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Medizin

Lamotrigin: Studie kann erhöhtes Fehlbildungsrisiko nicht bestätigen

Montag, 11. April 2016

Belfast – Die Einnahme des Antiepileptikums Lamotrigin in der Schwanger­schaft war in einer Analyse der EUROCAT-Daten nicht mit einer erhöhten Rate von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten oder Klumpfüßen assoziiert. Die in Neurology (2016; 86: 1–10) veröffentlichte Analyse kann die Ergebnisse einer früheren US-Studie nicht bestätigen.

Das North American Antiepileptic Drug Pregnancy Registry (NAAED) war 2006 zu dem Ergebnis gekommen, dass die Einnahme von Lamotrigin im ersten Trimenon mit einer bis zu sechsfach erhöhten Rate von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten einhergeht. Zwei Jahre später wurde im EUROCAT, einem Netzwerk von mittlerweile 26 europäischen Fehlbildungsregistern, auch ein Signal auf ein erhöhtes Risiko von Klumpfüßen gefunden.

Eine Reihe weiterer Studien konnte beide Signale nicht bestätigen, weshalb ein Team um Helen Dolk von der Universität Ulster in Belfast die EUROCAT-Daten erneut ausgewertet hat. Die Analyse wurde von Glaxo Smith Kline finanziert, dem Hersteller des Originalpräparates. Lamotrigin ist inzwischen ein Generikum.

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Dolk wertete die Daten von 226.806 Kindern mit Geburtsfehlern aus. Darunter waren 147 Kinder mit nicht-chromosomalen Fehlbildungen, deren Mütter im ersten Trimenon mit Lamotrigin in einer Monotherapie behandelt worden waren. Dolk ermittelt eine Odds Ratio von 1,31 auf Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, das mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,73 bis 2,33 nicht signifikant war, aber ein 2,33-fach erhöhtes Risiko nicht völlig ausschließen kann. Die Zahlen sind dennoch niedriger als im NAAED. Dolk meint, dass im schlimmsten Fall eines von 550 Neugeborenen unter der Exposition zusätzlich eine orofaziale Fehlbildung erleiden könnte.

Auch beim Klumpfuß konnten die Ergebnisse der früheren Analyse nicht bestätigt werden. Dolk ermittelt eine adjustierte Odds Ratio von 1,43 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,66 bis 3,08. Das weite Konfidenzintervall zeigt, dass die Aussage nicht unsicher ist. Eine Analyse, die auch die Daten der letzten Untersuchung einbezog, kam zu einer Odds Ratio von 1,83, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,01 bis 3,31 signifikant ausfiel. Dolk rät in diesem Punkt weitere Studien im Auge zu behalten.

Die meisten Neurologen sind sich einig, dass ihre Patientinnen auch in der Schwangerschaft einen antiepileptischen Schutz benötigen. Lamotrigin ist nicht der erste Wirkstoff, der in Verdacht geraten ist, Fehlbildungen auszulösen. Für Valproinsäure gilt dies als erwiesen. © rme/aerzteblatt.de

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