NewsVermischtesBrustim­plantate-Skandal: Berufungsgericht bestätigt Haftstrafe
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Brustim­plantate-Skandal: Berufungsgericht bestätigt Haftstrafe

Montag, 2. Mai 2016

/dpa

Aix-en-Provence – Im Skandal um Brustimplantate aus Billigsilikon hat ein französisches Berufungsgericht die vierjährige Haftstrafe für den Gründer des Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP) bestätigt. Das Gericht in Aix-en-Provence verurteilte Jean-Claude Mas am Montag wegen schwerer Verbrauchertäuschung und Betrugs.

Die inzwischen insolvente Firma PIP hatte jahrelang reißanfällige Brustimplantate aus nicht für Medizinprodukte zugelassenem Industriesilikon geliefert. Der Fall war 2010 aufgeflogen und hatte für Aufsehen erregt. Weltweit wurden schätzungsweise rund 300.000 Frauen PIP-Implantate eingesetzt. In Deutschland sind den Schätzungen zufolge rund 6.000 Frauen betroffen.

Anzeige

Bereits in erster Instanz war der Firmengründer im Dezember 2013 wegen schweren Betrugs zu vier Jahren Haft und 75.000 Euro Bußgeld verurteilt worden. Zudem wurde ihm verboten, jemals wieder im Gesundheitssektor zu arbeiten oder ein neues Unternehmen zu gründen. Der mittlerweile 76-Jährige legte gegen das Urteil Berufung ein, weil er in seinem Handeln keine schwere Täuschung erkennen konnte.

Mas hatte bereits früh eingestanden, betrügerisch gehandelt zu haben, aber stets bestritten, dass das von PIP verwendete Gel schädlich gewesen sei. Die Richter in Aix-en-Provence bestätigten nun das ursprüngliche Urteil in vollem Umfang. Auch die erstinstanzlichen Urteile gegen vier mitangeklagte einstige Mitarbeiter von Mas' Firma erhielt das Gericht aufrecht, darunter ein Jahr Haft für Ex-Finanzchef Claude Couty.

Mas wurde damals auch schuldig gesprochen, außer den Frauen auch den TÜV Rheinland betrogen zu haben, der das Herstellungsverfahren der Implantate zertifiziert hatte. Der TÜV, der als Nebenkläger aufgetreten war, zeigte sich mit dem Berufungsurteil nun „sehr zufrieden“. Es habe einmal mehr bestätigt, dass neben den Frauen auch der TÜV Rheinland „systematisch“ von PIP betrogen worden sei, erklärte Konzernsprecher Hartmut Müller-Gerbes.

Die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) begrüßte ebenfalls die Entscheidung des Berufungsgerichts. Deren Präsident Raymund Horch erinnerte gleichzeitig daran, dass seit Bekanntwerden des Skandals neue Maßnahmen zur Sicherheit von Medizinprodukten – wie etwa unangemeldete Kontrollbesuche – ergriffen worden seien. Allerdings würde die DGPRÄC nach wie vor „eine neutrale staatliche Prüfung“ bevorzugen.

Auf Mas warten noch zwei weitere Verfahren, unter anderem wegen fahrlässiger Tötung wegen des Krebstods einer Frau und fahrlässiger Körperverletzung. © dpa/AFP/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

3. April 2020
Brüssel – Die Europäische Kommission hat heute ein Papier zur medizinischen Notfallunterstützung der Mitgliedstaaten beschlossen. Dabei gehe es unter anderem um deren finanzielle Unterstützung beim
EU will Mitgliedstaaten beim Transport von Patienten in Coronakrise unterstützen
1. April 2020
Karlsruhe – Ein Mann aus Berlin ist mit einer Verfassungsbeschwerde gegen die dortigen Verbote und Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie gescheitert. Das Bundesverfassungsgericht nahm die
Coronakrise: Bundesverfassungsgericht lehnt Entscheidung über Beschränkungen ab
1. April 2020
Tuttlingen – Der Medizingerätehersteller Aesculap ist im vergangenen Jahr vor allem im Ausland gewachsen. Wie das Unternehmen gestern in Tuttlingen mitteilte, waren unter anderem China, Russland und
Aesculap wächst vor allem im Ausland
1. April 2020
Erlangen – Der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers hat für sein neuestes Blutgas-Analysesystem die Zulassung von der US-Gesundheitsbehörde FDA zum Einsatz in der Akutbehandlung erhalten. Das
Siemens Healthineers erhält US-Zulassung für Blutgastests
30. März 2020
Lübeck − Das Medizintechnikunternehmen Dräger hat Schulungsunterlagen für die 10.000 Beatmungsgeräte online bereitgestellt, die die Bundesregierung bei der Firma bestellt hat. Die
Schulungsunterlagen für neue Beatmungsgeräte von Dräger online verfügbar
27. März 2020
Berlin – Der Bundesrat hat in seiner Sondersitzung am vergangenen Freitag ein Gesetz passieren lassen, dass für mehr Sicherheit von Medizinprodukten sorgen soll. Die Reform, die Anfang März im
Bundesrat lässt Medizinproduktegesetz passieren
27. März 2020
Berlin – Das Testaufkommen für Corona-Tests in den fachärztlichen Laboren Deutschlands ist sprunghaft angestiegen. Der Verband Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) hat für die zurückliegende
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER