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Politik

Drogen: Mehr Konsum, mehr Tote

Donnerstag, 28. April 2016

/dpa

Berlin – In Deutschland werden wieder mehr Drogen genommen. Nach einem jahre­langen Rückgang stieg die Zahl der erstmals auffälligen Heroinkonsumenten im vergangenen Jahr wieder um 15 Prozent, die der Kokainkonsumenten um sieben Prozent an. Auch Crack, LSD, Ecstasy und Amphetamine sind auf dem Vormarsch. Das teilten Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) und Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), am Donnerstag in Berlin mit.

Zum vierten Mal in Folge stieg auch die Zahl der Drogentoten. Insgesamt starben im vergangenen Jahr 1.226 Menschen an den Folgen des Konsums. Das war rund ein Fünftel mehr als noch im Jahr zuvor. 2014 wurden 1.032 Drogentote registriert, 2013 waren es 1.002 und 2012 944. Seitdem stieg die Zahl der Drogentoten kontinuierlich an.

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Haupttodesursache war im vergangenen Jahr erneut eine Überdosis Heroin, meist in Verbindung mit anderen Substanzen. Aber auch die Gefahren durch neue synthetische Drogen wachsen – die Zahl der Todesfälle durch sogenannte Legal Highs stieg 2015 demnach von 25 auf 39. Die im Internet als vermeintlich unbedenkliche Kräuter­mischungen oder Badesalze angebotenen Substanzen bergen hohe Risiken für die Konsumenten, weil ihre Zusammensetzung oft nicht bekannt ist.

Kabinett will Gesetzentwurf zu neuen psychoaktiven Stoffen beschließen
Angesichts der rasanten Ausbreitung werde das Bundeskabinett kommende Woche seinen Gesetzentwurf zu neuen psychoaktiven Stoffen beschließen, kündigte Mortler an. Dieser sieht vor, Handel, Einfuhr, Verbreitung und Herstellung solcher Substanzen zu verbieten und unter Strafe zu stellen. „Damit werden vermeintlich harmlose, in der Realität aber brandgefährliche Substanzen endlich verboten“, erklärte die Drogen­beauftragte. Sie warnt, die Drogen- und Suchtpolitik dürfe „nicht an Gewicht verlieren“.

Zum ersten Mal gesunken ist hingegen die Zahl der erstmals polizeilich erfassten Konsumenten von Crystal Meth mit einem Minus von 19 Prozent. Die Behörden stellten 2015 auch eine geringere Menge der schnell abhängig machenden Droge sicher. Auf der anderen Seite gab es aber 26 Prozent mehr Todesfälle durch das vor allem in Ostdeutschland verbreitete Crystal Meth.

Linke fordern kontrollierte Abgabe von Cannabis
Angesichts der Zahlen übt die Bundestagsfraktion Die Linke Kritik an der Drogenpolitik der Bundesregierung. „Wenn Abhängige keine Wirkung mehr verspüren, erhöhen sie die Konsumraten. Nichts anderes macht die Bundesregierung bei ihrer Verbotspolitik“, sagte Frank Tempel, stellvertretender Vorsitzender und drogenpolitischer Sprecher der Fraktion. Gerade der Anstieg von Drogentoten durch neue psychoaktive Substanzen sei eine direkte Folge des Drogenverbots. „Wäre Cannabis mit seinen bekannten Rauschwirkungen und Gefahren legal und in kontrollierter Qualität erhältlich, würden sich wohl nur wenige Menschen für den erwünschten Rausch unbekannten Gesundheitsrisiken aussetzen“, argumentierte er.

Insgesamt registrierte die Polizei im Jahr 2015 bundesweit rund 282.600 Straftaten in Verbindung mit Rauschgift – ein Anstieg um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der Tatverdächtigen erreichte mit 231.730 den höchsten Wert seit zehn Jahren. Fast 90 Prozent davon waren Männer.

Der Handelsplatz Internet wird für Rauschgifthändler immer wichtiger
Die Anonymität verlockt dem BKA zufolge immer mehr Rauschgifthändler dazu, das Internet und vor allem das sogenannte Darknet, einen verborgenen und verschlüsselten Bereich, als Handelsplatz zu nutzen. „Rauschgifthändler weiten ihre Vertriebswege aus und nutzen neben ihren herkömmlichen Strukturen die vermeintlichen Anonymi­sierungsmöglichkeiten im Darknet aus“, erklärte BKA-Präsident Münch. 

Nach Ermittlungen in Sachsen und Nordrhein Westfalen gegen Internethändler seien 2015 große Mengen Drogen beschlagnahmt worden. Anfang dieses Jahres habe das BKA in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern mehrere kriminelle Onlinemarkt­plätze, auf denen auch Rauschgift gehandelt wurde, vom Netz genommen. In kürzester Zeit hätten sich aber „neue kriminelle Onlinemarktplätze“ gebildet, erklärte Münch. © afp/aerzteblatt.de

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