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Medizin

Antibiotika, Schokolade und Morbus Crohn: Viele Faktoren verändern die Darmflora

Sonntag, 1. Mai 2016

Leuven/Groningen – Die menschliche Darmflora reagiert offenbar recht sensibel auf Medikamente, Krankheiten und den Lebensstil, wie die beiden bisher größten Kohortenstudien zur genetischen Analyse der Darmflora in Science (2016; 352: 560-564 und 565-569) zeigen.

Die Artenvielfalt der menschlichen Darmflora hat sich lange einer Analyse entzogen, da es mit bakteriologischen Methoden unmöglich war, eine Systematik zu erstellen. Dies gelingt erst, seit mit Gensonden nach spezifischen Merkmalen der einzelnen Bakterienspezies gesucht werden kann. Das Vlaams Instituut voor Biotechnologie hat in den letzten Jahren Stuhlproben von 1.106 Einwohnern in Flandern analysiert. Die Dutch LifeLines-DEEP Studie kommt auf 1.135 Stuhlproben, die ebenfalls genetisch untersucht wurden. Beide Projekte zeigen, wie äußere Einflüsse die Darmflora verändern.

Im Vlaams Darmflora Project veränderten in erster Linie Medikamente die Darmflora. Darunter waren allerdings nicht nur Antibiotika, die einen Teil der Darmflora abtöten und in der Erholungsphase manchmal die Entwicklung einer veränderten und manchmal pathologischen Darmflora fördern. Antibiotika-assoziierte Diarrhöen sind, vor allem wenn C. difficile dominiert, ein bekanntes Problem, das manchmal nur durch den Austausch der Darmflora kuriert werden kann.

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Wie ein Team um Jeroen Raes von der Katholieke Universiteit in Leuven berichtet, haben auch osmotische Laxanzien, antientzündliche Wirkstoffe zur Behandlung von Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa einen Einfluss. Ebenso weibliche Hormone (etwa orale Kontrazeptiva), Benzodiazepine, Antidepressiva und Antihistaminika. In der Dutch LifeLines-DEEP Studie, deren Ergebnisse ein Team um Cisca Wijmenga von der Universität Groningen vorstellt, veränderten auch Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) und Metformin die Darmflora.

Bei den PPI dürfte dies eine Folge der blockierten Magensäureproduktion sein. Metformin wird von einigen Darmbakterien verstoffwechselt. Dies führt zur vermehrten Produktion von kurzkettigen Fettsäuren, denen Diabetologen eine günstige Wirkung zuschreiben. Statine und Beta-Blocker hatten in der niederländischen Untersuchung ebenfalls einen Einfluss auf die Darmflora.

Krankheiten wirken sich ebenfalls auf die Darmflora aus. Dazu gehören nicht nur entzündliche Darmkrankheiten wie die Colitis ulcerosa oder Gastroenteritiden. In der niederländischen Studie beeinflussten auch frühere Herzinfarkte oder Depressionen die Zusammensetzung der Darmflora. In beiden Kohorten bestand sogar eine Korrelation zum Hämoglobinwert. Eine Vermutung ist, dass bestimmte Darmbakterien ihren Sauerstoff auch über den menschlichen Kreislauf nach Diffusion ins Darmlumen beziehen.

Die Häufigkeit der Stuhlentleerungen war ebenfalls ein Faktor. Eine lange Transitzeit scheint die Vermehrung einiger Bakterien zu begünstigen. Ereignisse in den ersten Lebensjahren, etwa die Form der Entbindung (vaginal oder per Kaiserschnitt), die Art der Säuglingsnahrung (Stillen oder Babyersatznahrung) hinterließen keine dauerhaften Spuren im Mikrobiom.

In beiden Kohorten war ein deutlicher Einfluss der aktuellen Ernährungsgewohnheiten erkennbar. Von entscheidender Bedeutung ist die Zufuhr von Kohlenhydraten und darunter der Anteil, der in Pflanzenfasern enthalten ist. Sie sind für den menschlichen Darm nur „Ballaststoffe“, für einige Bakterien aber ein lebensnotwendiger Energielieferant.

Bier und Kaffee treffen im Darm ebenfalls auf unterschiedliche (Mit)-Verwerter, ebenso fördert Rotwein das Wachstum bestimmter Bakterien. Die niederländische Studie konnte für 60 Nahrungsmittel einen Einfluss auf die Darmflora nachweisen. In der flämischen Studie hinterließ sogar die in Belgien verbreitete Vorliebe für dunkle Schokolade ihre Spuren in der Darmflora. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #697854
Dr.Bayerl
am Samstag, 14. Mai 2016, 08:10

na und? möchte man das ausrufen

nichts neues, im übrigen bezweifle ich "Diffusion" von Sauerstoff ins Darmlumen, wenn schon, dann nennt man das Blutung, was auch einen Effekt auf den Hb-Wert im Serum erklärt, das fängt bei der nicht so seltenen (paraösophagealen) Hiatushernie an, die blutet immer.
LNS

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