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Medizin

Pharmafirma will Erbgut von 2 Millionen Menschen sequenzieren

Freitag, 22. April 2016

dpa

London – Der Arzneimittelhersteller AstraZeneca will in den kommenden Jahren das Genom von zwei Millionen Menschen entschlüsseln lassen. Der Konzern ist hierzu eine Kooperation mit einer Firma des US-Forschers Craig Venter eingegangen. Beteiligt sind auch das Finnische Institut für Molekulare Medizin in Helsinki und das Wellcome Trust Sanger Institute in Cambridge, England.

Craig Venter ist einer der Pioniere des Human Genom Project. Er hatte sich jedoch mit den National Institutes of Health zerstritten und in Konkurrenz zum steuerfinanzierten Projekt ein eigenes Genom-Projekt gestartet. Beide Teams publizierten im Februar 2001 die Sequenz der ersten beiden menschlichen Genome. Es sollten nicht die letzten bleiben. In den letzten 15 Jahren wurde das Erbgut von schätzungsweise 100.000 Menschen sequenziert, und bei sinkenden Preisen kommen täglich weitere hinzu.

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Dennoch ist die Ankündigung, in den nächsten Jahren 2 Millionen Genome zu sequenzieren, der Start in eine neue Dimension. Der Hersteller erhofft sich von der Investition in Milliardenhöhe – die Preise für die Entschlüsselung eines Genoms liegen noch bei mehr als  1.000 Euro – einen Wettbewerbsvorteil, denn die erwarteten neuen Einblicke in die Ursache und Pathogenese von Krankheiten könnten neue Perspektiven für die Arzneimittelherstellung eröffnen.

Wie begehrt die Genomdaten sind, hat sich zuletzt 2012 gezeigt, als Amgen für 415 Millionen Euro die isländische Firma deCode kaufte. deCode analysiert das Erbgut der isländischen Bevölkerung – allerdings nicht auf der Ebene des Genoms, sondern von Einzelnukleotid-Polymorphismen. Die isländische Bevölkerung bietet sich für Genom-Analysen an, da sie genetisch homogen ist. Dabei werden Abweichungen leichter erkennbar. Ähnliches erhofft sich AstraZeneca jetzt durch die Kooperation mit dem finnischen Institut für Molekulare Medizin. Auch die finnische Bevölkerung hat über Jahrhunderte in Isolation von äußeren genetischen Einflüssen gelebt.

Die Hauptarbeit dürfte auf die anderen beiden Partner entfallen. Das Wellcome Trust Sanger Institute gehört zu den führenden Instituten zu Genom-Analysen und Human Longevity, die derzeitige Firma von Center dürfte ebenfalls ausgiebige Expertise einbringen. AstraZeneca will neben der Finanzierung auch Blutproben von mehr als einer halben Million Patienten beisteuern, die in den letzten Jahren an klinischen Studien teilgenommen haben. © rme/aerzteblatt.de

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