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Medizin

Malaria: Vitamin B plus UV-Licht machen Bluttransfusionen sicherer

Samstag, 23. April 2016

dpa

Cambridge – Ein neues Verfahren zur Inaktivierung von Plasmodien und anderen Krankheitserregern hat in einer randomisierten klinischen Studie im Lancet (2016; 387: 1753-61) die Übertragung der Malaria durch Bluttransfusionen fast immer verhindert.

Was in Deutschland und anderen reicheren Ländern undenkbar wäre, ist in ärmeren Ländern Afrikas Alltag: Die Verwendung von Blutkonserven, die nur unzureichend, wenn überhaupt, auf Krankheitserreger untersucht wurden. Für die Tests fehlt den meisten Ländern nämlich das Geld. Übertragungen von Krankheiten sind deshalb keine Seltenheit. In Ghana, wo die Malaria endemisch ist, sind die Hälfte aller Blutspenden mit Plasmodium falciparum kontaminiert und zwischen 14 und 28 Prozent aller Patienten infizieren sich nach einer Bluttransfusion.

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Ein von der japanischen Firma Terumo BCT entwickeltes Verfahren soll dies künftig verhindern. Das Prinzip ist einfach: Die Blutkonserven werden mit Riboflavin versetzt und dann mit UV-Licht bestrahlt. Riboflavin, besser bekannt als Vitamin B2, ist normalerweise nicht toxisch. Es lagert sich aber an Nukleinsäuren an. Unter einer UV-Bestrahlung kommt es dann zu Verbindungen mit den Basen, vor allem mit Guanin, die das Erbgut schädigen. Betroffen sind sowohl RNA als auch DNA. Das Mirasol PRT System ist deshalb nicht nur gegen Parasiten wie Plasmodium falciparum aktiv. Im Prinzip könnte es auch eine Übertragung von HIV, Hepatitis C und Hepatitis B verhindern.

Für ärmere Länder ist dies ein zusätzlicher Vorteil. Mirasol könnte jedoch auch für die Blutbanken in reicheren Ländern interessant sein, da es auch neue Erreger wie Babesia microti, West Nile-Virus, Chikungunya-Virus und Zika-Virus abtötet, für die es möglicher­weise noch keine Tests gibt. Es gibt bereits bewährte Verfahren zur Inaktivierung von Krankheitserregern. Diese werden jedoch nur bei Plasmaprodukten eingesetzt, nicht aber bei Blutkonserven.

Die AIMS-Studie (African Investigation of the Mirasol System) konzentrierte sich auf das dringlichste Problem afrikanischer Länder, die häufige Übertragung von Plasmodium falciparum. Am Komfo Anokye Lehrkrankenhaus in Kumasi, Ghana, wurden 223 erwachsene Patienten, die eine Bluttransfusion benötigten, auf die Übertragung von Konserven randomisiert, die nur zur Hälfte mit Mirasol inaktiviert wurden. Nur 65 der 223 Patienten waren vor der Bluttransfusion noch nicht mit Malaria infiziert: Acht von 37 Patienten (22 Prozent), die nicht mit Mirasol behandelte Blutkonserven erhalten hatten, infizierten sich mit Plasmodium falciparum. Im Studienarm mit Mirasol-Inaktivierung waren es dagegen nur einer von 28 Patienten (4 Prozent).

Die Mirasol-Behandlung scheint die Qualität der Blutkonserven nicht wesentlich beeinträchtigt zu haben. Zwar waren Hämatokrit und Hb-Wert tendenziell etwas niedriger, bei den Parametern der Blutgerinnung und in der Thrombozytenzahl gab es keine Unterschiede und auch die klinische Untersuchung der Patienten ließ keine gesundheitlichen Nachteile erkennen.

Das Team um Jean-Pierre Allain von der Universität Cambridge hält das Verfahren deshalb für effektiv und sicher. Der Hersteller führt derzeit weitere Studien durch. Das Ziel ist eine Zulassung von Mirasol bei Erythrozytenkonzentraten durch die FDA. In Europa hat sich der Hersteller bereits um eine CE-Lizenz beworben. Nach Aussagen des Herstellers wird das Mirasol PRT System zur Behandlung von Thrombozyten und Plasma bereits in mehr als 70 Zentren in 18 Ländern in Europa, dem Nahen und Mittleren Osten, Süd- und Mittelamerika und Asien eingesetzt. © rme/aerzteblatt.de

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