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Demenzpatienten im Heim besonders frakturgefährdet

Donnerstag, 14. April 2016

dpa

Frankfurt – Demenzpatienten, die in einem Pflegeheim leben, haben ein höheres Risiko für eine Hüftfraktur als Demenzkranke im häuslichen Umfeld. Das berichtet eine Arbeitsgruppe des Statistikdienstleisters IMS Health nach der Auswertung von Diagnoseinformationen aus hausärztlichen Praxen.

In Deutschland leiden im Augenblick ungefähr 1,2 Millionen Menschen unter einer Demenz. Jedes Jahr werden etwa 200.000 Personen neu diagnostiziert. Aufgrund des demografischen Faktors ist davon auszugehen, dass sich die Zahl demenzieller Patienten weiterhin erhöhen wird. Da verschiedene internationale Studien eine erhöhte Koinzidenz von Demenz und Frakturen belegen, ist laut der Arbeitsgruppe davon auszugehen, dass auch die Zahl der Frakturen steigt. Diese sind im höheren Alter oftmals kompliziert und die Betroffenen erholen sich nur schwerlich oder gar nicht mehr davon.

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In die Auswertungen flossen die Therapieverläufe von mehr als 53.000 Patienten zwischen 65 und 90 Jahren aus 1.072 hausärztlichen Praxen ein, die erstmals eine Demenzdiagnose in einem definierten Dreijahreszeitraum erhalten hatten. Die Untersuchung wurde im Vergleich mit einer nach relevanten Merkmalen selektierten und gleich großen Kontrollgruppe durchgeführt. Im Mittel waren die einbezogenen Patienten 81 Jahre alt und überwiegend weiblich (61 Prozent).

In der dreijährigen Beobachtungsphase nach der Erstdiagnosestellung traten bei der Studiengruppe der Demenzpatienten signifikant mehr Knochenbrüche auf als in der Kontrollgruppe – über fünf Prozent gegenüber knapp einem Prozent. Bewohner von Heimen waren mehr als doppelt so häufig betroffen (9,2 Prozent) wie Menschen im privaten häuslichen Umfeld. Dieser Effekt verstärkt sich noch bei einer bestehenden Osteoporose.

Bei der Untersuchung verschiedener Einflussfaktoren erwies sich eine Demenz als größter Risikofaktor für Hüftknochenbrüche. Antidementive Arzneien hatten keinen signifikanten Einfluss auf das Risiko einer Hüftknochenfraktur, ebenfalls nicht Antidepressiva. Antipsychotika erhöhten das Sturzrisiko kurzfristig und minderten es über eine längere Einnahmezeit. „Die Ergebnisse bestätigen für den deutschen Versorgungs­alltag Erkenntnisse aus internationalen Studien zum Zusammenhang zwischen Stürzen und Hüftknochenbrüchen bei älteren Patienten mit einer Demenz“, sagte Karel Kostev, Forschungsleiter bei IMS Health.

Vor allem bei der Alzheimer-Krankheit als der am stärksten verbreiteten Hauptform erhöhe sich das Sturzrisiko um ein Mehrfaches im Vergleich zu nicht-demenziellen Patienten. Das in der Studie festgestellte höhere Sturzrisiko bei in Heimen lebenden Demenzpatienten könnte damit zu erklären sein, dass diese Patienten sich in einem schwereren Krankheitsstadium befänden als solche, die im privaten häuslichen Umfeld lebten, vermuten die Wissenschaftler. © hil/aerzteblatt.de

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