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Medizin

Neue Schlaganfall-Leit­linie empfiehlt interventionelle Thrombektomie

Dienstag, 12. April 2016

Berlin – Das mechanische Entfernen von Blutgerinnseln im Gehirn mit einem Katheter – die Thrombektomie – sollte möglichst vielen Patienten mit einem Schlaganfall zugutekommen. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) haben deshalb die Leitlinie zur Behandlung des akuten Schlaganfalls aktualisiert. Sie empfiehlt jetzt in bestimmten Fällen eine Kombination aus bewährter Thrombolyse mit einem Medikament und der mechanischen Methode mittels Katheter.

Rund 80 Prozent aller Schlaganfälle werden in Deutschland durch ein Blutgerinnsel verursacht, das ein Blutgefäß verschließt. In solchen Fällen bestand bisher die beste Behandlung darin, die Patienten möglichst rasch mit einer Infusion des Medikaments Alteplase (rt-PA) zu behandeln. Der Wirkstoff kann das Blutgerinnsel in den Hirnarterien auflösen. Diese Lysetherapie ist in allen deutschen Stroke Units seit Mitte der 1990er-Jahre Standard. Allerdings können mit dieser Therapie nur etwa 50 bis 60 Prozent der großen Blutgerinnsel beseitigt werden.

Die Thrombektomie hat sich kürzlich in fünf Studien als wirksam erwiesen. Spezialisierte Neuroradiologen schieben dabei von der Leiste aus einen Katheter bis an die Stelle des Gehirns, wo das Blutgerinnsel eine Arterie blockiert hat. Der Katheter durchbohrt den Thrombus und umschließt das Gerinnsel mit einem Stent wie ein Drahtkäfig. Anschließend kann es über einen Hohlkatheter abgesaugt werden. „Diese Behandlungsmethode wurde in den letzten Jahren so weit verfeinert, dass fast 90 Prozent der Gefäße wieder eröffnet werden können“, erläutert der Pressesprecher der DGN, Hans-Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie am Uniklinikum Essen.

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„Die Leitlinie gibt umfassende Anleitungen zu allen Aspekten der neuen Therapie“, erläutert Peter Ringleb, Mitglied im Vorstand der DSG und Erstautor der neuen Leitlinie. Im Regelfall sollen künftig beide Therapien miteinander kombiniert werden. Da eine Katheterbehandlung derzeit nur an bestimmten Kliniken möglich ist, wird der akute Schlaganfallpatient zuerst in die nächste Stroke Unit gebracht, um ohne Zeitverzug mit der Lysetherapie zu beginnen. Dort entscheiden die Ärzte umgehend, ob eine mechanische Thrombektomie in Frage kommt und der Patient mit dem Rettungswagen in eine Klinik transportiert werden soll, in der die Katheterbehandlung möglich ist.

„Dass diese Vorgehensweise gut funktioniert, wurde jüngst von dem neurovaskulären Rhein-Ruhr Netzwerk belegt“, berichtet der Präsident der DGNR, Christoph Groden. Der Leiter der Abteilung für Neuroradiologie des Universitätsklinikums Mannheim fordert daher, die neurovaskulären Netzwerke flächendeckend auszubauen. © hil/aerzteblatt.de

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