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Medizin

Glioblastom: Tumorgene aktivieren sich gegenseitig

Dienstag, 26. April 2016

dpa

Ottawa – Das Wachstum des Glioblastoms, des häufigsten und zugleich bösartigsten Hirntumors bei Erwachsenen, wird durch die gegenseitige Verstärkung von zwei Genen vorangetrieben, wobei die Hemmung eines der beiden Gene nach einer Veröffentlichung in Nature Neuroscience (2016; doi: 10.1038/nn.4295) ein neuer Ansatzpunkt in der bislang unbefriedigenden Therapie sein könnte.

Patienten mit einem Glioblastom leben nach der Diagnose im Durchschnitt nur noch wenige Monate. Eine Operation kann die stark infiltrativ wachsenden Tumore selten heilen und eine Chemotherapie gilt als weitgehend wirkungslos. Viele Tumore haben Mutationen im Rezeptor für den epidermalen Wachstumsfaktor, die als EGFRvIII bezeichnet werden. Sie galten als möglicher Ansatzpunkt für eine Therapie. Doch alle klinischen Studien mit Lapatinib und anderen Kinasehemmern verliefen enttäuschend.

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Arezu Jahani-Asl von der McGill Universität und Mitarbeiter haben jetzt herausgefunden, dass die häufigste EGFR-Mutation nicht allein für das Krebswachstum verantwortlich ist. In vielen Zellen liegt ein weiter Gendefekt im Gen für den Oncostatin M-Rezeptor (OSMR) vor. Beide EGFRvIII und OSMR bilden auf den Tumorzellen einen gemein­samen Rezeptor. In Experimenten an Tumorzellen verstärkten sich die Mutationen in den beiden Genen gegenseitig.

Während die Hemmung der Signalkette von EGFRvIII das Tumorwachstum nicht stoppen kann, scheint OSMR ein besser geeigneter Ansatzpunkt zu sein. Die Unter­suchung von 339 Tumorproben von menschlichen Glioblastom-Patienten ergab, dass eine starke OSMR-Expression mit einer Verkürzung der Überlebenszeit verbunden war. Mäuse, denen Tumore mit einer geringeren OSMR-Expression implantiert wurden, lebten 30 Prozent länger als mit den Implantaten von Tumoren mit hoher OSMR-Expression.

Die Entdeckung könnte zur Entwicklung neuer Medikamente führen. Jahani-Asl will jetzt Antikörper und andere Wirkstoffe untersuchen, die das OSMR-Molekül oder die Zusammenarbeit mit EGFRvIII hemmen.

© rme/aerzteblatt.de

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