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Medizin

Opiatsucht: Naltrexon-Depot verhindert Rückfälle

Donnerstag, 31. März 2016

New York – Monatliche Injektionen mit einem Depotpräparat des Opioid-Antagonisten Naltrexon haben in einer randomisierten Studie unter US-Delinquenten die Zahl der Drogenrückfälle gesenkt, ohne dass es zu einer einzigen Überdosierung gekommen ist. Auch ein günstiger Effekt auf die Kriminalität war laut der Publikation im New England Journal of Medicine (2016; 374: 1232-1242) erkennbar.

Die US-Justiz setzt bei der Behandlung von opiat-abhängigen Delinquenten zunehmend auf ein Depot-Präparat mit dem Opioid-Antagonisten Naltrexon. Das Präparat Vivitrol ist in den USA seit Oktober 2010 zugelassen (In Deutschland wird kein vergleichbares Präparat angeboten) und nach Auskunft des Herstellers wird es bereits in 30 Staaten in mehr als hundert Pilotprogrammen eingesetzt. Das Präparat wird alle vier Wochen intramuskulär injiziert. Der starke Opioid-Antagonist verhindert in der Zwischenzeit, dass Opiate und ihre Derivate wie Heroin eine Wirkung erzielen. 

Ob die Injektionen die Abhängigen tatsächlich vom Drogenkonsum abhalten, haben Joshua Lee vom Langone Medical Center der New York University und Mitarbeiter seit 2009 in einer randomisierten Studie an 308 Straffälligen mit einer dokumentierten Opiatsucht untersucht. Alle Personen befanden sich während der Studie in Freiheit. Sie waren entweder wegen guter Führung entlassen worden oder hatten eine Bewährungs­strafe erhalten.

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Für die Studie wurden sie auf zwei Gruppen randomisiert. In der ersten Gruppe nahmen die Probanden nur an der üblichen Drogenberatung teil, in der zweiten erhielten sie zusätzlich alle vier Wochen eine intramuskuläre Injektion mit dem Naltrexon-Präparat. Die Dauer der Behandlungen betrug 24 Wochen. Nach 52 und 78 Wochen fanden Nachuntersuchungen statt. Primärer Endpunkt der Studie war die Zeit bis zum Rückfall, definiert als der erneute Konsum von Opiaten an mehr als zehn Tagen zwischen den Injektionsterminen, entweder durch Angabe der Teilnehmer oder durch einen positiven Urintest, der alle zwei Wochen durchgeführt wurde.

Die „Intention to treat“-Analyse ergab, dass während der 24-wöchigen Behandlungs­phase im Naltrexon-Arm 43 Prozent der Teilnehmer einen Rückfall erlitten. In der Vergleichsgruppe mit alleiniger Drogenberatung waren es 64 Prozent. Dies ergibt eine Odds Ratio von 0,43, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,28 bis 0,65 signifikant war. Der Unterschied von 21 Prozentpunkten dürfte auch klinisch relevant sein. Er bedeutet, dass auf etwa fünf Teilnehmer einer kam, dem es dank der Behand­lung gelang (einigermaßen) drogenfrei zu leben (Number needed to treat). Auch die Rate der negativen Urinproben war im Naltrexon-Arm mit 74 Prozent versus 56 Prozent höher (Odds Ratio 2,30; 1,48-3,54). 

Bei diesen Ergebnissen ist zu berücksichtigen, dass die Naltrexon-Injektionen freiwillig waren. Immerhin wurden aber 711 von 918 Injektionen (77 Prozent) durchgeführt. Lee macht keine Angaben zu der Abstinenzrate unter adhärenten Teilnehmern. Die Ergeb­nisse könnten aber unter der „Per Protocol“-Analyse höher gewesen sein, zumal der Drogenkonsum unter der Einwirkung von Naltrexon keine Wirkung erzielen sollte.

Lee fand keine Hinweise, dass die Teilnehmer auf andere Drogen, etwa Nicht-Opiate wie Kokain, gewechselt haben. Ein günstiger Begleiteffekt war ein leichter Rückgang der erneuten Gefängnisaufenthalte (22,9 versus 29 Prozent) und der Gesamtzahl der Tage im Gefängnis (1.651 versus 2.628). Die Unterschiede waren in der statistischen Auswertung allerdings nicht signifikant.

Die monatlichen Injektionen wurden von den meisten Teilnehmern gut vertragen. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Reaktionen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen und gastrointestinale Beschwerden. Im Naltrexon-Arm kam es zu keinem einzigen Fall einer Überdosierung, während in der Kontrollgruppe 78 Ereignisse gezählt wurden, von denen drei tödlich endeten. © rme/aerzteblatt.de

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