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Medizin

Mini-Schlaganfälle: Studie sieht bessere Behandlungs­ergebnisse in TIA-Zentren

Freitag, 22. April 2016

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Paris – Eine frühzeitige Behandlung an ausgewiesenen Zentren kann Patienten mit transitorischer ischämischer Attacke (TIA) oder Minischlaganfall vor weiteren Herz-Kreislauf-Ereignissen schützen, wie die Analyse eines internationalen Patientenregisters im New England Journal of Medicine (2016; 374: 1533-1542) zeigt.

Von einer TIA oder einem Mini-Schlaganfall erholen sich die meisten Patienten relativ rasch. Die vorübergehende Ischämie ist jedoch häufig nur ein Vorbote auf ein weitaus schlimmeres Ereignis. Nach früheren Studien kommt es bei 10 bis 20 Prozent der Patienten innerhalb von drei Monaten zu einem größeren Schlaganfall oder zu einem Herzinfarkt.

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Gleichzeitig bietet der Klinikaufenthalt die Chance, dieses Ereignis durch eine Opti­mierung der Therapie zu verhindern. Eine effektive Sekundärprävention durch die Kontrolle von Hypertonie, Dyslipidämie, Diabetes und eine antikoagulative Behandlung ist durch Studien belegt. Es war jedoch nicht klar, ob sich die Behandlungssituation auch außerhalb der Studien verbessern lässt.

Eine Analyse des internationalen TIA-Registers, die Pierre Amarenco vom Hôpital Bichat und Mitarbeiter vorstellen, zeigt, dass eine optimierte Behandlung tatsächlich die Prognose der Patienten verbessern kann. An dem Patientenregister beteiligen sich 61 Kliniken in 21 Ländern (darunter auch Kliniken in Deutschland). Zwischen 2009 und 2011 haben die Ärzte die Daten von 4.789 Patienten eingegeben.

78,4 Prozent der Patienten hatten die Klinik innerhalb der ersten 24 Stunden nach Symptombeginn aufgesucht. Die dort durchgeführten Untersuchungen ergaben, dass 33,4 Prozent einen (im CT oder im Kernspin sichtbaren) akuten Hirninfarkt erlitten hatten. Bei 23,2 Prozent wurde eine extrakranielle oder intrakranielle Stenose von 50 Prozent oder mehr in mindestens einem Blutgefäß gefunden. Bei 10,4 Prozent der Patienten lag ein Vorhofflimmern vor.

Die Ärzte optimierten die Behandlung der Patienten: Bei der Entlassung erhielten 90,2 Prozent wenigstens ein Antithrombozytenmedikament, bei 8,1 Prozent wurden Antikoa­gulanzien verordnet und bei 3,6 Prozent wurde eine Revaskularisierung der Carotis durchgeführt. Ob sich diese Maßnahmen positiv auf die Prognose ausgewirkt haben, kann die Studie streng genommen nicht belegen, da es sich um eine retrospektive Analyse von Registerdaten und nicht um eine randomisierte Studie mit Vergleichsgruppe handelt, die angesichts der Evidenz aus früheren Studien ethisch kaum vertretbar gewesen wäre.

Die Studie kann aber zeigen, dass die Patienten in den TIA-Zentren in guten Händen waren. Denn die Zahl der Schlaganfälle, koronaren Ereignisse oder kardiovaskulären Todesfälle war mit 6,2 Prozent nach einem Jahr erstaunlich niedrig, 5,1 Prozent hatten einen erneuten Schlaganfall erlitten. In den ersten 90 Tagen hatten nur 3,7 Prozent einen Schlaganfall erlitten. Dies waren deutlich weniger als als in früheren Studien beobachtet wurde.

Die Studie bestätigt, dass der ABCD2-Score das Risiko auf ein weiteres ischämisches Ereignis sehr gut vorhersagt. Der Score basiert auf Angaben zu Alter (A), Blutdruck (B), klinischen Merkmalen (C), Dauer der Symptome (D) und Diabetes (D). Er kann Werte von 0 bis 7 Punkte annehmen. Ein ABCD2-Score von 6 oder 7 ging laut der Analyse von Amarenco mit einer Verdoppelung des Risikos auf ein erneutes Ereignis einher. Insgesamt 22 Prozent der Schlaganfälle entfielen jedoch auf Patienten mit einem ABCD2-Score von unter 4 Punkten, so dass kein Patient mit TIA oder Mini-Schlaganfall vor einem weiteren Ereignis gefeit ist und eine intensive medizinische Betreuung erhalten sollte. © rme/aerzteblatt.de

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