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Medizin

Verlust der Impulskontrolle bei Parkinson richtig behandeln

Mittwoch, 13. April 2016

Chicago – Parkinsonkranke, die im Rahmen ihrer Grunderkrankung mit Dopamin­agonisten und L-Dopa behandelt werden, leiden häufig unter einem Verlust der Impulskontrolle. Ein Forscherteam um Adolfo Ramirez-Zamoraa an der Loyola University Chicago Stritch School of Medicine berichtet in Expert Review of Neurotherapeutics über mögliche Behandlungsansätze, um die Störung zu therapieren (doi:10.1586/14737175.2016.1158103).

Wer an Parkinson leidet, benötigt häufig eine Behandlung mit L-Dopa oder Dopamin­agonisten. Im Verlaufe der Behandlung kann es jedoch zu schwerwiegenden Wesensveränderungen der Patienten kommen. Betroffene leiden unter einem Verlust der Impulskontrolle, hypersexuellem Verhalten, verspielen ihr Geld oder leiden unter Essattacken. All diesen Verhaltensweisen ist laut der Arbeitsgruppe gemein, dass sie vom dopamingesteuerten Belohnungszentrum im Nucleus Accumbens kontrolliert werden.

Nach dem gegenwärtigen Stand der Forschung seien die dopaminergen Medikamente und nicht die Grunderkrankung für den Verlust der Impulskontrolle verantwortlich, so die Forscher. Der Leidensdruck für das Umfeld und die wirtschaftlichen Gefahren für die Patienten seien groß, die Krankheitseinsicht dagegen häufig gering. Die Forscher schätzen, dass rund 14 Prozent aller Parkinsonkranken einmal an der Störung leidet. Momentan existierten nur wenige Behandlungsempfehlungen für die komplexe Störung.

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Der Autoren fassen in ihrem Artikel grundsätzliche Behandlungsmöglichkeiten zusammen. Das Risiko für Impulsstörungen ist besonders für Patienten erhöht, die mit Dopaminagonisten behandelt werden. Eine Reduktion der Dosis kann hier in vielen Fällen die Symptome verringern, jedoch kommt es dann häufig zu intolerablen Bewegungsstörungen durch die Grunderkrankung. 

Falls durch die Reduktion parkinsonspezfischer Medikamente keine Besserung zu erzielen ist, könnte für einige Patienten auch eine kognitive Verhaltenstherapie infrage kommen, berichten die Forscher. Sie ermöglicht nicht nur einen Umgang mit den Impulsstörungen, sondern ist auch zur Therapie etwaiger psychischer Grunder­krankungen geeignet, die die Kontrollstörungen begünstigen. 

Über die pharmakologische Intervention mit Naltrexon, Antiepileptika und Antipsychotika bestehen nach den Forscher laut einzelner Studien positive Wirknachweise. Insgesamt ist die Evidenzlage jedoch gering. Momentan gäbe es daher keine eindeutigen Empfehlungen zur pharmakologischen Intervention.

Für einzelne Patienten kann auch die Implantation eines tiefen Hirnstimulators in Frage kommen. Durch den Stimulator kann die Dosis vieler Standardtherapeutika reduziert werden. Diese Dosisreduktion ist vermutlich für die Symptombesserung verantwortlich. Die Forscher betonen jedoch, dass nach gegenwärtiger Studienlage die Implantation kein Garant für eine Besserung der Impulskontrolle ist. Bei einigen Patienten kann gerade die Implantation des Schrittmachers eine Störung der Impulskontrolle triggern.

Die Therapie von Impulskontrollstörungen sollte laut der Forscher höchst individualisiert erfolgen. Der Dosisreduktion von Dopaminagonisten und L-Dopa komme jedoch in allen Behandlungsansätzen eine wichtige Bedeutung zu. © hil/aerzteblatt.de

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