher stellten 37 dieser „Progressoren" als Kontrollgruppe 77 „Nicht-Progressoren“ gegenüber. Dann wurden rückwirkend die Blutproben untersucht, die im Verlauf von zwei Jahren alle sechs Monate von den Probanden entnommen worden waren. Das Team sequenzierte die gesamte RNA in den Blutproben, um nach der Boten-RNA der Gene zu suchen, die vor Ausbruch der Erkrankung aktiviert wurden.

Das Ergebnis war eine Gruppe von 16 Genen, mit denen sich „Progressoren“ und „Nicht-Progressoren“ unterscheiden ließen. Um einen Zufallsbefund auszuschließen wurden die Gen-Signatur – dieses Mal mit einem herkömmlichen Gentests auf Basis einer Polymerasekettenreaktion – in einer zweiten Kohorte von 4.466 Personen überprüft. Es handelte sich um Afrikaner unterschiedlicher Herkunft – eine größere Altersspanne sowie die Infektion mit verschiedenen Stämmen des Tuberkulose-Erregers sollten sicherstellen, dass die Ergebnisse überregionale Bedeutung haben.

Der Test erzielte bei dieser Validierung eine Sensitivität von 53,7 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 42,6 bis 64,3 Prozent) und eine Spezifität von 82,8 Prozent (76,7-86 Prozent) für die Vorhersage einer aktiven Tuberkulose in den nächsten zwölf Monaten. Das ist keineswegs ein ideales Ergebnis, da nur etwas mehr als die Hälfte der Erkrankungen frühzeitig erkannt wurde und etwa ein Fünftel aller Getesteten ein falsch-positives Ergebnis hatte, also unnötigerweise behandelt würde.

Die Sensitivität des Tests stieg im Zeitraum vor dem Ausbruch der Erkrankung an und eine weitere Untersuchung von Kohorten aus Großbritannien, Südafrika und Malawi zeigte, dass die Gen-Signatur sicher zwischen einer aktiven und einer latenten Tuberkulose unterscheiden kann.

Der praktische Nutzen des Tests dürfte jetzt davon abhängen, ob eine Behandlung der Patienten beispielsweise mit Isoniazid den Ausbruch der Erkrankung verhindern und den Patienten damit eine längere Therapie mit mehreren Medikamenten ersparen kann. Laut Hanekom ist eine derartige Studie in Planung. Sponsor ist die Gates-Stiftung, die auch die aktuelle Untersuchung finanziert hat. Im weiteren muss sich zeigen, dass der Gentest unter den schwierigen Verhältnissen in Afrika eingesetzt und auch finanziert werden könnte. © rme/aerzteblatt.de

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