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Psychosoziales Coaching bringt ein Drittel der Langzeitarbeitslosen in Arbeit

Dienstag, 5. April 2016

dpa

Leipzig – Viele ältere Langzeitarbeitslose leiden an unzureichend behandelten psychischen Erkrankungen. Das berichtet die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig zusammen mit dem Jobcenter Leipzig.

Ein sogenanntes psychosoziales Coaching kann einem großen Teil von ihnen wieder eine Perspektive eröffnen. Das zeigt jetzt die Auswertung eines seit 2011 laufenden Modellprojekts.

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Ziel des Coachings ist, psychische Erkrankungen bei älteren Langzeitarbeitslosen zu erkennen und den Betroffenen die richtigen Hilfen zu vermitteln. „Viele glauben, dass die lange Arbeitslosigkeit psychisch krank macht. Häufig besteht jedoch eher ein umgekehrter Zusammenhang: Depression und andere psychische Erkrankungen führen zu Arbeitslosigkeit und erschweren den Weg zurück ins Berufsleben. Mit dem psychosozialen Coaching sorgen wir dafür, dass die psychisch Erkrankten konsequent behandelt werden und beseitigen so dieses Vermittlungshemmnis“, erläutert Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Seit Beginn des Modellprojekts im Mai 2011 wurden über 1.000 Klienten in Leipzig beraten. Davon wiesen 66 Prozent mindestens eine psychische Erkrankung auf. Von den erkrankten Klienten wurden lediglich sechs Prozent leitlinienkonform behandelt. Dagegen erhielten 94 Prozent keine beziehungsweise lediglich eine unzureichende Behandlung.

Im Jobcenter Leipzig werden die Vermittlungsfachkräfte von Mitarbeitern der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie darauf geschult, Hinweise auf psychische Erkrankungen zu erkennen. Betroffenen Kunden wird dann eine freiwillige Teilnahme am psycho­sozialen Coaching angeboten. Es findet unmittelbar in den Räumlichkeiten des Jobcenters statt. Falls eine psychiatrische Erkrankung vorliegt, wird geprüft, ob diese adäquat behandelt wird. Der Kunde erhält dann Informationen zu seiner Erkrankung und wird dabei unterstützt, in die richtige Behandlung zu kommen.

„Etwa 1.000 arbeitslose Männer und Frauen aus Leipzig haben am psychosozialen Coaching teilgenommen und 30,8 Prozent davon haben im Anschluss wieder eine Arbeit aufgenommen, eine ausgezeichnete Vermittlungsrate. Das psychosoziale Coaching ist deshalb ein ganz wichtiger Erfolgsbaustein in unserem Engagement für die über 50-jährigen arbeitslosen Personen in der Stadt Leipzig“, sagte Simone Simon, Geschäfts­führerin des Leipziger Jobcenters.

„Insbesondere der Tatsache, dass viele Menschen zuerst unter einer Depression leiden und dann in die Langzeitarbeitslosigkeit kommen, ist ein häufig vernachlässigter Sachverhalt. Die Vermittlungsquote von rund 30 Prozent ist sehr erfreulich, wenn man auch den gesundheitserhaltenden Effekt von Arbeit in Betracht zieht“, sagte die Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater, Christa Roth-Sackenheim, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.

Das Leipziger Pilotprojekt weckt auch bundesweit Interesse. Nach dem Erfolg in Leipzig startete das Programm 2015 bereits in Hildesheim, Marburg und Dortmund. „Wir haben mit dem Modellprojekt in Leipzig gesehen, dass viele psychische Erkrankungen ein gut zu beseitigendes Vermittlungshemmnis sind. Dieses Erfolgsprojekt wollen wir nun auch auf andere Städte übertragen und somit ein Netzwerk psychosoziales Coaching aufbauen“, so Hegerl. © hil/aerzteblatt.de

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