Medizin

Herzinsuffizienz: Gentransfer über die Koronarien verbessert Pumpfunktion

Mittwoch, 30. März 2016

San Diego – Der Transfer von Genen über einen Herzkatheter in die Koronargefäße hat in einer ersten randomisierten klinischen Studie die Pumpfunktion des linken Ventrikels von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz verbessert und die Zahl der Klinikaufenthalte gesenkt, wie die in JAMA Cardiology (2016; doi: 10.1001/jamacardio.2016.0008) publizierten Ergebnisse zeigen.

An sieben US-Kliniken wurden seit Juli 2010 insgesamt 56 Patienten mit symptoma­tischer Herzinsuffizienz behandelt. Während einer Herzkatheteruntersuchung injizierten die Kardiologen eine Lösung in die Koronargefäße, die entweder nur Kochsalz enthielt oder aber Adenoviren, die zuvor mit dem Gen für die Adenylylcyclase 6 beladen wurden. Die Adenoviren sollten die Herzmuskelzellen infizieren und dabei ihre Genfracht abladen. Der Gentransfer wurde in fünf unterschiedlichen Dosierungen durchgeführt.

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Adenylylcyclasen sind im menschlichen Körper weit verbreitet. Die membranständigen Enzyme sind beispielsweise an der Weiterleitung von Hormonsignalen beteiligt. Prä­klinische Studien haben gezeigt, dass das Enzym die Herzleistung verbessern kann, wobei nicht ganz klar zu sein scheint, wie die Wirkung zustande kommt. Bekannt war aber, dass es bei der Herzinsuffizienz zu einem Rückgang der Adenylylcyclase 6 kommt.

Nachdem die Gentherapie in einem Mäusemodell der Herzinsuffizienz die Funktion des linken Ventrikels gestärkt und einen vorzeitigen Tod der Tiere verhindert hat, ohne den Tieren zu schaden, war der Weg frei für die erste klinische Studie.

An der Studie nahmen 56 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz teil, deren linksventrikuläre Ejektionsfraktion auf unter 40 Prozent abgefallen war und die seit mindestens drei Monaten unter Beschwerden einer Herzschwäche litten. Nach dem intrakoronaren Gentransfer kam es zu einer Verbesserung der Pumpfunktion.

In den beiden höchsten Dosierungen verzeichnete das Team um Kirk Hammond vom Veterans Affairs San Diego Healthcare System einen Anstieg der linksventrikulären Ejektionsfraktion. Signifikante Unterschiede bestanden in der Drucksteigerung des linken Ventrikels (dP/dt), der ein Maß für die Kontraktilität ist. Bei den Patienten mit nicht-ischämischer Kardiomyopathie kam es auch zu einer Verbesserung der linksven­trikulären Ejektionsfraktion über die Studiendauer von 12 Wochen.

Vorteile in der Ausdauer auf dem Ergometer waren nicht erkennbar. Im ersten Jahr nach dem Gentransfer mussten jedoch nur 9,5 Prozent der Patienten wegen einer Dekom­pensierung der Herzinsuffizienz im Krankenhaus behandelt werden. Im Placebo-Arm wurde dies bei 28,6 Prozent der Patienten notwendig. Da keine kardialen Kompli­kationen, insbesondere auch keine Herzrhythmusstörungen auftraten, hoffen die Autoren, die inzwischen eine eigene Firma gegründet haben, auf Anschlussstudien zur Gentherapie der Herzinsuffizienz. © rme/aerzteblatt.de

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