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Ärzteschaft

Medikationsplan: Verhandlungen kommen voran

Mittwoch, 20. April 2016

Köln - Der ab 1. Oktober 2016 gültige Anspruch von GKV-Versicherten auf einen Medikationsplan (§ 31 a SGB V) soll mehr Arznei­mittel­therapie­sicherheit schaffen. Darüber hinaus soll er helfen, Einnahmefehler zu vermeiden und Ärzten die Informationsbasis für die Therapieentscheidung zu verbreitern. Wie die KBV-Vorstand Regina Feldmann heute in Berlin erklärte, steht der laut E-Health-Gesetz zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV), Bundes­ärzte­kammer und Deutschem Apothekerverband bis 30. April zu vereinbarende bundeseinheitliche Medikationsplan für alle GKV-Versicherten, die mindestens drei Medikamente verordnet bekommen, jetzt vor dem Abschluss.

Parallel kämen die Verhandlungen zwischen KBV und GKV-Spitzenverband über den bis zum 30. Juni abzuschließenden Bundesmanteltarifvertrag sowie der Vergütungen im EBM für die entsprechenden ärztlichen Leistungen voran. Über den Anspruch auf den Medikationsplan, der alle Arzneimittel, die dem Versicherten verordnet oder ohne Verschreibung angewendet werden, aber auch relevante Medizinprodukte dokumentieren und Hinweise zu deren Anwendung liefern soll, muss der Arzt den Patienten künftig informieren.

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Feldmann verbindet mit der Erstellung der Medikationspläne die Hoffnung, dass künftig die Koordinierung zwischen Ärzten, aber auch zwischen Ärzten und Apothekern verbessert und zusätzliche Sicherheit für die Patienten geschaffen wird. © mn/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 20. April 2016, 23:51

Das kann doch nicht wahr sein!

Bis heute habe ich seit meiner Praxisgründung 1992 Medikamentenpläne in Gebrauch, elektronisch gespeichert und ausgedruckt seit 1995 bis zum heutigen Praxistag.

Kein persönlich an den Patienten gerichtetes Rezept ( Rp. ist die lateinische Abkürzung für recipe =„nimm“) verlässt meine Praxis ohne die Signatur der Medikamenten-Einnahmevorschrift. Das ist der letzte Teil der Rezeptformulierung, die mit lat. signa („bezeichne“) aus M.D.S. (lat. misce, da, signa "mische, gib und bezeichne“, bzw. nur mit S. abgekürzt wird. Er nennt die Anzahl und Dauer der Anwendung des Arzneimittels und gegebenenfalls Anwendungshinweise.

Und immer noch wird den Patienten/-innen das GKV-Rezept der Vertragsärzte nach Muster 16 mit essenziellen Informationen für ihre Behandlung in den Apotheken, selbst im Zeitalter von online-Übertragung an EDV-Apotheken-Rechenzentren, einfach weggenommen. D a s, und nichts anderes, ist die eigentliche Ursache für die Notwendigkeit von Medikamentenplänen! Der Patient verlässt nach mehreren Arztbesuchen die Apotheke mit mehreren Pillenschachteln und rätselt zu Hause, wer aus verschiedene Fachrichtungen im das alles wohl verschrieben hat?

Was, um alles in der Welt, hat dann die in dieser Frage offenkundig ahistorisch debattierenden, dilettierenden und hinterwäldlerisch agierenden Funktionäre der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), der Bundesärztekammer (BÄK) und des Deutschen Apothekerverbands nur dazu getrieben, über eine scheinbare Neu-Einführung und Pseudo-Innovation eines Medikationsplans zu schwadronieren?

Warum zeigen sie kein Rückgrat und sind aufgestanden, um Politik, Medien und Öffentlichkeit wachzurütteln, dass seit alters her das ärztliche Rezept und die zusätzliche schriftlich zusammenfassende Medikationsplanung zum Kerngeschäft strukturierter hausärztlicher Versorgung gehören? Und dass Rezepte nach Muster 16 einfach wieder in die Hände der Patienten z u r ü c k und n i c h t allein in die Fänge der Abrechnungs-Bürokratie gelangen müssen?

Stattdessen katzbuckeln unsere Funktionärseliten in aller Öffentlichkeit ebenso versorgung- wie medizin-bildungsfern bzw. werfen sich in den Staub. Ganz so, als wären nur und ausschließlich wir Vertrags-Ärztinnen und -Ärzte mal wieder selbst an Allem schuld, weil unsere Patienten sich nicht mehr erinnern können oder wollen, von welchem Arzt sie wie und wann welche Medikamente einnehmen sollten: Die Apotheke hat es zwar (hoffentlich!) wenigstens auf der Umverpackung vermerkt, aber diese landete ja schon vor Wochen im Altpapier-Container…

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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