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Ärzteschaft

Streit um teilstationäre Dialyse verschärft sich

Donnerstag, 21. April 2016

dpa

Düsseldorf – Im Streit um die sogenannte teilstationäre Dialyse wirft der Verband der leitenden Krankenhausärzte in der Nephrologie (VLKN) Krankenkassen vor, zulasten der Patientensicherheit Geld einsparen zu wollen.

Hintergrund ist laut der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie, dass die AOK Rheinland/Hamburg und die Knappschaft-Krankenkasse sich weigerten, die teilstationäre Dialyse adäquat zu vergüten, letztere fordere sogar Teile der Vergütung der letzten fünf Jahre zurück.

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„Ein kleiner Teil der Dialysepatienten, nicht einmal fünf Prozent, bedarf der chronischen Dialyse in einem gut überwachten klinischen Umfeld, wo bei Komplikationen schnell eingegriffen und der Patient unmittelbar auf eine Intensiv- oder Facharztstation verlegt werden kann“, erläuterte der Vorsitzende des VLKN, Martin Kuhlmann. In Nordrhein-Westfalen untergraben die Kassen laut dem Verband die teilstationäre Dialyse, indem sie sich weigern, für die damit verbundenen Mehrkosten aufzukommen.

Laut Kuhlmann führt der Dialysestandard der DGfN klar aus, bei welchen Risiko­patienten eine teilstationäre Dialyse gerechtfertigt ist. „Die Definition ist eng, die Patienten müssen mehrere Risikofaktoren gleichzeitig erfüllen. Dennoch stellen die benannten Kassen die Kollegen in NRW unter Generalverdacht, Patienten ohne entsprechende Indikation teilstationär zu dialysieren“, kritisiert der VLKN-Vorsitzende.   

Kritik an der Krankenkassenentscheidung kommt auch von Patientenseite: „Es ist traurig, dass wieder einmal an der Versorgung und dem Wohl der schwächsten Patienten unter uns gespart wird“, kommentierte Hans-Dieter Willms von der Landesarbeitsgemeinschaft Nierenkranker NRW den Streit.

Markus Schmidt, Chefarzt der Klinik für Nephrologie am Marien Hospital Marl und Vorstandsmitglied im VLKN warnte, dass multimorbide Dialysepatienten häufiger vollstationär aufgenommen werden müssten, wenn die teilstationäre Dialyse wegfalle. „Das käme das System unterm Strich teurer“, so Schmidt. © hil/aerzteblatt.de

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Dr. Glomeruli
am Freitag, 22. April 2016, 13:21

Gesetzliche Grundlagen der teilsationären Behandlung

Wie sich aus § 39 Abs. 1 S. 1 SGB V ergibt, erfolgt die Krankenhausbehandlung vollstationär, teilstationär, vor- und nachstationär (§ 115a SGB V) sowie ambulant (§ 115b SGB V). Die Norm enthält lediglich eine Leistungsumschreibung, ohne die einzelnen Behandlungsformen genauer zu definieren.Das Bundessozialgericht (BSG) nahm diese Abgrenzung zunächst anhand der Frage vor, ob der Versicherte in ein Krankenhaus aufgenommen worden ist. Dies wurde bei einer physischen und organisatorischen Eingliederung der Patienten in das spezifische Versorgungssystem der Einrichtung bejaht – insbesondere bei der Gewährung von Unterkunft und Verpflegung (Urteil vom 9. Oktober 2001, Az: B 1 KR 15/00 R – Abruf-Nr. 080991). Mit der Einführung ambulanter Operationen im Krankenhaus hat der Aufenthalt dort jedoch nicht mehr zwingend das Vorliegen einer stationären Behandlung zur Folge, so dass das Kriterium der „Aufnahme“ bzw. der Integration in den Krankenhausbetrieb zur Abgrenzung nicht mehr geeignet war. Daher stellte das BSG seit seiner grundlegenden Entscheidung vom 4. März 2004 maßgeblich auf die geplante Dauer des Aufenthalts im Krankenhaus als entscheidendes Kriterium ab (Az: B 3 KR 4/03 R – Abruf-Nr. 052725). In diesem Fall legte dann das BSG in seiner Urteilsbegründung folgende Abgrenzungen fest:Bei einer teilstationären Behandlung ist demgegenüber keine Rund-um-die-Uhr-Versorgung des Patienten notwendig. In der Regel erschöpft sie sich nicht im Rahmen eines Tagesaufenthalts, sondern erstreckt sich aufgrund der typischerweise behandelten Krankheitsbilder (zum Beispiel Psychiatrie, Geriatrie oder krankhaften Schlafstörungen) über einen längeren Zeitraum. Dabei wird die medizinisch-organisatorische Infrastruktur des Krankenhauses benötigt, ohne dass eine ununterbrochene Anwesenheit des Patienten im Krankenhaus erforderlich ist. Diese Behandlungsform erfolgt insbesondere bei Unterbringung der Patienten in Tages- und Nachtkliniken. Kennzeichnend ist eine zeitliche Beschränkung auf die Behandlung tagsüber, bei der die Nacht zu Hause verbracht wird (Tagesklinik), bzw. auf die Behandlung abends und nachts, bei der der Patient sich tagsüber in seinem normalen Umfeld aufhält (Nachtklinik). Die Abgrenzung zu einer ambulanten Behandlung liegt im Erfordernis der medizinisch-organisatorischen Infrastruktur des Krankenhauses.
Nach § 39 SGB V ist für eine teilstationäre Behandlung eine Einweisung erforderlich. Liegt diese nicht vor ist der Behandlungsfall nicht zu erstatten.Die Krankenkassen sind im Recht.Bitte keine weitere Polemik.
P.S. Der niedergelassene Nephrologe dürfte erfreut sein.
LNS

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