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Terroranschläge: Chirurgen mahnen Kliniken, sich vorzubereiten

Dienstag, 26. April 2016

Terror in Paris am 14.November letzten Jahres am Stade de France in Paris. Forensiker untersuchen den Ort der Bombenexplosion vor dem Fußballstadion /dpa

Berlin – Spätestens nach den Terroranschlägen von Paris und Brüssel ist auch den Ärzten in Deutschland bewusst geworden, dass sie sich auf ähnliche Katastrophen mit mehreren Schwer- und Leichtverletzten vorbereiten müssen. „Auch kleine Kranken­häuser müssen sich die aktuelle Lage vergegenwärtigen und sich vorbereiten, beispielsweise indem sie Notfallpläne erstellen und Übungen durchführen.“ Darauf macht Heinz-Johannes Buhr, Sekretär der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine- und Viszeralchirurgie (DGAV) auf dem Chirurgen-Kongress aufmerksam, der heute in Berlin begonnen hat.

Ein gut funktionierendes Notfallnetzwerk für die Versorgung Schwerverletzter existiert bereits. Am TraumaNetzwerk DGU (Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie) haben sich in Deutschland rund 600 Traumazentren zusammengeschlossen, um die flächendeckende Versorgung von Schwerverletzten sicherzustellen. Terroranschläge stellen Ärzte und Kliniken jedoch vor neue Herausforderungen. „Denn bei Explosionen von Sprengsätzen kommt es zu vier Verletzungsmustern, an die wir nicht gewöhnt sind“, erklärt Buhr.

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Die vier Stufen der Explosionsverletzung
Zunächst führt die Detonation einer Bombe zu einem exponentiellen und sofortigen Anstieg des Luftdrucks. Es entstehen Hochgeschwindigkeitsdruckwellen, die kleine Blutgefäße in Leber, Lunge, Niere und allen Organen zerstören können. „Ein solches Barotrauma ist eine ganz neue Form des Politraumas, das wir bisher nur von zu tiefen Tauchgängen kennen und das von außen kaum zu erkennen ist,“ so Buhr. Nach seiner Schätzung kennen sich höchstens acht Prozent der Chirurgen mit einem solchen Barotrauma aus. Der Patient müsse umgehend beatmet werden.

Besser vertraut seien Ärzte in Deutschland mit der zweiten Stufe der Explosions­verletzung, in der es zu perforierenden und penetrierenden Verletzungen durch umherfliegende Trümmerteile komme. In der dritten Phase wirft die Druckwelle den Betroffenen durch die Luft. Der Aufprall führt zu stumpfen Verletzungen, Schädel-Hirn-Traumata oder Schürfungen – ähnlich wie bei einem Motorradunfall. In der letzten Stufe kommt es zu Verbrennungen oder Rauchgasverletzungen. „Was man hierbei oft nicht bedenkt sind Infektionen“, so Buhr. Der Patient stirbt in der Regel an Verletzungen des Thorsos und des Abdomens, erklärt der Chirurg aus Berlin.

Ein neues Seminar bereitet Ärzte auf Terroranschläge vor
„Nach Paris wollten wir unsere Kollegen aus der Allgemein- und Viszeralchirurgie auf diese Problematik aufmerksam machen“, so Buhr. Daher hat die DGAV gemeinsam mit ihrer Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Militär- und Notfallchirurgie (CAMIN), in der auch die Bundeswehr mit der entsprechenden Erfahrung involviert ist, im Januar ein erstes Seminar mit 80 Teilnehmern in Berlin durchgeführt. Ein zweites folgte in Koblenz und im Ruhrgebiet. Dort geben Experten einen Überblick über wichtige chirurgische Maßnahmen sowie die operative Versorgung nach Explosionsver­letzungen. © gie/aerzteblatt.de

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