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Medizin

Genom-Editing soll Embryonen resistent gegen HIV machen

Montag, 11. April 2016

dpa

Guangzhou – Allen Forderungen nach einem Moratorium zum Trotz hat zum zweiten Mal eine chinesische Forschergruppe das Erbgut von Embryonen mittels Genom-Editing verändert. Die im Journal of Assisted Reproduction and Genetics (2016; doi: doi:10.​1007/​s10815-016-0710-8) vorgestellten Ergebnisse zeigen erneut, dass die Technik für den klinischen Einsatz nicht ausgereift genug ist.

Im letzten Jahr hatte ein Team um Junjiu Huang von der Sun Yat-sen Universität in Guangzhou versucht, den genetischen Defekt einer Beta-Thalassämie an menschlichen Embryonen zu reparieren. Dazu hatten sie einen CRISPR/Cas9-Komplex in eine befruchtete Eizelle injiziert. Der Genom-Editor sollte das mutierte Gen aufsuchen, herausschneiden und durch eine korrekte Version ersetzen. Dies hatte nur in 4 von 54 Versuchen geklappt, wie das Team in Protein & Cell (2015; 6: 363-372) mitteilte.

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Genom-Editing: Forscher aus China manipulieren menschliche Embryonen

Guangzhou – Chinesische Forscher sind mit dem Versuch gescheitert, den Gendefekt einer Beta-Thalassämie in menschlichen Embryonen mit einem umstrittenen „Gen-Editor“ zu reparieren. Stammzellforscher bewerten die in Protein & Cell (2015; doi 10.1007/s13238-015-0153-5) veröffentlichten Ergebnisse als Beleg dafür, dass die Methode noch nicht ausgereift ist und deshalb vorerst nicht angewendet werden sollte.

Jetzt ist auch das Team um Yong Fan von der Medizinischen Universität ebenfalls in Guangzhou gescheitert. Die Forscher hatten versucht, eine Variante des Gens CCR5 in das Erbgut von 26 befruchteten Eizellen einzuschleusen, die vor einer HIV-Infektion schützt. Es handelt sich um die gleiche Variante CCR5delta32, die den Berliner Patienten nach einer Stammzelltransplantation von einer HIV-Infektion kuriert hatte, da den Viren ohne eine korrekte Version des Cofaktors CCR5 der Eintritt in die T-Zellen verwehrt ist.

Menschen, die mit dieser Variante geboren werden, sind ebenfalls resistent. Doch der Versuch CCR5delta32 mittels CRISPR-Technologie in die befruchteten Eizellen zu integrieren, misslang. Bei den meisten Embryonen hatte der Geneditor das CCR5-Gen nicht gefunden, bei anderen hatte er nur eine von mehreren Kopien ausgetauscht. Ein möglicher Grund waren Mutationen im CCR5-Gen. Sie vermitteln nicht notwendiger­weise eine Resistenz, verhindern aber offenbar, dass der Geneditor das Zielgen findet.

Die chinesischen Forscher betonen, dass nicht daran gedacht war, die Embryonen zu implantieren. Die Experimente seien an Embryonen mit einem Chromosomenfehler durchgeführt worden, die niemals implantiert worden wären.

Im Dezember 2015 hatte sich eine internationale Wissenschaftlergruppe (unter Einschluss chinesischer Forscher) darauf verständigt, vorerst keine Experimente an implantierbaren Embryonen durchzuführen. Die Grundlagenforschung könne jedoch fortgesetzt werden. Die neue Publikation ist deshalb streng genommen kein Verstoß gegen die Vereinbarung. Die meisten Forscher hatten jedoch angeregt, Experimente mit Gen-Editoren vorerst nicht an Primaten durchzuführen, solange die Technik nicht ausgereift ist. © rme/aerzteblatt.de

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