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Politik

Sicherheitsrelevante Forschung: DFG und Leopoldina setzen auf Verantwortungs­bewusstsein der Wissenschaftler

Freitag, 15. April 2016

Berlin – Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) möchten einen Diskurs in der Wissenschaft zur Dual-Use-Problematik in der Forschung fördern. Rechtliche Regelungen halten sie jedoch nur für begrenzt geeignet, um sicherheitsrelevante oder sogenannte Dual-Use-Forschung, wie beispielsweise an hochpathogenen Erregern, zu erkennen, die Risiken des Missbrauchs der Forschungsergebnisse zu minimieren oder die Forschungsprojekte gegebenenfalls auch zu stoppen. Stattdessen wollen sie auf das Verantwortungs­bewusstsein der Wissenschaftler setzen und dieses fördern, ­  so das Fazit des gestrigen Symposiums der Wissenschaftsorganisationen in Berlin.

„In nahezu allen Wissenschaftsgebieten können Forschungsergebnisse, die große Chancen eröffnen, auch missbraucht werden“, erklärte die Vizepräsidentin der Leopol­dina, Bärbel Friedrich. Dabei verwies sie auf die gemeinsamen Empfehlungen von Leopoldina und DFG „Wissenschaftsfreiheit und Wissenschaftsverantwortung“ aus dem Jahr 2014, in denen die Forschungsorganisationen bereits betonen, dass die Wissenschaft ethische Prinzipien sowie Mechanismen zum verantwortungsvollen Umgang mit Forschungsfreiheit und Forschungsrisiken auch selbst entwickeln muss.

In kritischen Fällen obliege jedem Einzelnen die Entscheidung über das Verantwortbare, aber auch die Forschungsinstitutionen müssten die Rahmenbedingungen für ethisch verantwort­bare Forschung schaffen. Dazu gehöre die Sensibilisierung für mögliche Risiken und die Vermittlung der notwendigen Kenntnisse über die rechtlichen Grenzen der Forschung.

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Mustersatzung für Kommissionen vorgestellt
Die Teilnehmer diskutierten insbesondere die Einrichtung von „Kommissionen für Ethik sicherheitsrelevanter Forschung“ (KEF) an Universitäten und Forschungsinstituten, die der von den beiden Organisationen 2015 eingerichtete „Gemeinsame Ausschuss zum Umgang mit sicherheitsrelevanter Forschung“ empfiehlt. Idealerweise sollen bis 2017 an allen deutschen Forschungseinrichtungen solche Kommissionen etabliert werden, sagte DFG-Vizepräsident Frank Allgöwer. Um dies zu erleichtern, stellte der Gemeinsame Ausschuss stellte jetzt in Berlin eine Mustersatzung vor.

Diese sei als Hilfestellung gedacht und weise regelungsbedürftige Sachverhalte auf, habe jedoch keine Verbindlichkeit, betonte Ausschuss-Mitglied Alfons Bora, Jurist und Soziologe an der Universität Bielefeld. Die Details müssten den jeweiligen Gegeben­heiten vor Ort angepasst werden. „Möglicherweise muss man aber gar nicht das Rad neu erfinden“, betonte der Jurist Jochen Taupitz von der Universität Mannheim. Nach seiner Ansicht sei zu prüfen, ob die Kommissionen für Ethik sicherheitsrelevanter Forschung (KEF) nicht in vielen Fällen mit den klassischen medizinischen Ethikkommissionen verbunden werden könnten.

Ausgangspunkt der Debatte über die Dual-Use-Problematik in der Forschung waren 2012 die Experimente zur Aufklärung der Übertragbarkeit hochpathogener Grippeviren (H5N1) auf den Menschen. DFG und Leopoldina setzten 2013 eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe ein, die  aufbauend auf den 2010 von  der Max-Planck-Gesellschaft verabschiedeten „Hinweisen und Regeln zum Umgang mit Forschungsfreiheit und Forschungsrisiken Leitlinien zum Umgang mit sicherheitsrelevanter Forschung in der Wissenschaft erarbeitete. Der Deutsche Ethikrat veröffentlichte zudem im Auftrag der Bundesregierung die Stellungnahme „Biosicherheit – Freiheit und Verantwortung in der Wissenschaft“. © ER/aerzteblatt.de

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