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Medizin

Polio: Weltweiter Wechsel des oralen Impfstoffs

Montag, 18. April 2016

dpa

Genf – Insgesamt 155 Länder weltweit werden in diesen Tagen einen neuen oralen Impfstoff gegen die Poliomyelitis einführen. Der Wechsel vom bisherigen trivalenten auf einen bivalenten Impfstoff soll das Auftreten von Polioerkrankungen durch mutierte Impfstoffviren eindämmen.

Die Polioimpfung wird in den meisten Ländern mit einem abgeschwächten Lebend­impfstoff durchgeführt. Er ist wesentlich kostengünstiger als der Impfstoff aus inaktivierten Viren, der in reicheren Ländern (darunter Deutschland) verwendet wird, und kann oral verabreicht werden, was in ärmeren Ländern ein Vorteil ist.

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Bislang wurde ein trivalenter Impfstoff verwendet. Er enthält alle drei Serotypen des Erregers. Die Polioerkrankungen der letzten Jahre wurden jedoch ausschließlich durch den Serotyp 1 verursacht. Der Serotyp 2 wurde 1999 eradiziert, der Typ 3 wurde zuletzt 2012 gesehen.

Die beiden Serotypen 2 und 3 wurden als Vorsichtsmaßnahme im Impfstoff belassen. Der Serotyp 2 wird jetzt herausgenommen, weil er in den letzten Jahren immer wieder zum Ausgangspunkt von kleinen Ausbrüchen durch Impfstoffviren wurde. Erkrankungen mit cVDPV (circulating vaccine-derived polioviruses) sind eine Nebenwirkung der Schluckimpfung. Sie werden durch Mutationen verursacht, die den Impfstoffviren die Pathogenität der Wildtypviren verleihen.

In den letzten zehn Jahren wurden mehr als 90 Prozent der cVDPV-Polioerkrankungen durch mutierte Viren des Serotyps 2 verursacht. Der jetzige Wechsel des Impfstoffs soll dies in Zukunft verhindern. Damit der Wandel gelingt, müssen alle Länder – dies sind weltweit 155 Staaten – möglichst gleichzeitig die alten gegen die neuen Impfstoffe austauschen. Dies soll innerhalb der kommenden zwei Wochen geschehen. Die Restbestände des alten Impfstoffs sollen danach vernichtet werden. Um im Fall eines erneuten Auftretens des Serotyps 2 – oder einer cVDPV durch den Serotyp 2 – sofort reagieren zu können, wurde ein monovalenter Impfstoff gegen den Serotyp 2 eingelagert.

Die Polio Eradication Initiative hat in den letzten Monaten Fortschritte gemacht. In diesem Jahr sind bisher nur zehn Erkrankungen aus Afghanistan und Pakistan gemeldet worden (gegenüber 22 im gleichen Zeitraum des Vorjahres, im ganzen Jahr waren es 74 Erkrankungen). Im letzten Jahr sind in Guinea, Laos, Madagaskar, Myanmar, Nigeria und der Ukraine insgesamt 35 Kinder an einer Polio durch cVDPV erkrankt. Die letzten drei cVDPV-Erkrankungen wurden im Januar dieses Jahres aus Laos gemeldet. Sie wurden durch Viren verursacht, die aus dem Serotyp 1 entstanden waren. © rme/aerzteblatt.de

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