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Ärzteschaft

Hausärzte reklamieren Patientensteuerung für sich

Samstag, 16. April 2016

Ulrich Weigeldt /axentis.de

Freiburg – Hausärztinnen und Hausärzte sollten als erste Ansprechpartner der Patienten deren medizinische Versorgung koordinieren. Das hat der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands gestern in Freiburg bekräftigt, wo sich dessen Mitglieder zu ihrer Frühjahrstagung trafen. „Wir Hausärzte lösen in weit über 80 Prozent der Fälle die Patientenprobleme in unseren Praxen“, sagte Ulrich Weigeldt. Dabei werde häufig nicht nur ein Patientenproblem behandelt, sondern mehrere gleichzeitig.

Das Konzept der Patientensteuerung, über das die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zurzeit diskutiert, lehnte der Hausärzte-Chef dagegen rundweg ab. Denn es sieht vor, dass auch grundversorgende Fachärzte die Behandlung von Patienten koordinieren können. Ein solches System ist nach Ansicht von Weigeldt weder aus Qualitäts- noch aus Kostenaspekten sinnvoll. Denn bei mehreren medizinischen Problemen müsse ein Gebietsarzt weitere Fachärzte hinzuziehen.

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„Die Sicherstellung einer guten Patientenversorgung wird damit nicht erreicht werden. Mehr Geld für den fachärztlichen Versorgungsbereich würde es gleichwohl bringen – zulasten des hausärztlichen Honoraranteils“, sagte er. Weigeldt forderte stattdessen eine auf den gesamten Patienten bezogene hausärztliche Primärversorgung.

Hausarztzentrierte Versorgung als Gegenmodell zum KV-System
Der Hausärzte-Chef kritisierte zudem, dass die hausärztlichen Interessen in der KBV nicht angemessen vertreten würden. Sämtliche Maßnahmen, um den Hausarztpraxen das Notwendigste zukommen zu lassen, habe der Gesetzgeber anweisen müssen. Das reiche von der hausärztlichen Grundvergütung und der Trennung der haus- und fachärztlichen Honorare bis hin zur paritätischen Stimmverteilung in der KBV-Vertreterversammlung, gegen die die KBV zurzeit gerichtlich vorgeht.

Diese Ungleichbehandlung, die sich auch in großen Unterschieden beim Honorarumsatz niederschlage, machte Weigeldt mitverantwortlich für den drohenden Mangel an hausärztlichem Nachwuchs. Das zunehmende Unvermögen des KV-Systems, die hausärztliche Versorgung sicherzustellen, sei inzwischen unübersehbar. Damit entziehe sich das System teilwiese selbst seine Existenzberechtigung.

Als Gegenmodell  verwies Weigeldt auf die Hausarztzentrierte Versorgung, die Patientenversorgung außerhalb des KV-Systems organisiert. Rund vier Millionen Versicherte hätten sich bereits freiwillig verpflichtet, bei Gesundheitsproblemen immer zuerst ihren Hausarzt aufzusuchen. Den Ärzten sicherten die Verträge zwischen den Hausarztverbänden und den Krankenkassen eine faire Bezahlung ohne Abstaffelungen und Punktwertschwankungen. Das System gelte inzwischen auch den Facharzt­verbänden als vorbildlich.

GOÄ-Verhandlungen: „komplett chaotisch“
Hart ins Gericht ging Weigeldt auch mit der Bundesärztekammer (BÄK). Deren Verhandlungen mit der Privaten Krankenversicherung (PKV) über eine Novellierung der ärztlichen Gebührenordnung bezeichnete er als „komplett chaotisch“ und intransparent. Auch seien hausärztliche Belange nur ungenügend berücksichtigt worden. Zwar hätten sich BÄK und PKV offenbar auf eine bessere Bewertung der Gesprächsziffer geeinigt. Das bilde die hausärztliche Tätigkeit jedoch nur ungenügend ab.

Notwendig sei vielmehr die Aufnahme hausärztlicher Komplexe in die GOÄ, die die Betreuung chronisch erkrankter und multimorbider Patienten sowie den Einsatz der besonders qualifizierten Medizinischen Fachangestellten (Verah) berücksichtigten. Weigeldt rechnet damit, dass die vorerst gestoppte GOÄ-Novellierung auch den Deutschen Ärztetag im Mai in Hamburg beschäftigen wird.

Eigene Honorarverträge des Hausärzteverbands mit der PKV brachte dessen Geschäfts­führer Eberhard Mehl ins Spiel. Aus dem PKV-Verband verlaute, dass es so schnell keine Neuauflage der GOÄ-Novelle geben werde, erklärte Mehl. „Dann müssen wir unseren eigenen Weg gehen.“ © HK/aerzteblatt.de

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