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Medizin

Keine psychiatrischen Nebenwirkungen durch Medikamente zur Rauchentwöhnung

Dienstag, 3. Mai 2016

dpa

Sand Diego – Patienten, die zur Rauchentwöhnung Medikamente einnehmen, müssen in der Regel keine psychiatrischen Nebenwirkungen befürchten. Dies geht aus einer randomisierten klinischen Studie der University of California hervor, die Forscher um Robert Anthenelli in The Lancet veröffentlichten (doi: 10.1016/S0140-6736(16)30272-0).

Mittel zur Rauchentwöhnung haben unterschiedliche Wirkprinzipien. Häufig greifen die Medikamente jedoch als Nikotinrezeptor-Agonisten oder Inhibitoren der Dopamin-und Noradrenalinwiederaufnahme in den Hirnstoffwechsel ein. Das Risiko für mögliche psychiatrische Symptome ist daher naheliegend. Raucher erkranken häufiger an psychischen Erkrankungen und psychisch Erkrankte sind ihrerseits häufiger Raucher. Eine Prävention von psychiatrischen Folgeerkrankungen ist in dieser Gruppe daher von besonderer Bedeutung. Die Forscher berichten, dass in den USA Bedenken über die psychischen Nebenwirkungen der Medikamente herrschen. Die Food and Drug Administration gab daher die Studie in Auftrag, um einen möglichen Zusammenhang näher zu erforschen.

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In ihrer Studie randomisierten die Wissenschaftler 8.144 Patienten in vier Behandlungsarme, die entweder ein Placebo, Niktotinpflaster, Varenicline (Nikotinagonist) oder Bupropion (Hemmer der Dopamin- und Noradrenalinwiederaufnahme) erhielten. Die Patienten rauchten mindestens zehn Zigaretten pro Tag und die Hälfte der Teilnehmer war psychisch vorerkrankt. Sie nahmen die Entwöhnungsmittel über zwölf Wochen ein und versuchten, das Rauchen aufzugeben.

Bei psychisch gesunden Rauchern zeigte sich keine wesentliche Häufung von neuropsychiatrischen Symptomen (Placebo 2,4 Prozent, Niktotinpflaster 2,5 Prozent, Varenicline 2,2 Prozent und Bupropion 1,3 Prozent). Für Patienten mit psychischen Erkrankungen war die Nebenwirkungsrate insgesamt höher, jedoch in den einzelnen Behandlungsarmen vergleichbar (Placebo 4,9 Prozent , Niktotinpflaster 5,2 Prozent, Varenicline 6,5 Prozent und Bupropion 6,7 Prozent).

Die am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen waren Schlafstörungen, Übelkeit, Albträume und Kopfschmerzen. Die Entwöhnungsmittel waren insgesamt effektiv und einer reinen Placebogabe überlegen. Die besten Abstinenzraten erreichen Patienten in der Varenicline-Gruppe, in der 21,8 Prozent nach neun bis 24 Wochen noch abstinent waren, gegenüber 9,4 Prozent in der Placebo-Gruppe. Psychisch gesunde und psychiatrisch vorerkrankten Raucher erreichten ähnliche Abstinenzraten.

Unter Berücksichtigung des Umstandes, dass Rauchen unter psychisch Erkrankten sehr weit verbreitet ist und die Medikamenten beim Rauchstopp helfen, liefert die Studie wichtige Ergebnisse. Die Forscher bewerten die leichte Häufung von neuropsychiatrischen Symptome als vertretbare Nebenwirkungen, wenn es Patienten dadurch gelingt, mit dem Rauchen aufzuhören. © hil/aerzteblatt.de

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