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Politik

Termin­servicestellen: Rund 19.000 Termine vermittelt

Mittwoch, 4. Mai 2016

dpa

Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat eine gemischte Bilanz der ersten 100 Tage der Terminservicestellen gezogen. In den ersten Wochen sind in elf Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen), die das EDV-System der KV Telematik GmbH nutzen, mehre als 19.000 Facharzttermine bundesweit vermittelt worden. Hoch­gerechnet auf alle 17 KVen sind es etwa 31.500 Termine.

Das sei deutlich weniger, als von politischer Seite angenommen und auch deutlich weniger, als das KV-System schultern könne, erklärte KBV-Vorstandsvorsitzender Andreas Gassen. „Die Nachfrage hält sich in Grenzen. Dennoch hat das KV-System mit den Terminservicestellen eindrucksvoll bewiesen, dass es Großprojekte umsetzen kann“, erklärte Gassen vor Journalisten.

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Allerdings zweifelt er weiter am Sinn des Plans des Gesetzgebers. „Wir fühlen uns mit diesen Ergebnissen bestätigt, dass wir die Terminservicestellen nicht benötigen“, so Gassen. Insgesamt haben 12.000 Facharztpraxen Termine gemeldet. „Damit haben die Facharztpraxen mehr Termine gemeldet, als benötigt werden“, erklärt Florian Fuhr­mann, Geschäftsführer der KV Telematik. Pro Tag gebe es in den elf KVen 325 Buchungen. Dabei sei vor allem zu Beginn des zweiten Quartals ein Anstieg bei den Nachfragen für einen Facharzttermin zu verzeichnen gewesen. Anrufstärkste Tage seien Montag, Dienstag und Donnerstag in der Zeit von 8 bis 12 Uhr.

Regional sei die Zahl der vermittelten Termine sehr unterschiedlich: So habe es in Bremen 129 vermittelte Termine gegeben, in Hessen etwa 1.300 in den ersten sieben Wochen. Die KV Bayerns berichtet von 940 Terminen in den ersten vier Wochen. In der KV Berlin hatten insgesamt 1.382 Anrufer einen Anspruch auf eine Terminvermittlung. „Möglicherweise führt das Angebot der Terminvermittlung Patienten auch vor Augen, wie gut die Vermittlung zwischen dem eigenen Hausarzt und dem Facharzt klappt“, erklärte Gassen.

Am meisten nachgefragt sind bundesweit Termine bei Internisten (1.932), bei Neurologen (1.920) sowie bei Augenärzten (436), Radiologen (352) und Orthopäden (327). Bei den Internisten sind nach Auswertungen der KV Berlin und der KV Bayerns vor allem Termine bei Rheumatologen, Kardiologen und Gastroentologen nachgefragt. Die Fachärzte beklagen aber, dass etwa zehn Prozent der vermittelten Termine von Patienten versäumt und nicht wahrgenommen werden. „Diese No-Show-Quote ist sehr ärgerlich“, erklärt Gassen.

Einen Überblick über die Kosten, die durch die Regelung zu den Terminservicestellen im GKV-Versorgungsstrukturgesetz entstanden sind, kann die KBV derzeit nicht geben. Dafür benötige es eine längerfristige Evaluation. Die KV Bayerns hat für ihre Region berechnet, dass der Aufbau der Infrastruktur rund 188.000 Euro gekostet habe. Das seien 63 Euro pro vermitteltem Termin, teilten die drei KVB-Vorstände mit.

Das EDV-System, das von der KV Telematik GmbH entwickelt wurde, nutzen derzeit 11 Kassenärztliche Vereinigungen (KVen). In den KV-Regionen Bayern, Sachsen, Mecklen­burg-Vorpommern und dem Saarland werden eigene Systeme genutzt, die KV Nord­rhein plant eine Übernahme des Systems, in Schleswig-Holstein werden Teile des Systems genutzt.

Die Opposition im Deutschen Bundestag kritisiert die Einführung der Terminservice­stellen. Die Zahlen der KBV hätten deutlich gemacht, dass die Bundesregierung das Problem nicht „an den Wurzeln gepackt“ habe, erklärte Maria Klein-Schmeink, gesundheits­politische Sprecherin der Grünen. Eine Umfrage ihrer Partei habe in den vergangenen Jahren gezeigt, wo das eigentliche Problem liege: Zwar bekämen GKV-Patienten Termine innerhalb von vier Wochen. „Sie warten jedoch, wie von uns 2014 und 2015 in Auftrag gegebene Studien gezeigt haben, im Durchschnitt zwischen 16 und 24 Tage länger auf einen Termin als die PKV-Versicherten.“ © bee/aerzteblatt.de

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Kaulen
am Donnerstag, 5. Mai 2016, 09:06

Erste 100 Tage Terminvermittlung

Die Bilanz der ersten 100 Tage Terminservicestellen zeigt deutlich
die Notwendigkeit der Vermittlung von Terminen durch den behandelnden Hausarzt, da er wie kein anderer
1. die Notwendigkeit des Hinzuziehens eines Spezialisten und
2. im Falle einer Notwendigkeit deren Dringlichkeit
einzuschätzen vermag.
Das früher übliche Vermitteln weiterer Fachärzte durch die Hausärzte sollte erneut als ärztliche Leistung diskutiert und wieder praktiziert werden.
Ich bin überzeugt, daß sich der Großteil meiner Kollegen durchaus zufrieden zeigt mit einer Honorierung entsprechend einer einfachen Beratung nach GOÄ. Das bedeutet eine Einsparung von mehr als 50€ pro Terminvermittlung. In Zeiten angestrengter Gesundheitskassen sind Kosten von 63€ pro vermittelten Termin nicht akzeptabel und machen deutlich, daß das Gebot der Einsparungen im Gesundheitsbereich offensichtilich nicht für die Anbieter, sondern nur für den Verbraucher Gültigkeit hat.

Dr. Brigitte M.-T. Kaulen
LNS

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