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KBV und KZBV setzen sich für barrierefreie Arztpraxen ein

Dienstag, 19. April 2016

dpa

Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) setzen sich gemeinsam für barrierefreie Arztpraxen in der ambulanten Versorgung ein. „Deshalb begrüßen wir ausdrücklich, dass die Bundesre­gierung mit dem Nationalen Aktionsplan 2.0 die niedergelassenen Ärzte und Zahnärzte dabei unterstützen will, ihre Praxen möglichst barrierearm zu gestalten“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der KBV, Andreas Gassen, heute vor Journalisten in Berlin.

2011 hat die Bundesregierung auf Initiative der Vereinten Nationen einen „Nationalen Aktionsplan“ aufgestellt, mit der die gesellschaftliche Teilhabe behinderter Menschen in Deutschland verbessert werden sollte. Auch für niedergelassene Ärzte und Psycho­therapeuten waren darin konkrete Maßnahmen benannt. In dem Arbeitsentwurf des „Nationalen Aktionsplans 2.0“ sind die freiberuflichen Ärzte erneut angesprochen.

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Bundesregierung will Ärzte beim Umbau ihrer Praxen unterstützen
„Die Bundesregierung plant, als ressortübergreifende Maßnahme eine mit Bundesmitteln gestützte Initiative zum Thema ‚Barrierefreiheit in Unternehmen‘ aufzulegen, die insbesondere freiberuflichen Ärztinnen und Ärzten zu Gute kommen soll, die ihre Praxen barrierefrei umbauen wollen (insbesondere für einen barrierefreien Zugang zur Praxis und zu einzelnen Praxisräumen und der Praxisausstattung)“, heißt es in dem Entwurf. „Es soll geprüft werden, ob im Rahmen vorhandener Kreditprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) das Fördermerkmal ‚Barrierefreiheit‘ stärker herausgestellt und mit einer speziellen Vertriebskampagne für barrierefreie Arztpraxen adressiert werden kann.“

„Bislang sind etwa 80.000 Arzt- und Zahnarztpraxen, die eine oder mehr Komponenten der Barrierefreiheit bieten, in der Arzt-Auskunft des Projekts ‚Barrierefreie Praxis‘ der Stiftung Gesundheit Fördergemeinschaft entsprechend gekennzeichnet und für Patienten recherchierbar“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der KZBV, Wolfgang Eßer. „Von den derzeit rund 40.000 Zahnarztpraxen sind bis dato etwa 15 Prozent für Rollstuhlfahrer geeignet.“

„Mit Kreditmitteln wäre uns nicht geholfen“
„Für möglichst alle Menschen einen gleichberechtigten, flächendeckenden und wohnortnahen Zugang zur gesundheitlichen Versorgung zu gewährleisten, betrachten wir als standespolitische Verpflichtung“, so Eßer weiter. „Angesichts erheblicher Kosten – insbesondere beim barrierearmen Aus- und Umbau so genannter Bestandspraxen – bedarf es allerdings konkreter finanzieller Unterstützung, damit Zahnärzte und Ärzte dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe gerecht werden können.“ Dass dieses gemeinsame Anliegen von KBV und KZBV nun im Arbeitsentwurf des Nationalen Aktionsplans aufgegriffen worden sei, sei ein wichtiges Signal für die Kollegen vor Ort. „Wir gehen allerdings davon aus, dass es Fördermittel sind und keine Kreditmittel“, betonte Eßer. „Denn mit Kreditmitteln wäre uns nicht geholfen.“

KBV und KZBV haben ein Gutachten bei dem Architektur- und Ingenieurbüro Opper in Auftrag gegeben, dessen Ergebnisse heute vorgestellt wurden. „Das Gutachten zeigt an drei realen Praxen beispielhaft, welche Kosten ein barrierearmer Umbau verursachen würde“, erklärte Gassen. „In dem Gutachten sind die notwendigen Investitionen konkret benannt, die je nach Lage, Stockwerk, Alter und technischer Ausstattung anfallen würden. Sie liegen häufig im unteren sechsstelligen Bereich.“ Das seien Summen, die durch die ärztliche und zahnärztliche Vergütung in keiner Weise gedeckt seien. Sie seien von den Praxen alleine nicht zu stemmen.

Zulassungsausschüsse achten auf Barrierefreiheit neuer Praxen
Der Vorstand der KBV, Regina Feldmann, wies darauf hin, dass die Zulassungs­ausschüsse heute bereits darauf achteten, dass eine neue Praxis barrierefrei sei. Sie betonte zudem, dass sich KBV und KZBV schon seit Jahren mit zahlreichen Projekten und Initiativen dafür einsetzten, dass insbesondere ältere Menschen, Pflegebedürftige und Patienten mit einem Handicap die Praxis ihres Arztes oder Zahnarztes so leicht wie möglich aufsuchen könnten. „So haben wir zum Beispiel im vergangenen Jahr das Qualitätszirkel-Modul ‚Barrieren identifizieren – auf dem Weg zur barrierearmen Praxis‘ ins Leben gerufen“, erläuterte sie.

Zudem habe die KBV im Jahr 2012 in der Reihe „Praxiswissen“ unter dem Namen „Barrieren abbauen – Ideen und Vorschläge für Ihre Praxis“ auch eine Broschüre herausgegeben, in der konkrete Maßnahmen beschrieben werden, die Ärzte ergreifen können, um ihre Räumlichkeiten barrierearm zu gestalten. „Es sind häufig schon kleine Maßnahmen, die eine große Wirkung erzielen“, sagte Feldmann. „Das kann bei der Beschriftung von Türen anfangen, geht weiter über eine ausreichende Beleuchtung bis hin zu Stolperfallen auf dem Boden, die vermieden werden können. Wir freuen uns, dass diese Broschüre von den Vertragsärzten rege nachgefragt wird. Das beweist, wie sehr das Thema auch in der Versorgung vor Ort angekommen ist.“  © fos/aerzteblatt.de

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