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Pflege-Thermometer zeigt Fachkräftemangel auf

Montag, 2. Mai 2016

Köln - Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen, der ambulanten Einrichtungen sowie des dort beschäftigten Personals sind in den vergangenen Jahren in allen Bundes­ländern deutlich angestiegen. Das geht aus dem Pflege-Thermometer 2016 des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung (dip) hervor. Demnach blickt jeder zweite Dienst tendenziell optimistisch in die Zukunft. Viele planen die Zahl der Klienten zu steigern sowie mehr Personal zu beschäftigten. Limitierend wirkt allerdings der Fachkräftemangel.

„Die Studie offenbart erhebliche Lücken im Personalbereich. Wir müssen einen gravierenden Fachkräftemangel in der ambulanten Pflege feststellen“, sagte Studienleiter Michael Isfort. Aktuell existieren dem Report zufolge, je nach Modell­berechnungen für dreijährig ausgebildete Fachkräfte, zwischen 21.200 und 37.200 offene und derzeit nicht zu besetzende Stellen. Der Fachkraftmangel ist aus Sicht des dip bereits versorgungsrelevant. Rund ein Drittel der befragten Dienste habe im vergangenen Jahr bereits Klientenanfragen aufgrund von Personalmangel ablehnen müssen, hieß es.

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Das dip weist auch darauf hin, dass nicht kostendeckende Leistungen ein finanzielles Risiko für die Einrichtungen darstellen. Unterfinanziert seien insbesondere erhöhte Betreuungszeiten in Krisensituationen und bei der Sterbebegleitung, Anfahrtswege von mehr als 25 Minuten sowie Beratungsbesuche, die im Rahmen der Pflegeversicherung vorgeschrieben sind (§ 37 Absatz 3 SGB XI).

„Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um einen Betrug in Milliarden­höhe durch einige wenige kriminelle ambulante Dienste gewinnt dies an Bedeutung, denn die Gelder fehlen an anderer Stelle und bei den zahlreichen Diensten, die für eine gute Versorgung einstehen“, so Isfort. Fast 30 Prozent der Studienteilnehmer nehmen Lücken bei der flächendeckenden Versorgung an ambulanten Leistungen in ihrer Region wahr.

Das Tagesgeschäft lässt gemeinwesenorientierte Ansätze nicht zu 
Zudem können derzeit mehr als 40 Prozent der Dienste eine Mitarbeit an weiter­führenden quartiersbezogenen und gemeinwesenorientierten Ansätzen nicht leisten, da sie vollständig in das Tagesgeschäft eingebunden sind. „Es ist angesichts der Studien­ergebnisse dringend geboten, die Pflegeausbildung und Bildungsplanung zu stärken, die Teilzeitquote in der ambulanten Pflege zu reduzieren, Leistungszuschläge aufzunehmen sowie die Netzwerkarbeit strukturiert zu befördern“, empfiehlt Isfort.

Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung in Köln veröffentlicht mit dem Pflege-Thermometer 2016 die bislang größte Befragung zur Situation der ambulanten Pflege in Deutschland. Für die bundesweite Studie wurden 1.653 Leitungskräfte aus der ambulanten Pflege befragt. Unterstützt wurde die Analyse vom Pflegelotsen des Verbands der Ersatzkassen, gefördert von der B. Braun-Stiftung. © may/aerzteblatt.de

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