NewsMedizinVitamin C könnte vor grauem Star schützen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Vitamin C könnte vor grauem Star schützen

Montag, 28. März 2016

Katarakt-Operation /dpa

London – Die Entwicklung einer Katarakt (Grauer Star) ist nur zu einem Drittel genetisch bedingt. Die anderen beiden Drittel waren in einer Zwillingsstudie in Ophthalmology (2016; doi: 10.1016/j.ophtha.2016.01.036) umweltbedingt, wobei eine hohe Zufuhr von Vitamin C eine ausgeprägte protektive Wirkung haben könnte.

Das Kammerwasser, das die Linse im menschlichen Auge umgibt, enthält eine hohe Konzentration an Vitamin C, und seit langem wird vermutet, dass das antioxidative Vitamin die Linse vor einer Eintrübung bewahrt. Sie könnte damit die Entwicklung einer Katarakt hinauszögern, zu der es im höherem Alter bei bis zu 40 Prozent der Bevöl­kerung kommt und die für eine der häufigsten Operationen verantwortlich ist. In Deutschland werden pro Jahr 650.000 Intraokularlinsen implantiert.

Anzeige

Der Einfluss von Vitamin C wurde bereits in früheren Studien untersucht. Die Ergebnisse waren jedoch nicht einheitlich. Ein Team um Chris Hammond vom King's College London hat jetzt die Daten der britischen Zwillingsstudie ausgewertet. Diese Kohorte wird eigentlich genutzt, um den genetischen Einfluss von Erkrankungen zu untersuchen. Die Analyse zu 2.054 weiblichen Zwillingen europäischer Herkunft ergab jedoch, dass allenfalls 35 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 13 bis 54 Prozent) der Katarakte erblich sind.

Für die anderen 65 Prozent (46 bis 87 Prozent) sind die Ursachen deshalb in der „Umwelt“ zu suchen. Dazu gehört auch die Ernährung, und da die Teilnehmer der Zwillingsstudie Fragebogen zur Ernährung ausfüllen, konnte Hammond den Einfluss untersuchen. Dabei kam ihm zu Hilfe, dass bei den 2.054 Zwillingen Schwarzweiß-Fotografien der Linsen aufgenommen wurden, aus denen das Ausmaß der Trübung berechnet werden konnte. Insgesamt 324 Zwillingspaare waren zehn Jahre später noch einmal fotografiert worden, so dass Hammond auch das Fortschreiten der Linsentrübung beurteilen konnte.

Zunächst waren sieben Ernährungsfaktoren mit einer zunehmenden Linsentrübung assoziiert. Sie konnten aber in einer Regressionsanalyse auf zwei Faktoren reduziert werden. Der erste Faktor war Vitamin C: Zwillinge im obersten Drittel der Vitamin C-Zufuhr waren zu 19 Prozent seltener erkrankt als Zwillinge im untersten Drittel der Vitamin C-Zufuhr (relatives Risiko 0,81; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,68-0,96). Das Fortschreiten der Katarakt wurde im oberen Drittel sogar um 33 Prozent vermindert (relatives Risiko 0,66; 0,47-0,91).

Der zweite protektive Faktor war Mangan. Im oberen Drittel der Zufuhr waren die Zwillinge bei der Ausgangsuntersuchung zu 20 Prozent seltener an einer Katarakt erkrankt (relatives Risiko 0,80; 0,67-0,95). Ein Einfluss auf das Fortschreiten der Linsentrübung konnte Hammond jedoch nicht nachweisen, so dass die Bedeutung von Mangan nicht ganz eindeutig ist.

Eine Vitamin C-reiche Ernährung könnte demnach vor dem Fortschreiten der Erkrankung schützen. Die Assoziation bestand übrigens nur für die Aufnahme von Vitamin C mit der Nahrung und nicht für Vitamin C-Präparate aus der Apotheke, wie Hammond betont. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. Oktober 2019
Erfurt – Unter den anhaltend langen Wartezeiten auf Augenarzttermine in Thüringen leiden sehbehinderte Menschen nach Einschätzung des Behindertenbeauftragten des Landes, Joachim Leibiger, besonders.
Behindertenbeauftragter sieht Mangel an Augenärzten in Thüringen
8. Oktober 2019
Genf – Mehr Menschen auf der Welt werden schlechte Augen haben. Diesen Trend sagt die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) wegen veränderter Lebens- und Arbeitsgewohnheiten der Menschen voraus. Zum einen
Veränderter Lebens- und Arbeitsstil hat negative Folgen für die Augen
24. September 2019
Amsterdam – Augentropfen mit dem Rho-Kinase-Hemmer Netarsudil, der den Abfluss des Kammerwassers über das trabekuläre Maschenwerk erhöht, werden nach den USA demnächst auch in Europa zur Verfügung
Rho-Kinase-Hemmer senkt Augeninnendruck
23. September 2019
Jena – Ein neues optisches Verfahren liefert in Sekundenschnelle detaillierte Informationen über den Zustand der Netzhaut im Auge. Das berichtet ein europäisches Wissenschaftlerteam unter Beteiligung
Neues Scanverfahren erkennt Augenschäden früher
19. September 2019
Berlin – Mit einer Smartphonekamera und speziellen Adaptern lassen sich Anzeichen eines Glaukoms oder einer diabetischen Retinopathie erkennen. Insbesondere in Entwicklungsländern, aber auch
Fundusfotografie per Smartphone macht Augenerkrankungen sichtbar
19. September 2019
Berlin – Die Therapieoptionen beim trockenen Auge sind begrenzt. Ein neues Forschungsprojekt, das im nächsten Jahr in die klinische Phase eintreten soll, untersucht, ob Cannabis-Augentropfen den
Cannabistropfen könnten Schmerzen beim trockenen Auge lindern
18. September 2019
Berlin – Die Erforschung einer Augenerkrankung, die sich Astronauten im Weltall zuziehen, könnte letztlich in einer neuen Behandlung für Patienten mit Glaukom resultieren. „Astronauten, die sich über
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER