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Medizin

945 Tage: Neuer Rekord für Xenotransplantation

Freitag, 8. April 2016

dpa

Bethesda/Maryland – Die Kombination aus einer neuen Immunsuppression mit genmodifizierten Spendertieren hat die Überlebenszeit von Xenotransplantationen in einem Tiermodell so weit verlängert, dass das Verfahren für die Humanmedizin interessant würde. Die Publikation in Nature Communications (2016; doi: 10.1038/ncomms11138) lässt jedoch noch einige Fragen offen.

Eine Organtransplantation von einer Spezies auf eine andere löst eine äußerst heftige „hyperakute“ Abstoßungsreaktion aus, die für den Organempfänger innerhalb von Minuten tödlich sein kann. Alle Versuche, diese Abstoßungsreaktion durch Immun­suppressiva zu hemmen, ohne den Empfänger wehrlos gegenüber Infektionen zu machen, sind in den letzten Jahren immer wieder gescheitert. Zwei Entwicklungen könnten jetzt zu einem Wendepunkt geführt haben. Die erste bestand in einer Änderung des Erbguts der Spendertiere. Hier kommen, wegen der vergleichbaren Größe der Organe vor allem Schweine infrage.

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Als derzeit erste Wahl gelten Tiere mit der Bezeichnung „GTKO.hCD46.hTBM“, die ein Team um Eckhard Wolf von der Ludwig-Maximilians-Universität in München entwickelt hat. Diesen Tieren fehlt zum einen das Gen für das Enzym alpha-Galactosidase-Transferase (GTKO), das Auslöser einer Immunreaktion ist. Zusätzlich wurden die Tiere mit der menschlichen Version von „CD46“ versehen, das Abstoßungsreaktionen über das Complement-Systen verhindern soll. Die dritte Komponente ist das menschliche Gen für Thrombomodulin (TBM). Es soll eine pathologische Blutgerinnung hemmen.

Dies allein würde eine Abstoßungskrise nicht verhindern. Die zweite Komponente, die für ein Langzeitüberleben benötigt wird, ist ein Antikörper, der den Rezeptor CD40 auf der Oberfläche von Immunzellen hemmt und dadurch eine Attacke auf das Transplantat verhindert. Diese Immunsuppression scheint für den Empfänger mit vertretbaren Risiken verbunden zu sein. Die Paviane, die mit dem CD40-Antikörper (plus Heparin) behandelt wurden, zeigten laut dem Bericht von Muhammad Mohiuddin vom National Heart, Lung, and Blood Institute in Bethesda/Maryland keine auffällige Infektanfälligkeit.

Die Tiere, denen ein Schweineherz in die Bauchhöhle transplantiert wurde, zeigten auch nach zwei Jahren keine Anzeichen einer chronischen Abstoßungsreaktion oder eines Organversagens. Die Organe hätten auch vermutlich noch länger als 159 bis 945 Tage überlebt, wenn die Forscher sich nicht entschlossen hätten, die Immunsuppression langsam zurückzufahren. Dies geschah in der Hoffnung, dass sich mittlerweile eine gewisse Toleranz auf die Fremdorgane herausgebildet hat, was allerdings nicht der Fall war. Wie es scheint, muss die Immunsuppression auch nach einer Xenotransplantation lebenslang fortgesetzt werden.

Die Forscher wollen ihre tierexperimentellen Studien fortsetzen, um die Immun­suppression zu optimieren. An klinische Versuche ist derzeit nicht gedacht, zudem noch nicht feststeht, ob die Transplantate ihre volle Organfunktion entfalten würden. © rme/aerzteblatt.de

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