NewsPolitikKrankenhaus­finanzierung weiter in der Diskussion
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Krankenhaus­finanzierung weiter in der Diskussion

Donnerstag, 14. April 2016

Berlin – Ausbleibende Investitionen der zuständigen Bundesländer in die Krankenhäuser sowie fehlendes Pflegepersonal sind nach Auffassung vieler Gesundheitsökonomen das Hauptproblem der Kliniken. Das wurde auf einer Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestages gestern in Berlin deutlich. Umstritten sind auch die 2003 eingeführten Fallpauschalen (Diagnosis Related Groups, DRGs), mit denen stationäre Kranken­hausbehandlungen abgerechnet werden.

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) lehnt eine Abkehr von den Fallpauschalen aber ab. Ein Verbandssprecher sagte in der Anhörung, wenn es Probleme mit Dieselmotoren gebe, komme auch keiner auf die Idee, wieder auf Pferdefuhrwerke zu setzen. Das DRG-System weise in Hinsicht auf Transparenz und Wirtschaftlichkeit eine „hervorragende Bilanz“ aus.

Widerspruch kam vom Sachverständigen Michael Simon von der Hochschule Hannover, der das DRG-System infrage stellt, weil es vielfach nicht kostendeckend sei und letztlich die Verwirklichung der krankenhausplanerischen Ziele gefährde.

Anzeige

Nach Auffassung der Gewerkschaft Verdi bietet das jetzige DRG-System einen „Anreiz zum Personalabbau vor allem in den pflegerischen, therapeutischen und hauswirtschaftlichen Berufen“. So fehlten in den Krankenhäusern bundesweit 162.000 Stellen, davon allein 70.000 in der Pflege. Besonders ausgeprägt sei die Personalnot im Nachtdienst, was sich negativ auf die Versorgungssicherheit und Qualität auswirke. Durch den Arbeitsdruck werde auch die Hygiene vernachlässigt.

Personalmangel beklagte auch der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK). Der Verband fordert daher Vorgaben für die Personalbemessung im Pflegedienst. Auch der GKV-Spitzenverband räumt ein, dass in einigen Klinikbereichen die „Personalausstattung qualitätskritisch“ ist.

Vor pauschalen Personalvorgaben warnt indes der Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD). Die Häuser seien dafür fachlich, organisatorisch, in den Arbeitsabläufen, in den baulichen Grundlagen und auch hinsichtlich der Patienten zu unterschiedlich. Der Verband plädiert für alternative Finanzierungsmodelle zur Überwindung des Investitionsstaus und eine Weiterentwicklung des DRG-Systems, um eine angemessene Personalausstattung in den Häusern, auch in der Pflege, sicherzustellen und die strukturellen Unterschiede der Kliniken besser zu berücksichtigen.

Der Interessenverband kommunaler Krankenhäuser macht den zunehmenden kommerziellen Wettbewerb verantwortlich für die „Misere des Krankenhauswesens“. Ein Krankenhaus sei zwar ein Unternehmen, jedoch kein kommerzielles, sondern ein soziales. Daher müsse das eigennützige, kommerzielle Interesse am Betrieb eines Krankenhauses ausgeschlossen werden.

Anlass für die Anhörung war ein Antrag der Fraktion „Die Linke“. Sie fordert, die Unterscheidung zwischen ambulant, stationär und pflegerisch zugunsten einer sektorenübergreifenden Bedarfsplanung zu überwinden, das DRG-System abzuschaffen und eine verbindliche Personalbemessung schnellstmöglich einzuführen.

Auch in der Ärzteschaft gibt es Kritik an den Fallpauschalen. Zuletzt hatte die Ärztekammer Berlin die grundsätzliche Eignung der Fallpauschalen für die Krankenhausvergütung infrage gestellt. „Wären Fallpauschalen ein Medikament, müssten sie sofort vom Markt genommen werden. Alle Nebenwirkungen sind eingetreten, fast alle Wirkungen ausgeblieben“, sagte der Kammerpräsident Günther Jonitz. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

27. März 2020
Berlin – Der Bundesrat hat heute in Berlin das COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz gebilligt. Mit dem Gesetz werden unter anderem die finanziellen Ausfälle refinanziert, die die Krankenhäuser durch
Bundesrat billigt Krankenhausentlastungsgesetz
27. März 2020
Düsseldorf − Angesichts der Coronakrise fordert die SPD-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen (NRW) den Aufschub der geplanten Krankenhausreform in dem Bundesland. Dreh- und Angelpunkt bei dem
SPD in Nordrhein-Westfalen für Aufschub der Krankenhausreform
23. März 2020
Berlin – Der von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angekündigte Schutzschirm für die Krankenhäuser in der Coronakrise nimmt Gestalt an: Heute hat das Bundeskabinett in Berlin einen Gesetzentwurf
Bundeskabinett verabschiedet Hilfsmaßnahmen für Krankenhäuser
21. März 2020
Berlin - Um die finanziellen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie bei allen medizinischen Einrichtungen abzufedern, hat das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) erste Formulierungshilfen für einen
Milliardenunterstützung für deutsche Krankenhäuser
20. März 2020
Berlin – Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum, hat angesichts der Coronakrise eine Neubewertung der Krankenhauslandschaft in Deutschland gefordert. „Ich
Coronakrise: Lehren für die Zukunft der Krankenhäuser
20. März 2020
Berlin – Auch im Jahr 2020 fehlen den deutschen Krankenhäusern mindestens drei Milliarden Euro für Investitionen, die sie von den Bundesländern erhalten müssten. Darauf weisen die Deutsche
Krankenhäuser erhalten weiterhin nur die Hälfte der nötigen Investitionsmittel
19. März 2020
Berlin – Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum, hat im Rahmen der Diskussion über einen finanziellen Schutzschirm für die deutschen Krankenhäuser in der
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER